Donnerstag, 08. Juli 2021

Benno Neumair für zurechnungsfähig befunden

Im Vorfeld der Hinterlegung des psychiatrischen Amtsgutachtens über Benno Neumair haben sich die Gutachter der Hinterbliebenen bereits eine Meinung gebildet: Ihrer Auffassung nach ist Benno Neumair einsichts- und willensfähig und demnach auch durchaus imstande, einem Strafverfahren zu folgen.

Die Gutachter der Hinterbliebenen sind der meinung, dass Benno Neumair (im Bild) zurechnungsfähig sei und einem Strafverfahren sehr wohl folgen könne.
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Die Gutachter der Hinterbliebenen sind der meinung, dass Benno Neumair (im Bild) zurechnungsfähig sei und einem Strafverfahren sehr wohl folgen könne. - Foto: © Screen/Youtube
Wie sie zu dieser Einschätzung gelangt sind, werden die Gutachter Claudio Rago und Dr. Anna Palleschi am Ende des Beweissicherungsverfahrens erläutern. Rago und Palleschi erstellen ihre Expertise im Auftrag von Carla Perselli, Schwester der ermordeten Laura Perselli, und Benno Neumairs Schwester Madè Neumair. Ihnen steht die Möglichkeit offen, sich als Nebenkläger in das anstehende Verfahren einzulassen.

In dem Beweissicherungsverfahren geht es nicht vornehmlich darum, mögliche psychische Störungen abzuklären. Kern- und Angelpunkt der Fragestellung ist, ob Benno Neumair zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war – also, ob er sich bewusst war, was er tat, weiters, ob er prozessfähig ist und schließlich, ob er eine potenzielle Gefahr für die Allgemeinheit darstellen könnte.

U-Richterin Carla Scheidle hatte ein Trio von Amtssachverständigen – Dr. Eraldo Mancioppi, Marco Samory und Isabella Merzago – mit der Expertise betraut. Sie haben Benno Neumair mehrmals im Gefängnis besucht, mit ihm gesprochen und Psycho-Tests durchgeführt. Die Hinterlegung ihrer Expertise wird für morgen erwartet, zum Austausch bzw. zur Diskussion mit den anderen Gutachtern im Gerichtssaal kommt es aber erst Ende des Monats.

Wie berichtet, waren die ersten Gutachter, die sich ein Bild von Benno Neumair gemacht haben, jene der Verteidigung, Dr. Giuseppe Sartori, Pietro Pietrini und Dr. Cristina Scarpazza. Ihnen zufolge soll der 30-jährige nur eingeschränkt zurechnungsfähig gewesen sein, als er – wie er gestanden hat – seine Eltern Peter Neumair und Laura Perselli getötet hat. Sie wollen bei Benno Neumair auch eindeutige Anzeichen für eine Persönlichkeitsstörung ausgemacht haben. Sartori und Pietrini hatten auch darauf gepocht, dass Benno Neumair einer Magnetresonanztomographie (MRT) unterzogen wird, um festzustellen, ob sich mögliche Sportverletzungen am Kopf aus der Kindheit später ausgewirkt haben könnten.

Hier die ausführliche Chronologie zum Mordfall Perselli/Neumair.

rc