Drei Südtiroler auf der Expo

Die Kartoffel-Helden

von Martina Hofer

5. Oktober 2015

Sie sind in der heimischen Gastronomieszene keine Unbekannten. Suppe aus der Spritze, Nudelsalat im Betonmischer, gebügeltes Fleisch oder Lachs aus der Spülmaschine – die Kreationen der Unterlandler Caterer von „Emotion Events Catering & more“ haben schon für so manchen lukullischen Aha-Effekt im Land gesorgt. Momentan aber dreht sich bei Bernd Schwienbacher (32), Koch aus Auer, Danilo D'Ambra, (29), Koch aus Bozen und Andreas Sbop, (31), Logistiker aus Auer alles um Kartoffeln. „Das ist die Basis der weißrussischen Küche“, erzählen die Drei mit einem Lachen.

Bernd Schwienbacher, Danilo D'Ambra und Andreas Spob führen den weißrussischen Pavillon.

Über Stahlbau Pichler auf die Expo

Seit mittlerweile fünf Monaten sind die drei Caterer in Mailand und führen dort den kleinsten der 250 Pavillons auf der Expo: den weißrussischen Pavillon „Belarus“. Die „Räder des Lebens“, so der Name des Konstrukts, wurde vom Bozner Unternehmen Stahlbau Pichler in Zusammenarbeit mit dem Design Studio Kolya aus Minsk gebaut, vom Sheraton übernommen und den drei Südtirolern im Dezember 2014 zur Führung angeboten. Verrückt wie die drei Männer sind, wurde nicht lange überlegt. D'Ambra, Sbop und Schwienbacher reisten nach Weißrussland, verinnerlichten sich dort die heimische Küche und übersiedelten Ende April mit einem Teil ihres Cateringservices aufs Expo-Gelände. „Klar wussten wir nicht, ob es sich auszahlt und was uns erwartet. Heute können wir sagen: Es war der richtige Weg“, sagt Spob.

Die „Räder des Lebens“, so der Name des Pavillons, wurde vom Bozner Unternehmen Stahlbau Pichler in Zusammenarbeit mit dem Design Studio Kolya aus Minsk gebaut.

1.200 Essen am Tag

Bis zu 1.200 Essen gibt das zehnköpfige Team aus Küchen- und weißrussischem Servicepersonal an einem guten Tag aus. „In der Relation zu den täglich 250.000 Messebesuchern mag das eine kleine Zahl sein, doch ganz ehrlich: Würde Ihnen bei 250 Restaurants aus 250 Ländern in den Sinn kommen, weißrussisch essen zu gehen? Mir nicht“, sagt D'Ambra schelmisch. Denn gerade für den europäischen Gaumen seien Kartoffeleintopf und Innereien etwas gewöhnungsbedürftig. Um den Gästen die traditionelle Kost trotzdem schmackhaft zu machen, haben die Südtiroler die Kartoffelgerichte modern interpretiert. Fünfmal wurde die Karte bis jetzt geändert, ca. vier Gerichte stehen täglich zur Auswahl.

Speck als Türöffner

„Das Problem hier auf der Expo ist: Kein Tag ist wie der andere. Manchmal haben wir 100, dann wieder 1000 Gäste. Man muss flexibel agieren“, erklären die drei Pavillon-Betreiber. Doch das sind sie aus dem Gastgewerbe gewohnt. 17 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche spulen sie manchmal ab, wollen überall dabei sein, jede Chance für sich nutzen. Wenn es am Wochenanfang auf der Expo etwas ruhiger zugeht, widmen sie sich darum ihrem Kerngeschäft, dem Catering. Zahlreiche Events und Stände innerhalb der Messe wurden bereits mit Gaumenkitzlern aus Speck, Käse und Äpfeln beliefert, etwa die Expo-Vinitaly oder das Choccolate Event. „Die Leute lieben die Südtiroler Produkte, die wir gern etwas modern oder mediterran interpretieren, viele buchen uns nur deshalb“, erklären die drei Nimmermüden. Auch im „Piccolo Südtirol“, ein Bistro auf Zeit, dass sie in der via Rovello während der Expo aufgesperrt haben, sind Knödel mit Gulasch, Schlutzkrapfen und die edlen Tropfen der Kellerei Kurtatsch ein Renner – ähnlich wie am Südtiroler Expo-Stand der EOS.

Dort stehen die Leute für ein Vinschgerle bis zu einer Stunde in der Warteschlange. „Ich habe zwei Wochen dort ausgeholfen, es ist ein Inferno. Da gehen um die 6.000 Speckbrettln am Tag über den Ladentisch. Das Team arbeitet wirklich hervorragend. Ich glaube unser Provinznest mit 520.000 Einwohnern ist auf der Welt bekannter als Weißrussland mit 9,4 Millionen Einwohnern“, lobt der Bozner Koch Danilo D'Ambra seine Kollegen vor Ort.

Danilo als TV-Koch

Doch mindestens genauso bekannt wie die Südtiroler Produkte ist mittlerweile auch D'Ambra selbst. Er steht nämlich regelmäßig für die „Cooking Show“, die live vom Expogelände auf Rai 3 übertragen wird, vor der Kamera. Auf einer Showbühne kocht er dort gegen einen Kollegen aus einem anderen Land. „Eigentlich lief mein Vertrag nur bis 1. September, jetzt hat man ihn bis Dezember verlängert, weil das Format gut läuft“, freut sich der umtriebige Küchenchef.

Der Bozner Chefkoch Danilo D'Ambra nimmt auf der Expo regelmäßig an der „Cooking Show“ teil. Sie wird auf Rai 3 übertragen. Foto: RAI

Mit dieser nationalen TV-Sendung kann das Cateringunternehmen „Emotion Events“ nicht nur seine Bekanntheit deutlich steigern, auch die Netzwerke verflechten sich immer intensiver. Aufträge aus Berlin oder Paris sind keine Seltenheit mehr. Auch der Präsident von Nepal geht am Weißrussland-Stand gerne essen, der König von Togo und auch  der weißrussische Ministerpräsident Andrej Kabjakou war schon dort. Doch was sagt dieser, wenn in „seinem“ Stand ein Grüppchen  Südtiroler die Fäden ziehen? Die sind glücklich und loben uns für unseren Einsatz“, sagt das Trio und ist froh, wenn die nächsten fünf Wochen bis zur Schließung der Expo am 31. Oktober noch gut verlaufen. „Früher waren wir schöne Jungs, jetzt sind wir nur noch fertige Typen. Ich glaube wir sind in den vergangenen fünf Wochen 40 Jahre gealtert“, scherzen die Drei und wissen heute schon: ein weißrussisches Restaurant werden sie in Südtirol wohl nie eröffnen.