Sonntag, 29. Mai 2016

65 Leichen geborgen, 13.351 Menschen im Meer gerettet

Flüchtlinge sind seit Montag im Mittelmeer gerettet worden. 65 Leichen wurden bisher geborgen, Hunderte Flüchtlinge werden nach mindestens drei Schiffsbrüchen noch vermisst. Dies geht aus einer Bilanz italienischer Medien nach der neuen Flüchtlingswelle der vergangenen Tage hervor.

Foto: © LaPresse

Ein Schiff mit 630 Flüchtlingen und 45 geborgenen Leichen wird am Sonntag im Hafen der süditalienischen Stadt Reggio Calabria erwartet.

Hunderte Flüchtlinge waren bereits am Samstag an Bord mehrerer Schiffe der EU-Mission EUNAVFOR MED auf Sizilien eingetroffen. Die meisten Flüchtlinge seien im Seegebiet etwa 50 Kilometer nördlich der libyschen Stadt Zuwara geortet worden, wie die italienische Marine berichtete.

Über 40.000 Flüchtlinge seit Jahresanfang

40.660 Flüchtlinge haben seit Anfang dieses Jahres Italien erreicht. Dies entspricht einem Rückgang von zwei Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2015.

Die meisten in Italien eingetroffenen Flüchtlinge stammen aus Nigeria, Gambia, Somalia, Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) und Eritrea, wie humanitäre Organisationen berichteten. Bis Jahresende rechnet das italienische Innenministerium, dass eine Rekordzahl von 200.000 Flüchtlingen Italien erreichen wird.

Angesichts der anhaltenden Flüchtlingswelle macht die Regierung in Rom Druck auf die norditalienischen Regionen, mehr Migranten aufzunehmen. Bisher hätten die süditalienischen Regionen Sizilien, Apulien und Kampanien sowie Latium mit der Hauptstadt Rom die größte Last der Flüchtlingsaufnahme übernommen, hieß es in Rom.

Der Streit, wie die Bootsflüchtlinge innerhalb Italiens verteilt werden sollen, wird immer hitziger.

Weil Asylverfahren lange dauern, leben in den italienischen Aufnahmezentren etwa 110.000 Menschen. Wegen des Notstands im Süden verlangt Innenminister Angelino Alfano, Provinzen und Kommunen in ganz Italien müssten tausende weitere Plätze bereitstellen, unter anderem in leeren Kasernen oder Turnhallen.

„Wir werden uns diese Invasion von illegalen Einwanderern nicht bieten lassen“, sagte der Chef der ausländerfeindlichen Oppositionspartei Lega Nord, Matteo Salvini.

Die Regierung müsse dafür sorgen, dass die Flüchtlingsboote schon vor der Abfahrt in Libyen gestoppt werden. Daher seien Abkommen zwischen der EU und der libyschen Regierung dringend notwendig, meinte Salvini.

Mit dem Beginn der warmen Jahreszeit wagen wieder mehr Flüchtlinge die Überfahrt aus Nordafrika. Humanitäre Organisationen warnten, dass die Flüchtlingswelle in den kommenden Wochen weiterhin anhalten wird.

Das Mittelmeer gilt als die gefährlichste Flüchtlingsroute der Welt: Seit Anfang des Jahres sind nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 1.350 Menschen ertrunken. 197.696 Flüchtlinge haben nach Reisen über das Mittelmeer seit dem 1. Jänner 2016 Europa erreicht.

apa

stol