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Artikel vom Donnerstag, 11. Juli 2019

Tragisches Liebesnest: Spuk im Schloss Miramare

Schloss Miramare vor den Toren von Triest sollte das Liebesnest für Österreichs Erzherzog Ferdinand Maximilian und seine Frau Charlotte von Belgien werden. Doch dann kam alles anders.

Das Schloss Miramare sollte eigentlich als Liebesnest für den österreichischen Erzherzog Ferdinand Maximilian dienen.

Das Schloss Miramare sollte eigentlich als Liebesnest für den österreichischen Erzherzog Ferdinand Maximilian dienen. - Foto: shutterstock

Selbst in der Sonne glitzert es nie – so hat die walisische Reisejournalistin Jan Morris einmal Miramare beschrieben. Und tatsächlich hat das Schloss in der Bucht von Grignano, wenige Kilometer vor der italienischen Hafenstadt Triest, etwas Melancholisches. Jedenfalls, wenn man um die Geschichte des romantischen Schlosses aus weißem Kalkstein weiß.

Ein Rückzugsort für sich und seine Frau Charlotte von Belgien sollte Miramare nach dem Willen von Österreichs Erzherzog Ferdinand Maximilian sein, dem Bruder von Kaiser Franz Joseph I. Als Oberbefehlshaber über die Marine hatte er Gefallen an Triest gefunden und 1855 den Bau von Miramare in Auftrag gegeben.

Doch das Paar lebte nur vier Jahre dort, von 1859 bis 1863. Dann wurde der Österreicher zum Kaiser von Mexiko berufen, woran die Mexikaner eher weniger Interesse hatten: 1867 wurde der Habsburger hingerichtet, kurz vor seinem 35. Geburtstag. Seine Frau Charlotte, damals 27, wurde wahnsinnig. Ihre Familie holte sie von Miramare nach Belgien. Bis heute, so erzählt es die Legende, irre ihr Geist durch den verwinkelten Schlosspark und rufe nach Maximilian.

Auch danach schien Miramare, das zur Sommerresidenz der Habsburger umfunktioniert wurde, eher Unglück zu bringen. Ein britischer General zog es laut Morris schließlich vor, im Garten zu schlafen, um Unheil abzuwenden.

Fast alles ist original

Die Direktorin des Schlossmuseums, Andreina Contessa, findet: „Der Ort ist nicht traurig, sondern lebendig, offen und friedlich.“ Sie bestätigt allerdings den Aberglauben früherer Zeitgenossen.

„Die Leute kommen, weil sie das Liebesnest von Charlotte und Maximilian sehen wollen, diesen idealen Ort, den er erschaffen wollte“, glaubt Kunsthistorikerin Alice Cavinato, die im Schlossmuseum arbeitet. „Es ist immer noch ein romantischer Ort.“

Das Besondere an Miramare: Fast alles ist original. Nur das grünweiße Schild, das den Notausgang ausleuchtet, deutet daraufhin, dass mehr als 150 Jahre vergangen sind. Und natürlich die Besuchergruppen auf den Teppichen, die sich den Weg durch die vielen Räume im Erdgeschoss und ersten Stock bahnen. In Charlottes Salon ziert blaue Seidentapete die Wand, in einer Glasvitrine stehen Porzellanfiguren, ein Engel, ein Papagei. Das Schloss wirkt wie aus der Zeit gefallen.

Den imposantesten Raum, den rotgoldenen Herrschersaal, hat Maximilian ironischerweise nie selbst zu Gesicht bekommen. Der erste Stock wurde erst 1870 fertig, da war er schon drei Jahre tot. Von den Wänden blicken heute 16 Regenten von damals auf den Besucher herab.

Auch der verhängnisvolle Tisch, auf dem Maximilian unterschrieb, Kaiser von Mexiko zu werden, ist zu sehen.

Von Nazis besetzt

Im Zweiten Weltkrieg besetzten die Nazis das Schloss Miramare, danach wurde es zur Militärzentrale der Alliierten. Seit 1955 ist es für Besucher zugänglich. Wenn sie nicht gleich morgens kommen, müssen sie vor allem in den Sommermonaten Schlange stehen.

Auch wer sich nicht für den Adel interessiert, dürfte Miramare schön finden. Der Name bedeutet so viel wie Meeresblick. Und der Blick auf die Adria ist ziemlich erholsam. Baden allerdings, heißt es auf der Webseite des Schlossmuseums, ist verboten.

Dafür lädt der Park zum Verweilen ein. Eine Mischung aus italienischem Garten und englischer Parkanlage sollte er nach Maximilians Wunsch sein. Der half selbst beim Bepflanzen.

In Triest kennen viele Bewohner bis heute die Geschichte von Maximilian und Charlotte in Miramare. Eine Stadtführerin sagt: „Wir sagen immer, sie waren glücklich dort.“

Das Schloss ist täglich von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet und kostet regulär 8 Euro Eintritt.

dpa