Montag, 21. November 2016

Adel spielt in Österreich weiterhin wichtige Rolle

100 Jahre nach dem Tod von Kaiser Franz Joseph und somit rund 100 Jahre nach dem Ende der Monarchie in Österreich und der offiziellen Aufhebung des Adelsstands spielt die alte Aristokratie immer noch eine bedeutende Rolle. Die Gruppe der Hochadligen wird auf mehrere 1000 Mitglieder geschätzt.

Kaiser Franz Joseph ist am 21. November 1916, also vor exakt 100 Jahren, gestorben.
Kaiser Franz Joseph ist am 21. November 1916, also vor exakt 100 Jahren, gestorben. - Foto: © D

Allein zur Familie der jahrhundertelang herrschenden Habsburger gehören rund 650 Männer, Frauen und Kinder, die sich auf vier Linien verteilen. Von den etwa 2500 Schlössern der Alpenrepublik seien etwa 1700 im Besitz des Adels, schätzt der ORF-Adelsexperte Helge Reindl.

Während das Kaiserhaus nach Ende des Ersten Weltkriegs enteignet und einige Mitglieder außer Landes gewiesen wurden, verlor der Rest des Adels „nur“ seine Besitzungen in den einstigen Kronländern wie Böhmen und Mähren. Der Grund und Boden in Österreich blieb unangetastet. Besonders reiche Familien wie die Schwarzenbergs, Liechtensteins und die Starhembergs haben riesige Wälder, wie Reindl sagt.

Zeitweise war die Sorge groß, dass Mitglieder der Habsburger wieder eine Monarchie anstreben könnten. So verzichtete etwa Otto von Habsburg (1912-2011), Sohn des letzten Kaisers Karl I. (der von 1916 bis 1918 regierte), für seine Einreise nach Österreich 1961 auf sämtliche Thronansprüche. Erst nach langem politischem Gezerre konnte er 1966 tatsächlich für einige Stunden in die alte Heimat reisen. Aus Protest gegen diesen Trip streikten daraufhin 250.000 Arbeitnehmer.

Die letzte Kaiserin Zita (1892-1989) durfte nach Einwilligung von SPÖ-Kanzler Bruno Kreisky ihren Lebensabend auch in Österreich verbringen. Inzwischen ist der Umgang entspannter. Bei Empfängen werden hohe Gäste selbst von Landeshauptleuten eigentlich gesetzwidrig oft mit vollem Titel als „Durchlaucht“ oder „Graf“ angesprochen.

Zum Kaisergeburtstag am 18. August verwandelt sich Bad Ischl im Salzkammergut (Oberösterreich), der Ort der kaiserlichen Sommerresidenz, zu einem Wallfahrtsort der Monarchisten – die gern wie Franz Joseph einen Backenbart tragen. Besonders in Tirol sei aber auch heute noch ein gewisser Hang zur Monarchie vorhanden, meint Reindl.

dpa

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Aus Anlass des 100. Todestages von Kaiser Franz Joseph am heutigen 21. November veröffentlicht das Tagblatt "Dolomiten" in seiner Montag-Ausgabe eine umfassende Sonderseite.

stol