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Artikel vom Freitag, 12. Juli 2019

„Gefahren rund um die Rückkehr des Wolfs werden verharmlost“

Für ein wolfsfreies Nord-, Ost- und Südtirol setzt sich der österreichische Nationalratsabgeordnete und Forum-Land-Obmann Hermann Gahr bereits seit Jahren ein. Dazu hat er auch 2 Petitionen im österreichischen Parlament eingebracht. Er sagt klar und deutlich: Die Rückkehr der Wölfe wird unterschätzt, verharmlost, und die wirklichen Folgen werden verschwiegen. Am Wochenende liegt dem Tagblatt „Dolomiten“ eine Wolf-Beilage bei.

Foto: shutterstock

„Dolomiten“: Wie ist die aktuelle Situation in Nord- und Osttirol in Bezug auf die großen Beutegreifer?

Hermann Gahr: Erst kürzlich gab es mehrere Schafrisse durch einen Bären im Pitztal, eine Wildkamera und ein DNA-Beweis haben es bewiesen. Sonst ist die Betroffenheit in der Gesellschaft noch nicht so ausgeprägt. Wenn es einen Vorfall oder einen Riss gibt, taucht das Thema große Beutegreifer wieder in den Medien auf. Doch mir ist es wichtig, dass wir hier nicht nur reagieren, sondern vor allem agieren. Wir sind hier auch solidarisch mit Südtirol, wo es sehr viele Wolfsrisse gibt. In Niederösterreich hat sich die Einstellung zum Wolf in der Bevölkerung schon etwas gewandelt. Am Truppenübungsplatz in Allentsteig gibt es 2 Wolfsrudel. Viele Bewohner trauen sich nicht mehr in den Wald, und Eltern haben Angst um ihre Kinder am Schulweg.

„D“: Welche Maßnahmen wurden bisher gesetzt, um die Problematik rund um die Rückkehr der Wölfe aufzuzeigen?

Gahr: Ich als Forum-Land-Obmann habe zahlreiche Informationsveranstaltungen rund um das Thema Wolf und große Beutegreifer abgehalten. Es gab jedes Mal großes Interesse und spannende Diskussionen. Abgesehen davon habe ich mit Betroffenen 2 Petitionen gegen den Wolf in den Nationalrat eingebracht, das wurde von intensiver Pressearbeit und Social-Media-Postings begleitet. Besonders gefreut hat mich, dass die Petition für ein wolfsfreies Tirol im Landwirtschaftsausschuss und im Plenum behandelt wurde. Dort gab es eine hitzige Diskussion mit den anderen Parteien, besonders die SPÖ und die Liste Jetzt haben zu diesem Thema weltfremde Ansichten, die kaum jemand versteht. Bei jedem Wolf wird willkommen geschrien, doch in Wien verlangen sie bei jedem Hund einen Maulkorb, das kann ich einfach nicht verstehen.

„D“: Was wird in den Petitionen konkret gefordert?

Gahr: In der neuesten Petition geht es vor allem um den Schutz unserer Haus- und Nutztiere. Der Wolf steht unter absolutem Schutz, doch wer schützt unsere Tiere? Diese sind den großen Beutegreifern hilflos ausgeliefert. Die Bauern müssen zusehen, wie ihre Tiere gehetzt, gerissen und brutal zerfleischt werden. Ich fordere daher die Senkung des Schutzstatus des Wolfes, das ist die einzige Möglichkeit, hier wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Der Wolf muss, wie jedes andere Wildtier auch, bejagt werden. Derzeit vermehren und verbreiten sich die Wölfe ungehindert, sie haben keine natürlichen Feinde. Wenn wir nicht anfangen, die Bestände zu regulieren, wird uns das Problem über den Kopf wachsen.

„D“: Wo sehen Sie die größten Gefahren?

Gahr: Ich sehe hier einige Dinge sehr problematisch. Angefangen bei unserem Lebensraum. Der Alpenraum ist zu dicht besiedelt und landwirtschaftlich genutzt für Wölfe. Durch die Rückkehr wird der Lebensraum von Mensch und Tier extrem auf die Probe gestellt. Bisher konnten die Bauern ihre Haus- und Nutztiere sicher auf den Almen weiden lassen. Das ist jetzt nicht mehr ungehindert möglich, das wird sich in den kommenden Jahren noch verschlimmern. Auch die Freizeit- und Tourismuswirtschaft sowie die Jagd sind betroffen, doch bisher haben sich immer nur die Bauern zu Wort gemeldet. Auch diese Bereiche müssen sich einmal positionieren. Die Gefahren werden zum größten Teil noch unterschätzt. Außerdem müssen wir auch über das Tierleid sprechen, das durch die Wölfe verursacht wird.

„D“: Wie ist die Einstellung zum Thema Wolf in der Landwirtschaft?

Gahr: Bauern sind Hauptleidtragende und in großer Sorge. Besonders die Almwirtschaft steht auf dem Spiel, diese hat eine Jahrhunderte alte Tradition. Die Landwirte wollen auch keine Entschädigungszahlungen für ihre gerissenen Tiere, sondern sie möchten artgerechte Tierhaltung betreiben, ohne Angst und Verluste. Der viel propagierte Herdenschutz ist für mich und für viele Experten nur eine Beruhigungspille ohne Wirkung. Beispiele aus der Schweiz und Frankreich zeigen, er funktioniert in der Praxis nicht und ist teuer.

„D“: Wie sieht es mit dem Wolfsmanagement in Österreich aus bzw. wurden schon Aktionen gesetzt?

Gahr: Ja, es gibt ein Wolfsmanagement in Österreich, doch der Wolf steht unter absolutem Schutz. Nur wenn ein Tier zur Gefahr für den Menschen wird, darf er entnommen werden. In Gumpenstein wurde auch ein Österreichzentrum für Wolf, Luchs und Bär errichtet. Doch meiner Meinung nach ist das viel zu wenig, mit diesen Dingen allein werden wir das immer größer werdende Problem nicht bewältigen können. Der Schutzstatus des Wolfes muss gesenkt werden. Abgesehen davon brauchen wir Mut zur Wahrheit, wir müssen die Probleme klar ansprechen und keine heile Welt malen. Hier sehe ich auch die NGOs in der Pflicht, keine schönen Geschichten zu erzählen, sondern die Realität abzubilden. Wölfe sind Raubtiere und keine Kuscheltiere. Wir brauchen einen Schulterschluss aller Betroffenen im Alpenraum, damit wir in Zukunft weiterhin Weidewirtschaft haben und keine Wolfsreviere. Denn der Wolf kennt keine Grenzen. Heute ist er in Südtirol und morgen in Nord- und Osttirol.

D

Am Wochenende ist den „Dolomiten“ eine Wolf-Beilage beigelegt. 

Luc Hurt, Bollendorf

Ich höre schon wieder das Wort Tradition. Der Mensch wird noch an seinen Drecks-Traditionen zu Grunde gehen. Amen

17.07.2019 18:22 Uhr

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Stefan Laner, Mühlwald

Der Herr Gahr hat sich auch sehr gut eingebracht zum neuen Waffengesetz für Jäger und Sportschützen. Niemand malt eine heile Welt, Herr Gahr malt aber eine gefährliche Welt, wenn der Wolf bleiben darf.

12.07.2019 23:24 Uhr

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2 Kommentare

 

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