Startseite » Politik im Überblick » Lokal

Artikel vom Montag, 10. September 2018

La Ila/Stern: „Bleiben wir menschlich“

Nachdem sich der Pfarrgemeinderat von La Ila/Stern in der vergangenen Woche mehrheitlich gegen die Aufnahme einer Flüchtlingsfamilie in der Pfarrei ausgesprochen hat, haben mehrere Bürger gesammelt einen offenen Brief verfasst.

Das Pfarrhaus in La Ila/Stern.

Das Pfarrhaus in La Ila/Stern. - Foto: D

Es handle sich um eine „Stellungnahme für Menschlichkeit und gegen Rassismus und Fremdenhass“, heißt es in der Aussendung, an den Pfarrgemeinderat, aber nicht nur. 

„Als Südtiroler fragen wir uns (rhetorisch), was die Mitglieder im Pfarrgemeinderat von Stern unter Christentum und christlicher Nächstenliebe verstehen.“ Wenn Gemeinderatsmitglieder ihre Ablehnung gegenüber die Aufnahme von Geflüchteten mit Aussagen unterstreichen wie „man kann nicht auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen“, dann sei das schon traurig genug.

Wenn aber - bis auf die Vorsitzende und den Dekan - alle anderen Mitglieder eines Pfarrgemeinderats befinden, ihre ‚Ängste‘ (vor ‚Überfremdung‘ oder ‚Islamisierung‘…)  seien eine legitime Ausrede gegen die prinzipielle Offenheit für eine Beherbergung einer Familie auf der Flucht, „dann läuft es unserem ethisch-moralischen Grundverständnis eiskalt über den Rücken“. 

„Wir solidarisieren uns mit allen Menschen, die sich in Südtirol und überall sonst gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit äußern und einsetzen. (...) Äußern wir uns in Südtirol offen und laut gegen Rassismus und Hass. Wir haben eine menschliche Verantwortung dazu, in Südtirol auch für neue Mitbürger Chancen auf Heimat zu eröffnen“, heißt es in der Aussendung weiter, die von 42 Personen unterzeichnet wurde.

Sie rufen die Gadertaler auf, sich laut und deutlich gegen Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Kultur-Paranoia auszusprechen. „Denn auch in eurer Gemeinde wird es heute und morgen Mitmenschen geben, die vom rassistisch_sexistischen „Normalo“ als minderwertig oder nur “geduldet” gelesen werden. Besonders auch diese Mitmenschen brauchen Solidarität und Chancen, um in Würde Heimat bauen zu können“, heißt es weiter.

Abschließend werden auch die Landespolitiker angesprochen: „Wann wird auch von Seiten der Landespolitik endlich aktiv und seriös darin investiert, um Rassismus und ‚Fremdenangst‘ in Südtirol zu entgegnen?“

stol

Stefan Laner, Mühlwald

Hilfe kann man auch mal "gratis" zur Verfügung stellen, besonders dann, wenn es ehrenamtliche Menschen gibt, die sich um Hilfesuchende kümmern.. Was würden wir zum Beispiel ohne die Freiwillige Feuerwehr machen. Es ist doch nicht schlimm, wenn wir auch mal was abgeben und nicht gleich daran verdienen. Wenn wir von vorne herein Hilfgesuchende abweisen, weil sie noch nichts für uns "geleistet" haben oder "gratis" leben, finde ich das nicht sehr solidarisch. Wir haben es zur Zeit der Option auch nicht leicht gehabt, und haben jetzt die Möglichkeit anderen auch Helfen zu können. Jeder, der aus so einem Flüchtlingslager wieder raus kommt, hat wieder eine Chance auf ein freies Leben. Ich denke, wir könnten sehr wohl in vernünftigem und betreutem Masse zumindest einigen wenigen Familien in Südtirol ein Zauhause geben. Ich denke, es würde der Südtiroler Autonomie weiter dazu verhelfen, einen Schritt in Richtung Selbstentwicklung zu gehen und den Gedanken von Freiheit, Freundschaft und Gemeinschaft stärken, wenn wir auch die Integration von Kriegsflüchtlingsfamilien zustande bekommen würden. Somit finde ich, es sollte ein Anliegen der Regierung sein, die soziale und praktikable Infrastruktur in Angriff zu nehmen und Notwendiges bereit zu stellen. Ist das denn so schwer??

10.09.2018 23:10 Uhr

Melden

Georg Schwabl, Tisens

Man sollte in Zukunft auch einheimischen bedürftigen Familien eine Wohnung in einem Pfarrhaus gratis anbieten. Dies geschah bis jetzt äußerst selten oder überhaupt nicht. Dann wäre es vielleicht zu begrüßen, in erster Linie Christen , die aus ihrer Heimat fliehen mussten, aufzunehmen. Laut "Kirche in Not" werden viele dieser Menschen wegen ihres Glaubens an Jesus verfolgt und getötet. Sogar in europäischen Flüchtlingslagern müssen sie von andersgläubigen Flüchtlingen viel Schlimmes erdulden.

10.09.2018 21:25 Uhr

Melden

2 Kommentare