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Artikel vom Montag, 13. Mai 2019

Die Gletscher sind dem Tode geweiht

Bis 2050 werden die Gletscher in den Alpen um die Hälfte zurückgegangen sein. Und das unabhängig davon, wie wir uns bis dahin verhalten. Dies sagte der Gletscherforscher des Hydrographischen Landesamtes Roberto Dinale am Montag im Rahmen „Water Light Festivals“ in Brixen.

Der Eisverlust der Alpengletscher wird weiter zunehmen.

Der Eisverlust der Alpengletscher wird weiter zunehmen. - Foto: LPA

Die Durchschnittstemperaturen in den Alpen sind in den letzten 100 Jahren um 2 Grad gestiegen, um das Doppelte im Vergleich zur allgemeinen Erwärmung der Erde, bemerkte Dinale. Die großen Gletscher sind um 2 Kilometer im Vergleich zur letzten Erhebung im 19. Jahrhundert zurückgegangen und haben seit 2006 noch einmal 20 bis 25 Prozent an Oberfläche verloren.

„Wenn wir im Stande sein sollten, die Erderwärmung ein wenig einzudämmen, werden bis zum Ende dieses Jahrhunderts etwa ein Drittel der Gletscher überleben, andernfalls aber wird es in den Alpen keine Gletscher mehr geben“, so Dinale. Beim Water Light Festival in Brixen ist am Freitag auch der Klimaforscher Luca Mercalli auf die künftigen Szenarien eingegangen. Demnach werden wir mit immer stärkeren Hitzewellen rechnen müssen, wodurch der Wasserverbrauch steigen wird. „Wir müssen die Wasserverschwendung eindämmen, wir verbrauchen zuviel“, mahnte der Präsident der Italienischen Meteorologie-Gesellschaft. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass der andauernde Temperaturanstieg auf den Zuwachs von CO2 in der Atmosphäre zurückzuführen sei, so Mercalli. „Wenn wir so weitermachen, wird die Durchschnittstemperatur Ende des Jahrhunderts 5 Grad mehr betragen“, schätzt Mercalli.

Für den Alpinisten Hans Kammerlander, der ebenso im Rahmen des „Water Light Festivals“ in Brixen zu Wort gekommen ist, hat sich die Lage des Klimas weltweit stark verändert: „Ich bin in den Zillertaler Alpen aufgewachsen, dort ist das Eis gänzlich geschmolzen", sagte Kammerlander. "Kürzlich war ich am Manaslu im Nepal, wo ich vor 26 Jahren war, und habe ihn nicht mehr erkannt“, so Kammerlander.

ansa/stol