Montag, 20. April 2020

Covid-19: Ein Genesener im Exklusiv-Interview

Riesengroßes Glück hatte Franz Lanthaler: Der im März positiv auf Covid-19 getestete Mooser musste aufgrund seiner Symptome im Krankenhaus behandelt werden. „Am 12. März bekam ich Atemnot, Husten und hohes Fieber“, erzählt der 62-Jährige am Montag im „Dolomiten“-Interview.

Franz Lanthaler richtet einen Appell an die Südtiroler: „Bitte nehmt das Coronavirus nicht auf die leichte Schulter.“
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Franz Lanthaler richtet einen Appell an die Südtiroler: „Bitte nehmt das Coronavirus nicht auf die leichte Schulter.“ - Foto: © Privat
„Dolomiten“: Herr Lanthaler, welche Covid-19-Anzeichen hatten Sie, dass Sie im Krankenhaus behandelt werden mussten?
Franz Lanthaler: Aufgrund eines schweren Arbeitsunfalls vor 35 Jahren sitze ich im Rollstuhl. Zuerst war ich inkomplett querschnittgelähmt. Dann gab es eine Komplikation, weshalb ich seit 20 Jahren halbseitig völlig gelähmt bin. Und wegen der Medikamente, die ich am Abend immer einnehmen muss, entzündet sich meine Lunge immer wieder. Heuer im Jänner hatte ich schon eine Lungenentzündung. Und am 12. März bekam ich Atemnot, Husten und hohes Fieber. Weil kein Hausarzt verfügbar war, wählte ich den Notruf 112. Zuerst wollte mir die Landesnotrufzentrale das Weiße Kreuz aber nicht schicken; es wurde auf den Hausarzt verwiesen. Nach längerem Drängen brachte mich dann der Rettungsdienst am Abend in das Meraner Krankenhaus.

„D“: Wie ging es dann weiter?
Lanthaler: Im Krankenhaus wurde ich untersucht. Weiters bekam ich Sauerstoff und Infusionen. Zudem wurden Blutanalysen durchgeführt und ein Covid-19-Abstrich gemacht. Nach mehr als 12 Stunden in der Notaufnahme in Meran brachte mich das Weiße Kreuz in das Schlanderser Krankenhaus, wo ich sofort auf die Isolierstation kam. Erst als mich ein Arzt dort fragte, wo ich mich angesteckt habe und ich nicht wusste, was er meinte, kam heraus, dass ich positiv auf Covid-19 getestet wurde. In Meran hatte mir das niemand gesagt.

„D“: Wo glauben Sie, haben Sie sich mit dem Virus angesteckt?
Lanthaler: Ich bin aufgrund meines Handicaps fast immer daheim. Ende Februar war ich in einer Bar in Meran; vermutlich habe ich mich dort infiziert. Anders kann ich es mir nicht erklären.

„D“: Wie ist es Ihnen im Schlanderser Krankenhaus ergangen?
Lanthaler: Die ersten Tage hatte ich hohes Fieber, Husten, Durchfall sowie keinen Geschmacks- und Geruchssinn. Die Ärzte und Pflegekräfte sind zu bemitleiden; ich habe sie bei ihrer Arbeit in voller Schutzausrüstung oft beobachtet: Sie schwitzten und ihre Schutzbrillen waren immer wieder beschlagen. Aber trotz der erschwerten Umstände wurde ich immer freundlich behandelt. Ich war schon öfters über lange Zeit im Krankenhaus; so gut betreut wurde ich aber noch nie. Heute würde ich keinen Arzt und keine Pflegekraft wiedererkennen, weil ich aufgrund der Masken fast nur ihre Augen gesehen habe. Ich bin nun daheim, aber das Spitalpersonal hält die Stellung und riskiert, angesteckt zu werden und das Virus nach Hause zu tragen.

„D“: Ab wann ging es Ihnen etwas besser?
Lanthaler: Nach etwa 10 Tagen brauchte ich nicht mehr durchgehend Sauerstoff. Und ich hatte kein Fieber mehr; auch der Husten besserte sich. Ich war aber weiterhin Covid-19 positiv; erst am 28. März gab es den ersten negativen Test. Zum Glück war auch der Test am darauffolgenden Tag negativ, weshalb ich am 30. März aus dem Spital entlassen wurde. Seitdem bin ich daheim; unter Quarantäne war ich nie.

„D“: Was ist Ihnen in dieser Zeit durch den Kopf gegangen, vor allem als Sie die Diagnose Covid-19 positiv bekamen?
Lanthaler: Viel ist mir durch den Kopf gegangen, vor allem dann, als es einem Bettnachbarn im Krankenhaus immer schlechter ging. Ich wurde zwar in ein anderes Zimmer verlegt, erfuhr dann aber, dass er gestorben ist. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir zwar schon besser, aber ich hätte auch sterben können. Schlimm war darüber hinaus, dass ich keinen Besuch empfangen konnte.

„D“: Wie geht es Ihnen jetzt, Sie sind bekanntlich immun?
Lanthaler: Mir geht es sehr gut, und ich bin immun, so wurde es mir jedenfalls gesagt. Wie vor der Covid-19-Erkrankung bin ich daheim, könnte aber ohne Probleme mit dem Rollstuhl ins Dorf fahren. Ich habe einen Wunsch: Die Südtiroler sollen das Coronavirus nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn es ist nicht zu unterschätzen. Niemand soll seine Gesundheit aufs Spiel setzen. Die Leute müssen sich schützen.

Interview: Florian Mair

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