Freitag, 26. August 2016

284 Tote nach Erdbeben - 1330 Nachbeben

Die Zahl der Opfer des schweren Erdbebens in Mittelitalien steigt weiter: Nachdem zwei Menschen tot aus den Trümmern des Hotel Roma in Amatrice, dem Epizentrum des schweren Erdbebens, geborgen wurden, wurde eine weitere Leiche entdeckt. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer der Katastrophe auf 284, teilte Italiens Zivilschutz am Samstag mit.

Nach der Katastrophe: Pescara del Tronto ist nicht wiederzuerkennen.
Nach der Katastrophe: Pescara del Tronto ist nicht wiederzuerkennen. - Foto: © LaPresse

2.444 Obdachlose werden derzeit vom italienischen Zivilschutz versorgt. Sie halten sich zum Großteil in Zeltlagern auf, die rund um Amatrice aufgeschlagen wurden.

1331 Nachbeben seit Mittwoch

Seit dem schweren Erdbeben in der Nacht auf Mittwoch seien 1331 Nachbeben in der betroffenen Region gemeldet worden.

Am Samstag gedenkt Italien der Opfer der Erdbebenkatastrophe. Zu der Trauerfeier in Ascoli Piceno in der Region Marken werden Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Matteo Renzi erwartet. Zugleich wurde ein nationaler Trauertag ausgerufen. Die Fahnen an öffentlichen Gebäuden wurden im ganzen Land auf halbmast gesetzt.

Wiederaufbau: Trentino-Südtirol als Vorbild

In Amatrice wird inzwischen weiter nach Verschütteten gesucht. Innenminister Angelino Alfano lobte die Arbeit der Rettungsmannschaften. Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi versprach einen schnellen Wiederaufbau und eine bessere Erdbebenvorsorge. Beim Wiederaufbau in Amatrice will sich der Bürgermeister der Ortschaft, Sergio Pirozzi, an Trentino-Südtirol ein Beispiel nehmen.

„Wir wollen Orte lokalisieren, an denen wir Holzhäuser nach dem Modell von Trentino-Südtirol und der Schweiz aufbauen können, die für diese Gegend angemessen sind. Wir wollen kein Ghetto. Die Gemeinschaft muss auf dem eigenen Territorium bleiben. Wir wollen unsere Identität bewahren“, meinte Pirozzi.

Ein wesentlicher Schritt sei der Aufbau einer mobilen Struktur, die als Schule dienen könne. „Der Beginn des Schuljahres steht bevor. Eine Schule ist wichtig, wollen wir eine Abwanderung aus Amatrice verhindern“, betonte Bürgermeister Pirozzi. Danach müsse der historische Kern der Gemeinde aufgebaut werden. Als Modell sollten die erfolgreichen Wiederaufbauarbeiten nach dem Erdbeben in Friaul 1976 dienen.

Weg zur Normalität lang und hürdenreich

Der 52-jährige Pirozzi, der sein ganzes Leben lang in Amatrice verbracht hat, zeigte sich optimistisch, dass seine Gemeinschaft trotz der hohen Anzahl an Todesopfern den Neubeginn schaffen könne. Der Weg zur Normalität ist jedoch noch lang und hürdenreich.

Wegen eines Nachbebens mit Magnitude 4.8 ist seit Freitag eine Brücke, die direkt nach Amatrice führt, gesperrt. Weitere wackelige Gebäude brachen ein. Der ganze historische Kern Amatrice wurde abgeriegelt und ist lediglich den Rettungsmannschaft zugänglich.

apa

stol