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Artikel vom Freitag, 21. April 2017

Berauschtes Südtirol: Beim Alkohol einsame Spitze

Am Tresen lebt Südtirol in den Extremen: Alkohol ganz oder gar nicht. Nirgends im Staat ist die Zahl der Rauschtrinker größer. Doch auch die Zahl der Abstinenzler steigt. Was macht ein „normales“ Verhältnis zu Alkohol so schwierig? Ein Gespräch mit Peter Koler vom Forum Prävention.

Foto: shutterstock

Südtirol Online: Herr Koler, Südtirol ist in Sachen „Binge Drinking“ staatsweit einsame Spitze*. Was versteht man unter dem Begriff?
Peter Koler, Forum Prävention: Zunächst gilt es den Begriff „Standardgetränk“ zu klären. Laut wissenschaftlicher Definition entspricht ein Standardgetränk dem Wert von 10 Gramm reinen Alkohol. Anders gesagt: Ein Zehntel Wein, ein kleines Bier oder ein Schnaps – all diese Getränke ergeben jeweils ein Standardgetränk. Vom „Binge Drinking“ – also Rauschtrinken – spricht man, wenn eine Person sechs Standardgetränke bei einer Trinkgelegenheit trinkt. Wobei der zeitliche Rahmen nicht definiert ist.

Die „Binge Drinking“-Werte sind in Südtirol deutlich erhöht: Während im restlichen Italien durchschnittlich 7 Prozent zu den „Binge Drinkern“ zählen, sind es in Südtirol 20 Prozent.

Copyright: Istat

STOL: Warum ist das so?
Koler: Die transalpine und die mediterrane Trinkkultur unterscheiden sich sehr stark. Für die italienische Kultur ist der Konsum von sechs Gläsern Alkohol bei einer einzigen Gelegenheit ungewohnt bis abnormal. Andererseits ist „il vino a tavola“, das Weintrinken beim Essen, für die italienische Kultur normal, wohingegen die Südtiroler beim täglichen Alkoholkonsum unter dem nationalen Durchschnitt liegen. Andersrum schätzen die Südtiroler das „Feierabendbier“, was wiederum der Italiener so nicht kennt.

STOL: Anders gesagt: Würde Südtirol beim Alkoholkonsum mit österreichischen Bundesländern verglichen, wäre der „Binge Drinking“-Wert weniger herausragend?
Koler: Davon gehe ich aus. Italien weist mit 10,7 Litern reinen Alkohol pro Jahr sowieso eine der niedrigsten Pro-Kopf-Konsummengen in Europa auf. Zum Vergleich: Österreicher kommen auf 13,2 Liter und Spitzenreiter Tschechien gar auf 16,5 Liter pro Jahr.

STOL: Hat sich der Südtiroler „Binge Drinking“-Prozentsatz in den vergangenen Jahren erhöht?
Koler: Der Wert der Rauschtrinker ist recht stabil. Die Werte des täglichen Alkoholkonsums in Südtirol sinken hingegen und auch die Zahl der Abstinenzler wächst – auch unter den jungen Menschen.

Interview: Petra Gasslitter
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*Das italienische Statistikinstitut Istat hat soeben die neuesten Daten zum Konsum von Alkohol veröffentlicht. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2016. 73,3 Prozent der Südtiroler trinken Alkohol mindestens einmal im Jahr. Der italienische Durchschnitt liegt bei 64,7 Prozent. Beim täglichen Konsum von Alkohol liegt Südtirol (17 Prozent) unter dem italienischen Durchschnitt (21,4 Prozent). Beim „Binge Drinking“ hingegen ist Südtirol staatsweit an oberster Stelle: 19,8 Prozent zu 7,3 Prozent (Durchschnitt in Italien).

Christian taferner, Antholz Mittertal

Bist du Komasaufer??? .....nein ich bin BingeDrinker :-)

21.04.2017 22:56 Uhr

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1 Kommentar

 
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