Donnerstag, 28. April 2016

Costa Concordia: Berufungsprozess beginnt ohne Schettino

Mehr als vier Jahre nach der Havarie der „Costa Concordia“ hat am Donnerstag in Florenz der Berufungsprozess gegen den italienischen Kapitän Francesco Schettino begonnen. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn 27 Jahre und drei Monaten Haft. Der Angeklagte erschien nicht, er ließ sich von seinen Anwälten vertreten.

Francesco Schettino war beim Auftakt seines Berufungsprozesses nicht anwesend.
Francesco Schettino war beim Auftakt seines Berufungsprozesses nicht anwesend. - Foto: © LaPresse

Schettino war im Februar 2015 in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Dagegen hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Berufung eingelegt. Der Kapitän befindet sich auf freiem Fuß. Ihm werden fahrlässige Tötung, Körperverletzung, Schiffbruch, Verlassen des Schiffes, Verlassen von behinderten Personen und falsche Angaben an die Behörden zur Last gelegt.

„Schettino ist nicht im Gericht anwesend, weil er hofft, dass im Berufungsverfahren die Suche nach der Wahrheit und nicht wie beim erstinstanzlichen Prozess die Ergründung seiner Persönlichkeit im Mittelpunkt steht“, erklärte sein Anwalt Saverio Senese. Sollten die Richter ihn befragen wollen, sei Schettino bereit zu erscheinen.

Die Verteidiger des Kapitäns wollen erneut Anschuldigungen gegen den indonesischen Steuermann erheben, dem Schettino nach der Havarie auf Englisch Befehle gab, die dieser offenbar nicht verstand. Der Indonesier und zwei Schiffsoffiziere waren 2013 mit Haftstrafen zwischen einem Jahr und sechs Monaten und einem Jahr und elf Monaten verurteilt worden. „Der Steuermann sollte befragt werden, er ist aber spurlos verschwunden“, sagte der Anwalt.

Bei der Eröffnung des Berufungsgericht war auch Marco De Luca, Anwalt der Reederei Costa Crociere anwesend. Fast alle Passagiere seien entschädigt worden, berichtete der Anwalt.

Die „Costa Concordia“ hatte im Jänner 2012 vor der Mittelmeer-Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. 32 der mehr als 4.200 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. An Bord befanden sich auch 77 Österreicher, die sich alle retten konnten.

apa

stol