Samstag, 30. Juni 2018

Anklage: 20 Mal zugeschlagen

Zuerst mit einem Besenstiel, dann mit einem Baseballschläger aus Aluminium hat Badr Rabih laut Anklage mindestens 20 Mal auf seine Lebensgefährtin Marianne Obrist eingeschlagen – als sie schon im Sterben lag, habe er sie noch mit einem spitzen Gegenstand verletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft Rabih Mord vor – die Verteidigung pocht auf schwere Körperverletzung mit Todesfolge.

Der Prozess um Badr Rahib geht weiter.
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Der Prozess um Badr Rahib geht weiter.

Am 21. August 2017 war Marianne Obrist von den Rettungskräften in ihrer Wohnung in der Wolkensteinstraße in Milland tot aufgefunden worden. Der Anrufer – ihr Lebensgefährte Badr Rabih aus Marokko – hatte von einem Sturz gesprochen, allerdings erschienen die Verletzungen den Rettern von Anfang an nicht mit einem Unfall vereinbar. Rabih wurde als dringend Tatverdächtiger dingfest gemacht, er sitzt in U-Haft im Bozner Gefängnis.

Lange beteuerte er seine Unschuld, am 22. Dezember räumte er schließlich bei einem Verhör seine Verantwortung für die Verletzungen ein. Er sei eifersüchtig gewesen. Tötungsabsicht habe er aber keine gehabt. Darauf pochen nun auch seine Verteidiger: Rabih sei sich nicht bewusst gewesen, wie schlimm es um seine Lebensgefährtin stand.

Für die Staatsanwaltschaft war es hingegen eindeutig Mord – laut Autopsie sei mit voller Kraft auf Marianne Obrist eingeprügelt worden. Die Frau habe schwerste Verletzungen und etliche Brüche erlitten. Todesursache war ein hämorrhagischer Schock.

Zuerst sei Obrist mit einem Stock – vermutlich mit einem Besenstiel – geschlagen worden. Als dieser zerbrach, habe der Angreifer einen Handschuh angezogen, einen Baseballschläger aus Aluminium ergriffen und Obrist damit verletzt. Und schlussendlich, als die Frau schon im Sterben lag, seien ihr noch mit einer spitzen Waffe – wahrscheinlich mit einem Messer – Wunden beigebracht worden.

Gleich 3 Erschwernisgründe werden Rabih zur Last gelegt: Er habe aus Grausamkeit gehandelt, die Tat sei gegen eine Person gerichtet gewesen, mit der er zusammenlebte, und er habe die Tatsache ausgenutzt, dass das Opfer sich nur eingeschränkt zur Wehr setzen konnte: Die Autopsie hatte nämlich ergeben, dass Obrist bereits vor dem Übergriff verletzt war – unter anderem am Knie. Wie sie sich diese Wunden zugezogen hatte – ob durch einen Unfall oder einen Übergriff an den vorhergehenden Tagen – war vorerst unklar. Jedenfalls würde die Tatsache, dass sich der Baseballschläger sogar verformt habe, belegen, mit welcher Wucht auf die Frau eingeprügelt wurde.

Rabih hatte hingegen beim Verhör im Dezember erklärt, der Baseballschläger sei verformt worden, als er kurz nach dessen Kauf damit Steine weggekickt habe. Bei der gestrigen Vorverhandlung hat die Verteidigung ein forensisches Gutachten hinterlegt. Darin kommt Ingenieur Riccardo Castellanza (Mailand) nach verschiedenen Tests zum Schluss, dass diese Art von Aluminiumschläger sich beim Auftreffen auf Weichgewebe – Fleisch und Körperfett – nicht verformen kann. Inwieweit diese Erkenntnis die Sachverhaltsdarstellung beeinflussen könnte, wird sich weisen.

Richter Peter Michaeler vertagte die Vorverhandlung auf den 11. Juli, die Verteidigung hat ein verkürztes Verfahren beantragt. Im Fall einer Verurteilung stünde Rabih damit die automatische Reduzierung des Strafmaßes um ein Drittel zu. In einem ordentlichen Verfahren – vor dem Schwurgericht – droht ihm im Sinne der Anklage lebenslange Haft.

rc/D

stol