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Artikel vom Dienstag, 18. Juni 2019

Draghi signalisiert neue EZB-Finanzspritzen

EZB-Chef Mario Draghi stellt auf den letzten Metern seiner Amtszeit die Weichen für eine erneute Lockerung der Geldpolitik – und verärgert damit US-Präsident Donald Trump. Wenn die Inflation weiterhin nicht anziehe, werde zusätzlicher geldpolitischer Anschub erforderlich sein, sagte Draghi am Dienstag im portugiesischen Sintra.

EZB-Chef Mario Draghi  gibt Signale zu einer Lockerung der europäischen Geldpolitik.

EZB-Chef Mario Draghi gibt Signale zu einer Lockerung der europäischen Geldpolitik. - Foto: APA/AFP

„Wir werden alle Flexibilität innerhalb unseres Mandats nutzen, um unseren Auftrag zu erfüllen.“ Die Börsen zeigten sich überrascht und zogen deutlich an. Der Euro-Kurs fiel hingegen unter die Marke von 1,12 Dollar (1,00 Euro). Trump twitterte daraufhin, der billigere Euro erleichtere Europa den Konkurrenzkampf mit den USA. Das sei unfair.

An den europäischen Kapitalmärkten sanken die Renditen nach der Rede Draghis deutlich. Die österreichischen Renditen für 10-jährige österreichische Staatsanleihen am Sekundärmarkt rutschten erstmals in den negativen Bereich. In Deutschland fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf ein neues Rekordtief. Auch in den Niederlanden und Finnland rentieren zehnjährige Schuldtitel im Euroraum unterhalb der Nulllinie. „Draghi macht damit verbal einen weiteren wichtigen Schritt, um die Werkzeugkiste der unkonventionellen Maßnahmen im späteren Jahresverlauf erneut zu öffnen – erste Wahl wäre wohl eine Leitzinssenkung“, kommentierte Elmar Völker, Anleihen-Analyst beim Bankhaus LBBW. In den USA könnte die Notenbank Fed ebenfalls Hinweise in Richtung tieferer Zinsen geben. Ihre Entscheidung wird am Mittwochabend nach der Zinssitzung erwartet.

Die EZB hatte Anfang Juni auf ihrer Zinssitzung wegen gestiegener Konjunktursorgen bereits die Wende hin zu einem Anstieg der Zinsen erneut verschoben. Sie stellte in Aussicht, an ihren Schlüsselsätzen noch bis mindestens zum Sommer 2020 nicht zu rütteln. Bisher galt das nur bis Ende 2019. Damit traf sie Beschlüsse, die bis in die nächste Präsidentschaft hineinreichen. Denn Draghis Amtszeit an der Spitze der Euro-Notenbank läuft Ende Oktober nach acht Jahren ab. Nach dem Treffen hatte der EZB-Chef aber auch betont, man halte sich angesichts der konjunkturellen Unsicherheit alle Optionen offen.

Sorgen bereitet den Währungshütern unter anderem die jüngste Schwäche der Industrie im Euro-Raum. Zudem dämpfen die US-Handelskonflikte und die anhaltende Brexit-Hängepartie die Konjunkturaussichten. Dazu hat sich die Inflationsrate zuletzt wieder deutlich von der EZB-Zielmarke von knapp unter zwei Prozent entfernt, die die Notenbank als Idealwert für die Wirtschaft anstrebt. Im Mai lag die Teuerung gerade einmal bei 1,2 Prozent nach 1,7 Prozent im April. Das ist die bisher niedrigste Rate in diesem Jahr. An den Märkten gehen Investoren inzwischen nicht mehr davon aus, dass die EZB in den nächsten Jahren ihr Inflationsziel erreichen wird. Die EZB verfehlt ihr Ziel bereits seit Frühjahr 2013.

apa/reuters

 

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