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Artikel vom Freitag, 17. Februar 2017

„Gott sei Dank“: Komponist rät, Marsch im Zweifel nicht zu spielen

Was ein kleines „Gott sei Dank“ auslösen kann, zeigte sich dieser Tage: Polemik, Entrüstung auf der einen Seite, Unverständnis auf der anderen, eine Vizeweltmeisterin, die sich entschuldigt. Ausgestanden ist die Polemik rund um „Dem Land Tirol die Treue“ allerdings noch nicht. Nun bezieht der Komponist des Marsches Stellung.

Foto: shutterstock

Florian Pedarnig ist 79 Jahre alt und muss sich an seinem Geburtstag am Donnerstag Fragen stellen, denen er sich lieber nicht stellen würde. Den Komponisten von „Dem Land Tirol die Treue“ stört das neuerliche Aufflammen der Polemik rund die „Gott sei Dank“-Rufe, die seinen Marsch mancherorts begleiten. Er findet die Rufe schlichtweg „unerfreulich und beschämend“, sagt er der „Tiroler Tageszeitung“.

Mit Venier entflammt das Thema neu

Dass es sich einige Feierfreudige nicht nehmen lassen, die Zeilen „Ein harter Kampf hat dich entzweigeschlagen, von dir gerissen wurde Südtirol“ mit „Gott sei Dank“ zu ergänzen, ist, anders als es diese Tage vermuten lassen, kein neues Phänomen. Immer wieder ist der Zusatz in Festzelten zu hören und immer wieder regt sich jemand darüber auf. Die Polemik dieser Tage geht auf Stephanie Venier, Nordtirolerin und seit wenigen Tagen Vizeweltmeisterin in der Abfahrt, zurück: Sie soll in fröhlicher Runde „Gott sei Dank“ gesungen haben, einigen Südtirolern stieß dies sauer auf. Kurz darauf entschuldigte sich Venier schriftlich (STOL hat berichtet).

Tiroler Schützenkommandant stören Postings aus Südtirol

An ihrem Ende angelangt, ist die neuerliche „Gott sei Dank“-Polemik damit allerdings nicht: „Was mich genauso stört wie die Rufe“, sagt Fritz Tiefenthaler, der Landesschützenkommandant von Tirol, der „TT“, „sind etliche Österreich- und Nordtirol-feindliche Postings im Internet aus Südtirol.“ Die Kommentare seien genauso zu verurteilen wie die Rufe im Festzelt, die er als „unstatthaft“ bezeichnete.

Mit den Rufen genauso wenig anfangen kann Elmar Juen, Obmann im Landesblasmusikverband Tirol. Innerhalb der eigenen Reihen hätten sich diese Rufe allerdings merklich verringert, betont er. Der Verband hatte eine „Aufklärungskampagne“ gestartet, sagte Juen der „TT“. Er findet die Rufe beleidigend.

Komponist: Marsch im Zweifel nicht spielen

Komponist Pedarnig sieht das ähnlich. Wer „Gott sei Dank“ brüllt, wisse nichts über die Geschichte Südtirols. Deshalb rät er: „Wenn das nicht aufhört, dann sollten die Kapellen, um das zu unterbinden, das Stück absetzen.“

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stol

L Rabensteiner, Eisacktal

Find i iats net notwendig, sich do sofl an Kopf deswegn zu mochn. Ob do iats a poor no a Satzl zui singen odor net isch von mir aus gsegn koan Problem. I woaß wo i her kim und kenn di Gschichte von den Lond in dem i augwogsn bin, von "Gott sei Dank" fühl i mi do net ungegriff. Zudem solltn sich di Schützn genau iborlegn, wiso se do iats laut ummer schrein miasn. Weil de Satzlen wos i se af di Fester oftramol singen her, mit "Schickt di Offn zrug noch Afrika" usw., sein weitaus schlimmer, und mochn mir mehr Ongst, als a "Gott sei Dank".

18.02.2017 02:22 Uhr

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