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Artikel vom Dienstag, 12. Juni 2018

Völkerverbindender Weg nach Europa

Ein Friedensweg kreuz und quer durch schroffe Felsen, über markante Dolomitengipfel, der Grenzen in vielerlei Weise überwinden hilft, das ist die neue Klettersteigrunde zwischen den Ländern Südtirol, Belluno und Osttirol. Sie trägt das Vermächtnis der Völkerverständigung und soll zum Friedenssymbol unserer Zeit werden. Am Samstag fand die feierliche Eröffnung von „Dolomiten ohne Grenzen“ statt mit einem Friedensappell an Europa.

Hans Wenzl, Reinhold Messner und Fausto De Stefani freuen sich über die besondere Klettersteigrunde "Dolomiten ohne Grenzen". - Foto: Christian Tschurtschenthaler

Hans Wenzl, Reinhold Messner und Fausto De Stefani freuen sich über die besondere Klettersteigrunde "Dolomiten ohne Grenzen". - Foto: Christian Tschurtschenthaler

Bereits am frühen Morgen war eine Delegation von Spitzenexponenten des internationalen Alpinismus, allen voran Reinhold Messner, Fausto De Stefani und Hans Wenzl zur 2.539 m hohen Sella dei Frugnoni im Eisenreich aufgestiegen. Am Triangelpunkt der drei Dolomitenregionen Südtirol, Belluno und Osttirol enthüllten sie einen Gedenkstein, der Wanderer an das völkerverbindene Projekt von „Dolomiten ohne Grenzen“ erinnern soll. Dann wanderten die Alpinisten weiter zum Kreuzbergpass, wo der offizielle Festakt zur Eröffnung der neuen Klettersteigrunde am Programm stand.

Segnung des neuen Friedensweges am Kreuzbergpass

Die Präsidentin des Tourismusvereins Sexten, Waltraud Watschinger, konnte neben vielen Gästen auch eine illustre Runde an herausragenden Bergsteigern begrüßen, unter ihnen Konrad Renzler, Kurt Diemberger, Rainer Kauschke und Peter Siegert. Bürgermeister Fritz Egarter sprach von einem unübersehbaren völkerverbindenen Signal, das die Alpingeschichte Sextens eindrucksvoll unterstreiche.

Nach dem himmlischen Segen, den Dekan Andreas Seehauser für die neue Bergkletterroute von oben erflehte, betrat der wohl größte Alpinist der Gegenwart, Reinhold Messner das Rednerpult. Vor der Gipfelkette der Sextner Dolomiten unterstrich er die Einzigartigkeit dieses Gebirges, das vor 100 Jahren Opfer unseres menschlichen Wahnsinns, nämlich dem Ersten Weltkrieg geworden sei.
Reinhold Messner appelliert an die Einigkeit Europas

„Berge sind keine Grenzen, sie sind Barrieren, die überwindbar sind. Das trägt dazu bei, Verbindungen und Gemeinsamkeiten herzustellen“, so Messner. Mit erhobenem Zeigefinger warnte Messner vor den zunehmend nationalistischen Einflüssen, die in Europa derzeit massiv auf dem Vormarsch sind. Der Friedensweg „Dolomiten ohne Grenzen“ zeige hervorragend auf, wie Grenzen zwischen Menschen, Ländern, Sprachen und Nationalitäten verblassen, um in der Schönheit dieser Berge Freude und Gemeinschaft zu erleben.“

In dieselbe Kerbe schlugen auch seine Mitstreiter, die Testimonials aus der Provinz Belluno, Fausto De Stefani, und Hans Wenzl aus Osttirol. Europa dürfe nicht seinen Charakter verlieren, für deren Werte es seit Jahrzehnten weltweit eine Vorbildfunktion eingenommen habe. Eine Lanze für den völkerverbindenen Gedanken in Europa brachen auch der Präsident des italienischen Alpenvereins CAI, Vincenzo Torti, und der Landeshauptmann von Belluno, Roberto Padrin.

100 km Klettersteige, 9 Tagesetappen, 3 Provinzen, 1 Friedensweg

Zwölf gesicherte Klettersteige umfasst der neue alte Dolomitenhöhenweg zwischen den Gemeinden Sexten, Auronzo und Kartitsch, jeder von ihnen mit einem hohen alpinistischen und historischen Hintergrund ausgestattet. Die Idee dazu stammt vom Hüttenwirt der Carducci-Hütte auf der Auronzaner Seite des Zwölfers, Beppe Monti Fabbro.

„Wir haben uns zusammengetan, und schnell auch den touristischen Wert dieses Projektes erkannt“, erklärt der Sextner Bergführer Daniel Rogger. Er hat das Projekt von Beginn an, von der Vorbereitung bis zur Umsetzung begleitet. Dort wo einst die Kriegsfront verlief und sich österreichische und italienische Soldaten gegenüberstanden, können Bergbegeisterte heute über 100 km Klettersteige mit 17 Schutzhütten auf insgesamt 9 Tagesetappen erwandern. „Wir sind seit vier Jahren dabei, verfallene Kriegspfade klettersteigtauglich zu machen. Der neue Dolomiten-Friedensweg ist damit der einzige Kriegssteig dieser Art weltweit, der nun zu einem Ort der Zusammenkunft und der Freundschaft geworden ist“, meint Rogger.

Tolle Stimmung beim UNESCO-Welterbe-Fest

Finanziert wurde das Interreg-Projekt zu einem großen Teil mit Geldern der Europäischen Union. Südtirols Europaparlamentarier Herbert Dorfmann gratulierte den drei Dolomitenregionen und unterstrich die Vorreiterrolle für die alpinistische Weiterentwicklung von Berggebieten.

Mit der Ode an die Freude von Ludwig van Beethoven, besser bekannt als Europahymne, setzte die Musikkapelle Sappada/Plodn einen emotionalen Schlusspunkt am Ende des offiziellen Festaktes. Die Feierlichkeiten wurden mit dem anschließenden UNESCO-Welterbe-Fest und den unterhaltsamen Darbietungen verschiedener Musikgruppen abgeschlossen.
ct/stol

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