Donnerstag, 16. Juli 2015

„Betteln ist ein Menschenrecht“

Besonders menschenverachtend sei das Bettelverbot in St. Lorenzen. "Nur weil die Bettler nicht in unser Stadtbild passen, dürfen wir sie nicht unmenschlich behandeln und ihnen das Betteln verbieten", heißt es von Seiten der Caritas.

Die beiden Caritas-Direktoren Franz Kripp und Paolo Valente rufen zum verantwortungsvollen Umgang mit Bettlern auf.
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Die beiden Caritas-Direktoren Franz Kripp und Paolo Valente rufen zum verantwortungsvollen Umgang mit Bettlern auf. - Foto: © STOL

„Jemanden um Almosen zu bitten, ist ein Menschenrecht. Nicht die Armen gilt es zu bekämpfen, sondern die Armut“, erklären die beiden Caritas-Direktoren Franz Kripp und Paolo Valente. 

Damit reagieren sie auf das Bettelverbot, das in mehreren Gemeinden angedacht und zum Teil auch schon erlassen wurde - so etwa in Bozen (STOL hat berichtet), Meran (STOL hat berichtet) oder St. Lorenzen (STOL hat berichtet). 

Abstoßendes und unverschämtes Verhalten?

Als besonders menschenverachtend wird in diesem Zusammenhang die Verordnung der Marktgemeinde St. Lorenzen erachtet.

Darin ist wörtlich von „abstoßendem und unverschämtem Verhalten“ bettelnder Menschen die Rede, die gerade für Ortschaften mit viel Tourismus ein „Bild der Verwahrlosung“ bieten würden.

„Vor der Armut kann man niemals die Augen verschließen oder sie aus unserem Blickfeld verdrängen. Es gibt kein Recht auf ein gepflegtes und armutsfreies Ortsbild, wohl aber ein Recht eines bedürftigen Menschen, andere Menschen um Almosen zu bitten.“

Selbstverständlich steht es dann jedem Bürger frei, etwas zu geben oder nicht.

Nicht alle über einen Kamm scheren

 

Auch dürfen bettelnde Menschen nicht alle über einen Kamm geschert und kriminalisiert werden. "Wenn sich beispielsweise mehrere Personen organisieren und in Gruppen auftreten, ist das noch lange kein Verbrechen. ,Die Bettler‘ als einheitliche Gruppe gibt es nicht“, betonen Kripp und Valente.

Natürlich könne es unangenehm berühren, mit bettelnden Menschen konfrontiert zu sein.

 

Gesetze reichen

Auch müsse man sich von ihnen nicht alles gefallen lassen.

Wir als Caritas lehnen jede Art von betrügerischem, ausbeuterischem oder störendem Betteln ab. "Dagegen gibt es bereits ganz klare Gesetze. Wenn die Ordnungshüter diese zur Anwendung bringen, genügt das vollauf, um die öffentliche Sicherheit zu garantieren", so die Caritas-Führung.

 Das sog. ,stille‘ Betteln zu verbieten, nur weil es als geschäfts- oder tourismusschädigend erachtet werde, sei nicht angebracht. 

stol

stol