Wer es nicht selbst erlebt hat, dem genügt ein Blick auf die Internetseite des Sanitätsbetriebes: 148 Tage muss eine Frau auf eine gynäkologische Visite am Meraner Krankenhaus warten. Ähnlich lange wartet ein Patient am Bozner Krankenhaus auf eine Augenvisite. Und mit sage und schreibe 209 Tagen ist die Wartezeit auf eine dermatologische Visite ebenfalls im Bozner Krankenhaus auf der Internetseite angegeben. Zu viel, findet auch Gesundheitslandesrat Richard Theiner. Auch wenn er zu bedenken gibt, dass dies die Wartezeiten für nicht dringende Visiten seien. In dringenden Fällen – sofern dies vom Hausarzt auf dem Einweisungsschein vermerkt wird – erhalte der Patient einen Termin binnen weniger Tage. Er hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb Jahresende 95 Prozent der Wartelisten auf „unter 60 Tage Wartezeit“ zu bringen. Wie das gelingen soll? In einigen Fällen über eine Erhöhung der Produktivität, in anderen Fällen über eine Aufnahme von neuen Ärzten: Ob dies in Sparzeiten möglich sein wird, werde die Landesregierung entscheiden. Theiner jedenfalls gibt sich zuversichtlich. „Wir können auf keinen Fall zulassen, dass es eine Zweiklassenmedizin gibt“, so Theiner. Er spricht damit die Möglichkeit an, dass Krankenhausärzte auch freiberuflich tätig sein können. Wer also für die Visite im öffentlichen Spital bezahlt, der bekommt innerhalb weniger Tage einen Termin. Weil am Krankenhaus Bozen aber die Wartezeiten für „normale“ Patienten explodieren, wurde die freiberufliche Tätigkeit der Ärzte vor knapp drei Wochen eingefroren. Deshalb wird die Landesregierung voraussichtlich heute auch darüber diskutieren. Wie Landeshauptmann Luis Durnwalder bereits angekündigt hatte, möchte er die freiberufliche Tätigkeit der Ärzte überdenken, sofern sie verantwortlich dafür ist, dass für „normale“ Visiten die Wartezeiten in die Höhe schnellen.