Donnerstag, 28. April 2016

„Costa Concordia“-Prozess: Kapitän Schettino wieder vor Gericht

Mehr als vier Jahre nach der Havarie der „Costa Concordia“ mit 32 Toten muss sich Kapitän Francesco Schettino erneut vor Gericht verantworten. Der Berufungsprozess gegen den 55-Jährigen beginnt am Donnerstag in Florenz.

Francesco Schettino: Berufungsprozess mehr als vier Jahre nach der Havarie.
Francesco Schettino: Berufungsprozess mehr als vier Jahre nach der Havarie. - Foto: © LaPresse

Schettino war im Februar vergangenen Jahres in erster Instanz wegen fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Dagegen hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung Berufung eingelegt (STOL hat berichtet).

Das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ hatte im Jänner 2012 vor der Mittelmeer-Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. Insgesamt 32 der mehr als 4200 Menschen an Bord kamen ums Leben. Das Gericht in Grosseto hatte im Februar in erster Instanz entschieden, Schettino trage Verantwortung für das Unglück. Der Ex-Kapitän war unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Herbeiführen einer Havarie verurteilt worden.

Während Schettinos Anwälte im Berufungsprozess erneut auf Freispruch für ihren Mandanten plädieren wollen, wird die Anklage wie schon im ersten Verfahren voraussichtlich eine Haftstrafe von 26 Jahren für den früheren Kapitän fordern. Schettino ist nach wie vor auf freiem Fuß, da das Urteil gegen ihn noch nicht rechtskräftig ist. Sollte er auch in der zweiten Instanz verurteilt werden, bliebe ihm als letzte Möglichkeit noch der Gang vor den Kassationsgerichtshof in Rom.

Zum Prozessauftakt am Donnerstag soll es zunächst um Verfahrensfragen gehen – etwa, wer als Nebenkläger zugelassen wird. Schettino wird Medienberichten zufolge vermutlich zum ersten Verhandlungstag nicht persönlich erscheinen und den Prozess aus der Ferne verfolgen.

Das erste Verfahren gegen Schettino war im Februar 2015 nach fast zwei Jahren zu Ende gegangen. Der Ex-Kapitän war nach der Havarie in Italien heftig kritisiert und als „Kapitän Feigling“ verspottet worden. Er hatte sich nach dem Unglück zuerst selbst gerettet und Tausende verzweifelte Menschen an Bord des Schiffes zurückgelassen. Er begründete das damit, in ein Rettungsboot gerutscht zu sein.

apa

stol