Design

Der Autodidakt, seine Unikate und das Hochgebirge

von Alexander Zingerle

14. Januar 2016

Manuel Egger beschafft sich seine Holzstücke eigenständig bei ausgiebigen Touren im Hochgebirge - Alle Fotos: M. Egger

Wenn’s einfach wäre, hätte Manuel Egger wohl viele Nachahmer. Weil der 28-jährige Rittner jedoch viele verschiedene Talente in einer Person vereint, steht er mit seinem Kunsthandwerk ziemlich alleine da. Beziehungsweise, wie er dieses Kunsthandwerk praktiziert. Manuel Egger ist ein ausgewiesener Naturbursche und liebt es, sich selbst bei anspruchsvollen Höhentouren zu spüren und dabei die Bergwelt zu ergründen.

 

Dabei fallen ihm immer wieder besondere Objekte ins Auge: Knorrige Wurzeln, verwitterte Stämme, ausgewaschenes Treibholz in Bachbetten und was man eben alles so im unzugänglichen Gelände vorfindet. Egger genießt aber nicht nur den Blick darauf, sondern nimmt solche Natur-Unikate mit, um abends in seiner Werkstatt daraus Möbelstücke oder Skulpturen zu fertigen. „Natürlich ist der Transport von größeren Holzstücken die Herausforderung, denn es kommt schon vor, dass ich einen kompletten Baumstamm mehrere Stunden durch das Hochgebirge schleife oder aus Schluchten berge“, sagt Egger zu Oha!

Hersteller von ähnlichen Möbelstücken würden seines Wissens das Rohmaterial per Helikopter transportieren, dementsprechend hochpreisig werden die Designer-Unikate dann auch gehandelt.

Die in ganz Südtirol zusammengetragenen Unikate bearbeitet Egger in seiner eigenen Kellerwerkstatt in Unterplatten

Obschon Egger die Objekte eigenhändig sucht und anschließend bearbeitet, handelt es sich nicht um seine Haupttätigkeit. Der Rittner aus Unterplatten arbeitet ist seit über zehn Jahren in der Baufirma seines Vaters, begann vor zwei Jahren für die Verwandtschaft einige Holzkunstwerke zu fertigen und hat seit einem Jahr sein eigenes Gewerbe angemeldet. „Von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends bin ich in der Baufirma tätig, danach widme ich mich in meiner Werkstatt bis elf Uhr abends den Holzunikaten“, sagt Egger, denn „Energie habe ich massenhaft, manchmal muss ich nur den Kopf freibekommen.“

 

Lampen, Tische, Skulpturen oder Weinregale formt der Rittner aus dem knorrigen Holz

In seiner Kellerwerkstätte formt er, der sich gerne als einfallsreichen Freigeist bezeichnet, aus seinen Fundstücken Kleiderständer, Schüsseln, Tische, Lampen und sogar Skulpturen oder Herrgotts-Unikate. Das Fundstück soll dabei jeweils für sich sprechen, also vervollständigt es Egger lieber anstatt es mittels Säge oder Hobel zu stark zu verformen. Wäre auch schade, denn das von den Naturkräften geformte Holz besitzt eine starke Aura.

Nach Feierabend widmet sich Egger seinem Kunsthandwerk

Manuel Egger ist reiner Autodidakt, denn gelernt hat er dieses Kunsthandwerk nicht. „Ich habe nur ein Jahr des Grundlehrganges in Design und Grafik besucht,  dabei aber nur  Computerprogramme kennengelernt. Ich könnte aber nicht den ganzen Tag im Büro verbringen, also habe ich lieber in der Firma meiner Eltern zu arbeiten begonnen“, sagt er. Seit einem Jahr hat er seinen eigenen Stil und seine Technik weiterentwickelt, immer mehr Interessenten ordern Auftrags-Unikate.

Blick in die Unikaten-Werkstätte

Egger ist überwältigt von den vielen Rückmeldungen, viele Leute schicken ihm Fotos von seinen Möbelunikaten in ihren Räumlichkeiten. Offensichtlich liegt er mit seinen Stücken im Trend. Der vielbeschäftigte Autodidakt hat inzwischen schon ein weiteres Unterfangen geboren: Komplette Räume oder gar Wohnungen umgestalten, also Lampenwuzeln in der Decke fixieren oder mit unregelmäßigen Steinplatten die Wände dekorieren. Ein Freigeist wie er einer ist braucht eben immer wieder ein neues Betätigungsfeld.

Am Wochenende zieht es den 28-Jährigen zu jeder Jahreszeit ins Hochgebirge