<BR />Wie wichtig soziale Medien für finanzielle Entscheidungen geworden sind, zeigt eine Studie der internationalen Hochschule in Erfurt. Demnach lässt sich jeder Fünfte zwischen 16 und 30 Jahren in seinen Finanzentscheidungen auch durch Social Media beeinflussen. <BR /><BR />Für Experten nicht verwunderlich: Finfluencer schaffen es, komplexe Inhalte wie ETFs, Altersvorsorge und Kryptowährungen verständlich zu erklären und sprechen oft in einer einfacheren, lockeren Sprache – damit erreichen sie junge Erwachsene, vor allem jene ohne Finanz- oder BWL-Kenntnisse, besser als der klassische Finanzberater im Anzug und mit Krawatte in der Bank.<h3> Guter Anstoß für junge Menschen</h3>Die Beiträge von Finanz-Influencern können daher ein guter Einstieg und Anstoß dafür sein, dass junge Menschen sich näher mit dem Thema Geld beschäftigen. Zumal auf dem Schulweg eine solide Finanzkompetenz (noch) kaum zu erreichen ist. Immerhin kann laut einer Studie der Versicherungsgesellschaft Alleanza Assicurazioni in Italien keine Region ein ausreichendes Finanzwissen vorweisen.Wie erkennt man seriöse Influencer?<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1277595_image" /></div> <BR /><BR />Dieses Manko ist aber Chance und Risiko zugleich. Denn im Netz finden sich neben seriösen Angeboten auch problematische und teils sogar betrügerische Inhalte. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen, ist erst recht für Menschen mit wenig Vorwissen schwierig.<BR /><BR /> „Tatsächlich ist das eine der größten Herausforderungen für Menschen, die wenig Zeit und wenig Fachwissen haben“, bestätigt Paolo Coletti. Der Hochschulforscher ist Dozent an der Südtirol Business School und einer der bekanntesten Finanz-Youtuber Italiens mit aktuell rund 188.000 Abonnenten.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-73559274_quote" /><BR /><BR /><BR />Wer sich Gedanken macht, wie er sein Geld anlegen möchte, muss laut Coletti zwangsläufig etwas Zeit und den Willen mitbringen, sich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen. „Ich rate deshalb allen, die nicht bereit sind, zumindest ein wenig Zeit aufzubringen, grundsätzlich davon ab, überhaupt zu investieren – oder empfehle ihnen, nur in sehr risikoarme und bekannte Produkte zu investieren, wie etwa Festgeldkonten oder Staatsanleihen.“<h3> Sich mehrere Meinungen anhören</h3>Das Problem: Als Finanzguru ausgeben kann sich online jeder; dafür muss man kein ausgebildeter Finanzberater mit Eintragung im Berufsregister oder Hochschulprofessor für Ökonomie sein. Das bedeutet aber auch, dass möglicherweise unvollständige oder falsche Informationen weitergegeben werden. „Oft hört man nur einem einzigen Influencer zu, lässt sich von seiner Erzählweise begeistern und vertraut ihm zu 100 Prozent“, weiß Coletti – genau das sei aber ein Fehler.<BR /><BR />Deshalb empfiehlt es sich grundsätzlich, genauer hinzusehen. Was verrät der Finfluencer über seinen Hintergrund, seine Kenntnisse, seine Motivation? Vorsicht ist bei den Followern geboten. Positive Bewertungen könnten auch gefälscht, eine hohe Anzahl von Followern manipuliert sein.<BR />Colettis Tipp: „Ein gutes Mittel ist, mehrere Personen zum gleichen Thema anzuhören – insbesondere dann, wenn sie andere oder gegensätzliche Meinungen vertreten.“<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-73559275_quote" /><BR /><BR /><BR />Auch gilt es – vor allem für unerfahrene Anleger –, vorsichtig zu bleiben: Oft werden auf Social Media riskante Geldanlagen gehypt, etwa Kryptowährungen. Das sind allerdings keine Produkte, in die Anfänger, die sich des Risikos vielleicht noch nicht bewusst sind, gleich höhere Summen investieren sollten.<h3> Eine Anlage hat nur Vorteile? Misstrauisch bleiben</h3>Hinzu kommt, dass Influencer ein Interesse daran haben, mit ihren Inhalten Geld zu verdienen – das kann auch bei Finfluencern der Fall sein. Diese Werbung müssten sie eigentlich per Gesetz als solche kennzeichnen – und seriöse Influencer tun das auch. „Allerdings ist es manchmal so, dass Werbung sehr geschickt in die Erzählung eingebaut wird. Oder es handelt sich um ein eigenes Produkt des Influencers – etwa einen Kurs oder eine Software. In solchen Fällen kann man leicht eine unabhängige Meinung mit einer interessengeleiteten verwechseln“, erklärt Paolo Coletti.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1277598_image" /></div> <BR />Er rät daher, bei absoluten Aussagen grundsätzlich misstrauisch zu werden. „Ein Produkt, das angeblich keinerlei Nachteile hat oder bei dem nur die Vorteile hervorgehoben werden, verdient besondere Aufmerksamkeit. Bei wichtigen Entscheidungen sollte man immer eine zweite Quelle suchen – idealerweise jemanden, der über das Produkt spricht, ohne dafür bezahlt zu werden.“<BR /><BR />Vorsicht ist laut dem Finanz-Profi auch bei sogenannten „Freundschaftscodes“ oder Empfehlungslinks geboten. „Oft erhält der Influencer keine direkte Vergütung, sodass es formal nicht als Werbung gilt – bekommt aber eine Provision für jeden neuen Kunden. Solche Codes sind ein Hinweis darauf, dass die Information zwar möglicherweise korrekt, aber nicht unabhängig ist.“<h3> Vorsicht vor Betrügern – die Warnsignale</h3>Es ist das eine, jemandem Werbung als sachliche Information zu verkaufen; ein ganz anderes Paar Schuhe ist es jedoch, wenn es um Betrug geht. „Investiere 100 Euro und verdiene in einer Woche 1.000 Euro“ – bei solchen Slogans gilt es, hellhörig zu werden. Betrüger versuchen gern mit falschen Versprechungen, Menschen dazu zu bringen, ihnen Geld zu überweisen oder sie in ein Schneeballsystem zu locken.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-73559276_quote" /><BR /><BR /><BR />„Hier gilt die einfache Regel: Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meistens auch“ sagt Paolo Coletti. „Garantierte Renditen von zehn Prozent pro Jahr sind derzeit mit keinem seriösen Investment möglich – erst recht nicht pro Monat. Anlagen, die man heute als nahezu sicher einstufen kann, bringen aktuell eher rund zwei Prozent netto im Jahr.“<BR /><BR />Um sich vor Gaunern zu schützen, rät er dazu, zunächst einfach einmal den Influencer oder Produktanbieter zusammen mit dem Wort „Betrug“ zu googeln. Oft findet man auf diesem Weg Erfahrungsberichte von Betroffenen.<BR /><BR />Sehr wichtig: Wer einmal Opfer eines Betrugs geworden ist, läuft Gefahr, erneut von denselben Tätern kontaktiert zu werden. „Diese verlangen dann weiteres Geld, um angeblich Auszahlungen ,freizuschalten' oder ,Steuern zu bezahlen'“, warnt Coletti. Nach einer zweiten Zahlung folge oft die dritte Masche: eine E-Mail von einem angeblichen Anwalt, der anbietet, das verlorene Geld zurückzuholen, und behauptet, Informationen über die Betrüger zu besitzen. „In Wirklichkeit handelt es sich häufig um einen falschen Anwalt, der mit denselben Betrügern zusammenarbeitet und ein weiteres Mal Geld erbeuten will.“<BR /><BR />Kein Betrug, aber zu unliebsamen und teuren Überraschungen können auch Investitionen bei ausländischen Anbietern führen, warnt der Experte. „Zwar sind einige von ihnen berechtigt, in Deutschland oder Italien tätig zu sein. Dennoch bringen sie häufig komplizierte steuerliche Pflichten mit sich, die vollständig beim Anleger liegen. Für Nicht-Experten sind solche Anbieter deshalb grundsätzlich riskant.“<h3> Braucht es mehr Regulierung?</h3>Bei Kosmetikprodukten mag bezahlte Werbung harmlos sein, schlimmstenfalls hat der User vielleicht ein paar hundert Euro in eine Wimperntusche oder eine Gesichtscreme investiert, die nicht seinem Geschmack entsprechen – ein klassischer Fehlkauf eben. Im Finanzbereich hingegen kann es einen teuer zu stehen kommen, wenn man dem falschen Influencer vertraut. Braucht es hier mehr Regulierung?<BR /><BR />Tatsächlich gibt es schon eine gewisse Kontrolle. „Das Gesetz verbietet bereits heute unter hohen Strafen – bis zu acht Jahren Freiheitsentzug – die Erteilung individueller, konkreter Anlageberatung durch Personen, die keine zugelassenen Finanzberater sind“, sagt Paolo Coletti. Allgemeine Hinweise oder Einschätzungen seien jedoch erlaubt. Aber Empfehlungen wie „Kaufen Sie diese Aktie, sie wird steigen“ werde man von seriösen Influencern nicht hören.<BR /><BR />„Das Problem sind eher einzelne Akteure, denen ihre Reputation egal ist und die mit reißerischen Prognosen und riskanten Empfehlungen Aufmerksamkeit erzeugen wollen – auch wenn diese formal legal sind“, erklärt Coletti.<BR /><BR />Eine strengere Regulierung hält er aus zwei Gründen für schwierig. „Zum einen würden Betrüger und fragwürdige Anbieter weiterhin Schlupflöcher nutzen. Im Finanzbereich lassen sich ständig neue Produkte erfinden, die bestehenden Regelungen entgehen.“ Zum anderen gebe es auch zugelassene Berater, die ungeeignete oder überteuerte Produkte empfehlen würden – oft im Interesse ihres Arbeitgebers und nicht im Interesse des Kunden. „Und würde man die kritische Aufklärungsarbeit seriöser Finanz-Influencer zu stark einschränken, erschwerte man es Verbraucherinnen und Verbrauchern zusätzlich, sich unabhängig zu informieren und die Qualität der Beratung zu hinterfragen. Das würde die ohnehin geringe Finanzbildung weiter schwächen.“<h3> Fazit</h3>Sich über Finfluencer „weiterzubilden“ und zu informieren, ist eine gute Idee, sofern man nicht gleich jedem vertraut, der einen beeindruckt. Wer kritisch bleibt und sich auch anderweitig informiert, tut sich selbst und seinem Kontostand etwas Gutes.