Samstag, 28. November 2020

„Busfahrer ist ein gefährlicher Job“

Über die Gefahren im Straßenverkehr können viele Fahrer von Stadt- und Linienbussen nur müde lächeln. Sie haben immer öfter mit ganz anderen Bedrohungen zu kämpfen. Die Schilderungen eines Meraner Busfahrers machen regelrecht fassungslos.

Ein Busfahrer spricht im „Dolomiten“-Interview unter anderem über Übergriffe und Bedrohungen.
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Ein Busfahrer spricht im „Dolomiten“-Interview unter anderem über Übergriffe und Bedrohungen. - Foto: © ki
„So darf es nicht weitergehen, unsere Arbeit wird immer gefährlicher“, klagt ein der Redaktion bekannter Fahrer im öffentlichen Busdienst, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will. Im Interview mit den „Dolomiten“ spricht er über Übergriffe und Bedrohungen Sicherheitsmängel und über den Drogenhandel in Bussen.

Interview: Florian Mair

„Dolomiten“: Wurden Sie selbst Opfer eines Übergriffs?

Busfahrer: Ja, leider. Vor einigen Wochen habe ich 3 Männer ausländischer Herkunft am helllichten Nachmittag in Meran dazu aufgefordert, im Bus den Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Und das war schon zu viel. Sie griffen mich sofort verbal an, weshalb ich sie dann aufgefordert habe, den Bus zu verlassen, auch weil sie die Fahrt nicht bezahlt hatten. Einer der Männer schlug mir in der Folge ins Gesicht. Ich erkannte die aussichtslose Lage und versuchte, die Männer zu beruhigen. Dann wollte ich losfahren. Und auf dem Weg zu meinem Platz im Bus fiel mich einer der Männer von hinten grundlos an.

„D“: Und dann...

Busfahrer: Nach dem Losfahren kam einer der Männer zu mir nach vorne und schlug während der Fahrt auf mich ein. Insgesamt wurden mir mehrere Fausthiebe versetzt, weshalb ich auch ins Krankenhaus musste und anschließend im Krankenstand war. Bei einer der nächsten Haltestellen sind die 3 Männer ausgestiegen. Und eine Frau, die Hilfe holen wollte, wurde von den Männern angespuckt. Zudem haben sie ihr das Handy aus der Hand gerissen und auf den Boden geworfen. Auch sie wurde bedroht.

„D“: Haben Sie dann auch die Behörden zu Hilfe gerufen?

Busfahrer: Ja, in ganz Meran war aber keine Streife verfügbar. So kamen Carabinieri von auswärts, die mir aber sagten, dass es sich angeblich nicht auszahle, rechtliche Schritte zu ergreifen, weil den Tätern sowieso nichts passiere. Die Behörden sind sozusagen völlig machtlos; Anzeige habe ich aber doch erstattet.

„D“: Es gab noch weitere Fälle?

Busfahrer: Ja, Busfahrer ist ein gefährlicher Job geworden. Diese in meinen Augen wichtige Arbeit will niemand mehr machen. Früher warteten Hunderte auf eine Stelle, heute bewerben sich fast keine Einheimischen mehr. Ein Kollege wurde zum Beispiel von einem Psychopathen eine Stunde lang bedroht: Bei einer Fahrt von Meran nach Burgstall stand er ganz vorne im Bus und drohte dem Fahrer, ihn umzubringen, wenn er Hilfe holen sollte. Ein anderer Kollege forderte einen in einem Bus rauchenden Mann dazu auf, den Joint auszulöschen. Er tat aber das Gegenteil: Er rauchte 2 weitere Joints und bedrohte den Busfahrer. Zudem hatte mein Kollege Angst, dass der Ausländer zum Lenkrad greifen könnte.

„D“: Einmal war sogar ein Kampfhund im Spiel...

Busfahrer: Ja, aber das Problem war nicht der Hund, sondern die Leute, mit denen er unterwegs war. Ein Fahrerkollege wollte beim Meraner Krankenhaus 2 Männer nicht in einen Bus steigen lassen, weil sie einen Kampfhund ohne Maulkorb bei sich hatten. Sie griffen den Fahrer an und schlugen ihn krankenhausreif. Und ein weiterer Busfahrer wurde mit einem Messer bedroht, weil er an einer Haltestelle stand und sein Bus einigen Zigeunern ein Dorn im Auge war, obwohl sie mit ihrem Camper problemlos vorbeifahren konnten, was sie dann auch taten.

„D“: Waren die genannten Täter allesamt Ausländer?

Busfahrer: Ja, genau. Das klingt ausländerfeindlich, was ich aber nicht bin. Aber solche Vorfälle darf man nicht einfach unter den Teppich kehren, auch wenn Einheimische die Täter wären.

„D“: Was fordern Sie?

Busfahrer: Mehr Sicherheit und vor allem regelmäßige Kontrollen der Polizeikräfte in den öffentlichen Bussen. Und wir brauchen unbedingt in jedem Bus einen Knopf, mit dem wir im Notfall unauffällig Alarm schlagen können, denn über das Telefon Hilfe zu holen, ist vielfach nicht möglich. Den Busfahrern im Trentino steht ein solcher Knopf zur Verfügung. Zudem braucht es viel mehr neue Busse, in denen wir Fahrer besser geschützt sind.

„D“: Stimmt es, dass in öffentlichen Bussen regelmäßig mit Drogen gehandelt wird?

Busfahrer: Ja, vor allem in den Bussen, die zwischen Bozen und Meran verkehren, blüht der Drogenhandel. Wenn die Polizeikräfte mit uns Fahrern zusammenarbeiten würden, könnten wir ihnen täglich Hinweise für Straftaten liefern. Und das Schwarzfahren muss unbedingt bekämpft werden. Die Verantwortlichen in der öffentlichen Mobilität müssen in Zukunft einfach mehr auf uns Fahrer schauen, und nicht nur auf die Zahlen achten, damit sie eine gute Figur machen.

d