Alle Konten bei zypriotischen Banken werden mit einer einmaligen Zwangsabgabe belegt – das trifft nicht nur reiche ausländische Anleger wie russische Oligarchen, sondern auch Pensionisten und andere Kleinsparer des Inselstaats.Beträge schon eingefrorenEin bisher einmaliger Vorgang im Kampf gegen die Euro-Krise. Im Gegenzug gewährt die Eurozone dem Land Finanzhilfen von bis zu zehn Milliarden Euro.Wer aufgeschreckt von den Neuigkeiten am Samstag seine Ersparnisse retten wollte, kam schon zu spät: Die Regierung in Nikosia hatte mit Eilmaßnahmen dafür gesorgt, dass der fällige Betrag blockiert wird.„Die zypriotische Regierung hat bereits mit der Umsetzung begonnen“, sagte das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen, als die Abgabe in der Nacht in Brüssel verkündet wurde.„Das ist eine Katastrophe“, sagte ein 45-jähriger Zypriot, der am Morgen zum Abheben seiner Ersparnisse zur Bank geeilt war – allerdings zu spät. „Liebe Depotinhaber, der Zeitpunkt, um vor euren Banken Schlange zu stehen, war letzte Woche“, twitterte der Brüsseler Eurokrisen-Analyst Sony Kapoor.Mindestens 6,75 Prozent sind weg„Jetzt hat es keinen Sinn. Eure Depots sind jetzt sehr, sehr sicher!“ Wer weniger als 100.000 Euro auf dem Konto hat, muss einmalig 6,75 Prozent seines Ersparten abgeben. Kunden mit mehr Geld verlieren 9,9 Prozent.Ein Pensionist mit 100.000 Euro auf der hohen Kante hat also am Dienstag, wenn die Banken nach einem Feiertag wieder öffnen, fast 10.000 Euro weniger auf dem Konto – und das trotz einer in der gesamten EU geltenden Einlagensicherung für Guthaben für bis zu 100.000 Euro.Wenigstens habe er Einschnitte bei Löhnen und Pensionen verhindern können, sagte Zyperns Finanzminister Michalis Sarris. „Wir gehen auf harte Zeiten zu, und die Gürtel werden enger geschnallt.“Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem begründete den Beschluss mit der im Vergleich zur sonstigen Wirtschaft des Landes außergewöhnlichen Größe des zypriotischen Bankensektors.Die Sonderabgabe zielt auch nicht vorrangig auf die Zyprioten, sondern auf reiche Bankkunden aus dem Ausland – die Insel gilt als beliebte Finanzoase für wohlhabende Russen, aber etwa auch für britische Anleger.Daher sieht Dijsselbloem in der Sondersteuer eine „gerechten Lastenverteilung“. Sie soll 5,8 Milliarden Euro bringen; das ist aller Voraussicht nach bedeutend mehr, als der Internationale Währungsfonds (IWF) zur Rettung des Landes vor der Pleite beitragen wird.Reaktionen aus Deutschland zurückhaltendIndem nun auch reiche Ausländer für die Zypern-Rettung zur Kasse gebeten werden, könnten sich die Chancen für eine Zustimmung des Deutschen Bundestags zu dem Hilfspaket erhöhen.Denn in Deutschland wurde in den vergangenen Monaten heftig darüber diskutiert, ob ein Rettungspaket für Zypern nicht vor allem wohlhabenden Steuerflüchtlingen und Geldwäschern zugutekomme. Doch die ersten Reaktionen aus Deutschland waren zurückhaltend – aus den Reihen der Regierungsfraktionen und der Opposition.Zunächst einmal müsse geklärt werden, ob im Fall Zypern die „Systemrelevanz“ gegeben sei – eine Rettung des Landes also für das Wohl des Euro unabdingbar ist, sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle.Auch der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach bezweifelte dies, da Zypern nur die Wirtschaftskraft von Bremen habe: „Nach den mir vorliegenden Informationen werde ich dem Rettungspaket von Zypern nicht zustimmen.“„Allein die richtige Richtung ist nicht genügend“, sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu dem Brüsseler Beschluss. Er könne im Augenblick nicht ermessen, inwieweit Kleinsparer von dem Beschluss betroffen seien, zudem halte er eine Beteiligung Zyperns an einer Finanztransaktionssteuer für sinnvoll.Die Vizechefin der Linken, Sahra Wagenknecht, kritisiert das Paket als „unsozial“, da „Kleinsparer ab dem ersten Euro“ betroffen sind.apa/afp