Startseite » Politik im Überblick » Lokal

Artikel vom Sonntag, 9. September 2018

Blumau: Gedenkstein für KZ- Opfer eingeweiht

Mehr als 200 Personen nahmen am Samstag an der Einweihung des Gedenksteines für die Internierten des faschistischen „Campo di concentramento Campo Isarco“ in Blumau teil. Dazu eingeladen hatten der Südtiroler Heimatbund, der Heimatschutzverein Karneid, die 3 Schützenkompanien Karneid, Steinegg und Gummer sowie die Gemeinde Karneid.

Mehr als 200 Personen nahmen am Samstag an der Einweihung des Gedenksteines für die Internierten des faschistischen „Campo di concentramento Campo Isarco“ in Blumau teil.

Mehr als 200 Personen nahmen am Samstag an der Einweihung des Gedenksteines für die Internierten des faschistischen „Campo di concentramento Campo Isarco“ in Blumau teil.

Dieses italienisch-faschistische Internierungslager geriet bald nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Besonders die italienischen Politiker machten lieber auf das nazideutsche Durchgangslager in der Reschenstraße in Bozen aufmerksam. So wie die vielen italienischen Konzentrationslager in Ost- und Nordafrika, in Griechenland und in Slowenien während des Weltkrieges, passten solche „Einrichtungen“ nicht in das Geschichtsbild über das „Ventennio“, worin der Duce stets brav und nur sein Kumpan Hitler ein Mörder und Verbrecher war.

Massenerschießungen

Zeitweise waren hier an die 3.000 Personen eingesperrt. Daran, dass die Gefangenen ihrer Freiheit beraubt waren, ließen Stacheldraht, 66 Scharfschützen, Schwarzhemden und tägliche Appelle keinen Zweifel aufkommen. Auch für eine vorbereitete Massenerschießung wurden nun Belege gefunden.

Neben der Bürgermeisterin von Karneid, Martina Lantschner, ergriffen auch SHB-Obmann Roland Lang, der Hauptmann der Schützenkompanie Karneid, Walter Falser, und Christine Wunsch für den Heimatpflegeverein von Karneid das Wort.

Mehr als 200 Personen nahmen am Samstag an der Einweihung des Gedenksteines teil. 

Ehrengast war die Historikerin Kersevan

Ehrengast der Veranstaltung war die Buchautorin und Historikerin Alessandra Kersevan aus Udine, die in ihrer Stellungnahme erklärte: „Der Anlass ist wichtig, vor allem im Hinblick auf die Geschichte, denn durch diese Initiative trägt Eure Gemeinschaft dazu bei, einen wichtigen Teil der Vergangenheit Italiens ins Rampenlicht zu stellen, von dem in dieser Nachkriegszeit wenig geredet wurde: ich meine das Vorhandensein im italienischen Staatsgebiet – in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs – eines ausgedehnten Netzes von Konzentrationslagern, die vom Faschismus errichtet worden waren. Eines von diesen Lagern war hier, in Blumau, in einem Gebiet, das bereits wegen der Unterdrückung der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung durch den Faschismus gelitten hatte. Bis vor kurzem war „Prati d’Isarco“ nur ein Name im Verzeichnis der über zweihundert vom Mussolini-Regime geführten Konzentrationslager. Jetzt aber können wir dank der Nachforschungen von Günther Rauch die Geschichte dieses Lagers kennenlernen.“

SHB-Obmann Roland Lang und Historikerin Alessandra Kersevan.

Flucht aus KZ war unmöglich

Günther Rauch, Autor des Buches „Italiens vergessenes Konzentrationslager Campo Isarco“ ging in seiner Ansprache unter anderem auf die Größe und Bewachung des Lagers ein: „Das zwölf Hektar große Lager von „Campo d’Isarco“ war von doppelten Stacheldrahtzäunen umgeben. Nicht weniger als sechundsechzig (66) mit scharfen Schusswaffen ausgerüstete Wachsoldaten sorgten Tag und Nacht dafür, dass jede Flucht unmöglich war.”

Klarstellung

Das Internierungslager wurde in den italienischen Dokumenten “Campo di Concentramento Prato Isarco” genannt. Die Bezeichnung wurde aus diesen Unterlagen bezogen. Dazu schreibt Rauch in seinem Buch auf Seite 16:

„Der von den Internierten und vom italienischen Innenministerium verwendete Begriff „campo di concentramento“ suggeriert automatisch ein „Vernichtungslager“, das heißt massenhafte und systematische Hinrichtung menschlichen Lebens. Davon ist allerdings aus dem „KZ Campo d’Isarco“ nichts überliefert. Außer man hat, wie vieles andere in der Geschichte Südtirols, alles vertuscht und verschwiegen.

Im Lager „Campo d’Isarco“ dürften wohl eher die Einschüchterung, psychologische Erniedrigung und die Zwangsarbeit im Vordergrund gestanden sein. Es diente zur Internierung von Kriegsgefangenen und zur Bestrafung von Deportierten und Zwangsarbeitern.“

stol