Donnerstag, 19. Dezember 2019

Bischof Muser besucht Bozner Gefängnis

Wie jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit besuchte Bischof Ivo Muser am Donnerstag wieder das Bozner Gefängnis, um mit den Gefängnismitarbeitern, den Freiwilligen und den Häftlingen eine Wort-Gottes-Feier zu feiern.

Bischof Muser forderte die Häftlinge dazu auf, in die Zukunft zu blicken. - Foto: © diözese Bozen-Brixen

„Jeder muss die Verantwortung für die falschen Entscheidungen in seinem Leben übernehmen. Aber trotz allem darf keiner von euch seine Würde und seine Menschlichkeit verlieren“, sagte der Bischof zu den Gefangenen.

„Das Licht der Weihnacht nimmt die Ewigkeit vorweg. Es ist ein Licht, das die Erlösung ankündigt und das vor allem dort leuchtet, wo Leid und Schmerz am größten sind“, sagte der Bischof in seiner Predigt. In Anlehnung an die Worte des Propheten Jesaja beschrieb Bischof Muser das Licht der Weihnacht als „ein Licht, das auch vor den vielen verschlossenen Türen dieser Welt leuchtet, und das – wenn auch schwach und als kleiner Lichtstrahl – seinen Weg durch den Türspalt oder durch das Schlüsselloch findet. Lassen wir das Licht der Weihnacht das Dunkle der Gegenwart - auch in diesem Gefängnis – erleuchten“.

„Niemand darf seine Würde verlieren“

Der Bischof forderte die Häftlinge bei der Wort-Gottes-Feier in der Gefängniskapelle dazu auf, nach vorne, in die Zukunft, zu schauen: „Die Vergangenheit ist geschehen und kann nicht ungeschehen gemacht werden. Aber die Zukunft passiert erst und hängt auch von unserer persönlichen Verantwortung ab. Auch bei dieser vorweihnachtlichen Feier wird niemand sagen, dass alles in Ordnung ist und dass alles passt. Jeder muss die Verantwortung für die falschen Entscheidungen in seinem Leben übernehmen. Aber trotz allem darf keiner von euch seine Würde und seine Menschlichkeit verlieren. Papst Franziskus würde sagen: Niemand verdient es, ausgegrenzt zu werden.“



Gefangene stellen Krippe auf

Am Altar haben die Häftlinge die Krippe aufgebaut und dabei eine Figur nach der anderen an den Fuß des Altars gestellt. Das Aufstellen einer jeden Krippenfigur ist dabei von einem Gedanken aus dem Brief des Papstes „Admirabile signum“ und einem Lied des Laurin-Chors begleitet. „Die Krippe ist eine religiöse Tradition“, sagte dazu der Gefangenenseelsorger Don Giorgio Gallina, „die uns alle verbindet.“

Bei seinem Dank an alle, die im Bozner Gefängnis arbeiten, sagte Bischof Muser zu den Mitarbeitern und Freiwilligen, dass sie sich „immer, auch in den kompliziertesten Situationen und den angespanntesten Momenten, Menschlichkeit, Nähe und des Mitgefühls bewahren“ mögen. Ein besonderer Dank galt Bruno Bertoldi, der seit 50 Jahren mit dem Vinzenzverein und der Freiwilligenorganisation „Associazione volontari carcere“ im Gefängnis von Bozen die Gefangenen unterstützt.

Am Ende der Wort-Gottes-Feier sagte der Bischof mit einer Kerze in der Hand: „Möge dieses kleine Licht uns an das Licht Jesu erinnern. Jesus ist durch seine Geburt gekommen, um das Leben von uns allen zu erleuchten.“

stol