Dienstag, 09. Januar 2018

169 Festnahmen bei Razzia gegen Mafia in Italien und Deutschland

Bei einer Großrazzia gegen die süditalienische Mafia sind am Dienstag in mehreren italienischen Regionen sowie in Deutschland 169 Personen festgenommen worden. Die Festnahmen betrafen vor allem Mitglieder des einflussreichen 'Ndrangheta-Clans Farao-Marincola, berichtete die Polizei.

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Dabei handelt es sich um einen der mächtigsten Clans Kalabriens mit Verzweigungen in den Regionen Emilia Romagna, Venetien, Latium und Lombardei. In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden 11 Personen festgenommen. Sie stehen im Verdacht, Straftaten wie Erpressung und Geldwäsche begangen zu haben. 6 Wohnungen und 4 Gastronomiebetriebe wurden durchsucht.

In Italien wurden ein Bürgermeister in Kalabrien, der Präsident der Provinz Crotone sowie rund ein Dutzend weitere Lokalpolitiker verhaftet. Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft von Reggio Calabria geführt.

Wirtschaftssektoren inflitriert

Laut den Ermittlern haben die Mitglieder des Clans mehrere Wirtschaftssektoren infiltriert und eine „kriminelle Holding“ aufgebaut, die Millionen umsetzte. Die Polizei beschlagnahmte Besitztümer im Wert von 50 Millionen Euro. Der Clan war unter anderem im Lebensmittelhandel und in der Müllentsorgung tätig und leitete Bestattungsfirmen. Mitglieder des Clans beeinflussten unter anderem dank ihrer Beziehungen zu Lokalpolitikern die Vergabe öffentlicher Aufträge für die Belieferung von Flüchtlingseinrichtungen in Kalabrien.

Der Clan Farao-Marincola steht unter Kontrolle des zu lebenslanger Haft verurteilten Bosses Giuseppe Farao. Der 71-jährige Patriarch leite auch vom Gefängnis aus die Geschäftes des Clans, berichteten die Ermittler. Die Präsidentin der parlamentarischen Antimafia-Kommission, Rosy Bindi, sprach von einem großen Erfolg der Ermittler im Kampf gegen die internationalen Verzweigungen der 'Ndrangheta, der stärksten unter den Mafia-Organisationen in Italien.

Die 'Ndrangheta kommt auf einen geschätzten Jahresumsatz von zumindest 35 Milliarden Euro. Ihr Spezialgebiet ist nach Erkenntnissen der Ermittler der Kokainhandel. Angeblich hat die Organisation bereits die kolumbianischen Drogenkartelle in den Schatten gestellt und koordiniert den Kokainhandel sogar in den Produktionsländern Südamerikas. Weitere Einnahmequellen seien Geldwäsche, Waffenhandel, Prostitution und Erpressung. Gewinne werden meist in Hotels, Restaurants, Einkaufszentren und anderen Immobilien investiert.

apa

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stol