Sonntag, 17. Mai 2020

Bischof Muser: „Hoffen heißt Grenzen überschreiten“

Bevor ab morgen - unter strengen Sicherheitsvorkehrungen - wieder öffentliche Gottesdienste gefeiert werden dürfen, hat Bischof Ivo Muser am heutigen Sonntag im Bozner Dom noch eine Messe unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert.

Bischof  Ivo Muser beim heutigen Gottesdienst im Bozner Dom.
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Bischof Ivo Muser beim heutigen Gottesdienst im Bozner Dom. - Foto: © Diözese Bozen-Brixen
In seiner Predigt sagte Bischof Ivo Muser, dass es angesichts der Coronakrise mit Durchhalteparolen nicht getan sei: „Hoffen heißt Grenzen überschreiten; nicht im Hier und Jetzt aufgehen, nicht einfach bei einer bloß menschlichen, innerweltlichen Perspektive stehen bleiben. Hoffnung hält den Horizont nach vorne offen.“ Gott habe an Jesus gezeigt, dass er sogar aus dem Grab das Leben hervorgehen lasse. „Um diese Hoffnung bete ich heute“, sagte Bischof Muser.

„Alles wird gut“ ist zu wenig

Bischof Ivo Muser sagte in seiner Predigt, dass er sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten der Coronakrise selbst oft die Frage gestellt habe, ob er ein Mensch der Hoffnung sei. Ein Satz wie „alles wird gut, tutto andrà bene“ sei ihm einfach zu wenig. Was bedeute eine solche Durchhalteparole angesichts der vielen Tausenden Toten der Coronakrise und für die Menschen, die um sie trauern? Was bedeute so ein Satz für Menschen, die um ihren Arbeitsplatz bangen müssen oder ihn bereits verloren haben? „Wird wirklich alles gut? Ist der Preis, der zu bezahlen ist, nicht viel zu hoch?“, fragt sich der Bischof.

„Hoffnung ist nicht die Einladung, die rosarote Brille aufzusetzen“

In seiner Predigt gab der Bischof Antworten auf die Fragen: „Hoffnung ist nicht die Einladung, die rosarote Brille aufzusetzen und so zu tun, als ob nichts geschehen wäre. Hoffnung kann sich nicht erschöpfen in banalen Trostworten, in einem schnellen „geht schon wieder“ oder „ist nicht so schlimm“.

Hoffnung, wenn sie wirklich diesen Namen verdient, muss viel mehr sein! Hoffen – das ist die Perspektive des christlichen Glaubens – heißt Grenzen überschreiten, nicht im Hier und Jetzt aufgehen, nicht einfach bei einer bloß menschlichen, innerweltlichen Perspektive stehen bleiben. Hoffnung hält den Horizont nach vorne offen. Grund der christlichen Hoffnung ist eine Person.

Die heutige Lesung aus dem 1. Petrusbrief beginnt deswegen mit der Einladung: „Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn heilig!“ Seine Geschichte in dieser Welt ist nicht einfach gut ausgegangen. Sein Leben in dieser Welt endet nicht mit einem „happy end“. Ganz im Gegenteil: In den Augen dieser Welt ist er gescheitert. Bloß menschlich und innerweltlich betrachtet, schenkt das Schauen auf ihn keine Hoffnung. Über sein Leben kann nicht der Slogan geschrieben werden: „Alles wird gut“.

Gott aber hat an ihm gezeigt, dass „er sogar aus dem Grab das Leben hervorgehen lässt“, wie es Papst Franziskus formuliert hat. Um diese Hoffnung bete ich heute. Diese Hoffnung brauchen wir - auch in der gemeinsamen Bewältigung der Coronakrise und ihrer Folgen, die uns noch lange begleiten werden. Wir brauchen Hoffnung. Wir brauchen einen langen Atem. Wir brauchen Gott und seine Perspektive!“

Ab Montag wieder Gottesdienste mit Gläubigen



Bischof Ivo Muser wird am morgigen Montag, den 18. Mai, ab 9 Uhr der heiligen Messe im Bozner Dom vorstehen. Dieser Gottesdienst darf wieder mit Gläubigen gefeiert werden, allerdings unter strengen Auflagen.

stol