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Artikel vom Sonntag, 18. Juni 2017

Wieso 5 Schauspielerinnen ein Kollektiv bilden

Man kennt sich in der Südtiroler Theaterszene. Aber auch frau kennt sich. Alexa Brunner, Viktoria Obermarzoner, Petra Rohregger, Marlies Untersteiner und Katharina Gschnell verbindet einiges. Sie sind jung, sie sind Schauspielerinnen und sie mögen frischen Wind.

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Viktoria Obermarzoner, Marlies Untersteiner, Petra Rohregger, Katharina Gschnell und Alexa Brunner machen Ernst und haben Spaß. - Foto. Kathrin Obletter

Viktoria Obermarzoner, Marlies Untersteiner, Petra Rohregger, Katharina Gschnell und Alexa Brunner machen Ernst und haben Spaß. - Foto. Kathrin Obletter

Um für den zu sorgen, haben sich die 5 zu "Binnen-I" zusammengeschlossen –Südtirols jüngste Theaterformation. Ihre Motivation und Ambitionen sind hoch, ihre Geldmittel gering. Die Zukunft des Projekts ist noch ungewiss, aber das Ziel, das ist klar.

Südtirol Online: Frau Gschnell, seit Kurzem gibt es das Binnen-I – wie kommt‘s?

Katharina Gschnell: Über das Theater hat jede von uns die anderen über 5 Ecken gekannt. Und wir haben gemerkt, dass wir alle die gleichen Ambitionen, die gleichen Ideen haben. Wir wollen alle 5 etwas von unserer Generation in die Südtiroler Kulturszene einbringen.

STOL: Heißt konkret?

Gschnell: Wir sind junge Schauspielerinnen, die auf der Bühne zeigen wollen, wie wir die Gegenwart erleben. Wie wir unsere Generation erleben. Wie wir das Mann- und Frau-Sein erleben. Auch wie wir unsere Südtiroler Wurzeln erleben. Und wir wollen frischen Wind in die Südtiroler Kulturszene reinbringen.

Foto: Kathrin Obletter

STOL: Und feministisches Theater machen…

Gschnell: Nein. Natürlich werden wir Frauenthemen und Frauensichtweisen einbringen. Aber wir wollen, gerade auch durch unseren Namen, das andere Geschlecht nicht ausschließen.

STOL: Ein Name, der Fragen aufwirft…

Gschnell: Binnen-I, das steht für etwas Verbindendes. Das verbindet die männliche und weibliche Form. Und deswegen auch der Name Binnen-I im Sinne von „Wer binnen I“? Also die Frage, wer bin ich? Das ist ja eine grundlegende Frage für jeden Menschen. Und gerade bei „Total Quality Woman“ handelt es sich um ein geschlechter- und generationenübergreifendes Stück. Das geht jeden an.

STOL:„Total Quality Woman“?

Gschnell: Das ist unsere erste gemeinsame Performance als Schauspielerinnenkollektiv.

STOL: Und worum geht’s da?

Gschnell: Wir wurden von mehreren Texten inspiriert, etwa von Falk Richter (ein deutscher Autor und Regisseur, Anm. d. R.), aber auch von Liedtexten. Es geht um die Gegenwart. Wie wir mit sozialen Medien umgehen. Wie wir uns in dieser Zeit wiederfinden. Es geht um Themen wie Nähe, Selbstliebe, Liebe. Und um die Frage „Wer bin ich eigentlich?“.

STOL: Auf welche Herausforderungen stößt man bei einem so jungen, ambitionierten Projekt?

Gschnell: Ganz klar: Das Organisatorische. Wenn man etwas selber macht, muss man eben an allen Seiten anpacken. Von der Pressearbeit bis hin zur Plakatierung. Es gibt ganz viel Arbeit hinter den Kulissen zu erledigen. Auch die Kulissen selbst sind zu machen. Natürlich ist auch das Geld ein Thema. Wir hoffen, kostendeckend arbeiten zu können. Auch deswegen freuen wir uns auf sehr viele Besucher.

STOL: Eine Künstlerin sagte letzthin, dass es Frauen in der Kunst schwerer haben. Gilt das auch fürs Theater?

Gschnell: Worauf hat sie sich bezogen?

STOL: Etwa darauf, dass Männer besser netzwerken könnten.

Gschnell: Ich glaube nicht, dass sich Frauen im Schauspiel nicht positionieren oder networken können. Der Beruf der Schauspielerin birgt andere Herausforderungen. Es gibt sehr viele Frauen, die diesen Beruf machen, und viel weniger Männer. In den klassischen Stücken kommen aber mehr Männerrollen vor, deswegen werden mehr Männer gesucht.
Die Konkurrenz zwischen Frauen in diesem Beruf ist größer, es ist schwieriger, an Rollen zu kommen. Als Binnen-I wollen wir unsere Energien aber in eine andere Richtung leiten und haben uns deswegen zusammengeschlossen. Mit dieser Energie möchten wir etwas machen, das für eine gemeinsame Sache steht und das nicht in ein Gegeneinander übergeht.

STOL: Kollektive können auch ausgrenzen. Werden bei euch zukünftig auch andere Schauspielerinnen andocken können?

Gschnell: Wir sind da ganz flexibel. Wir haben für die Zukunft auch schon ein paar Ideen, in welche Richtung das Projekt gehen könnte.

STOL: Lassen Sie uns teilhaben.

Gschnell: Da ist noch nichts spruchreif (lacht). Wir möchten flexibel bleiben, auch ich punkto Gruppenzusammensetzung.

STOL: Es wird auch männliche Gastrollen geben?

Gschnell: Wer weiß, wer weiß (lacht). Es bleibt spannend. Ich kann dazu noch nichts sagen.

STOL: Sie können aber sagen, warum Binnen-I die Südtiroler Kulturszene bereichern wird…

Gschnell (lacht): Bereichern klingt vielleicht etwas egoistisch. Ich glaube, dass es neue Inputs, neue Formate und neue Ideen in der Kultur immer brauchen wird. Sonst herrscht Stillstand, und genau dann funktioniert Kunst nicht mehr. 

Ich hoffe, dass wir der Südtiroler Kulturlandschaft etwas geben können, von dem man sagt, dass es wertvoll ist. Wertvoll und sinnvoll. Dass wir zum Denken anregen, bewegen und etwas mitgeben. Das ist unser Ziel.

Interview: Andrej Werth

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Binnen-I startet seine „Total Quality Woman“-Tournee mit einem Preview am 6. Juli im Salon/e Bruneck. Die Premiere findet am 10. Juli beim Brixner Kultursommer im Tschumpus statt. Es folgen Auftritte in Bozen, Eppan, Franzensfeste, Deutschnofen, Meran, Innsbruck und Neumarkt. Regie führt Eva Kuen. 

 

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