In Südtirol findet am heutigen Freitag der Tag der Chancengleichheit statt – ein Anlass, um den Fokus explizit auf das Thema Gleichberechtigung zu lenken. Denn obwohl unsere Gesellschaft immer moderner und fortschrittlicher werden will, sprechen die Zahlen in genanntem Zusammenhang eine andere Sprache und zeigen, dass an gar manchen Ecken Aufholbedarf besteht. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="810788_image" /></div> <BR /><BR />Wie Gleichstellungsrätin Michela Morandini berichtet, wird der Grad der Gleichstellung von Männern und Frauen vor allem an den 4 Bereichen Arbeit, politische Partizipation, Bildung und Gesundheit gemessen, wobei vor allem die ersten beiden aufhorchen lassen. „Den neuesten Erhebungen zufolge beträgt der Gender-Pay-Gap in Südtirol durchschnittlich immer noch 16,3 Prozent und wird größer, je weiter man in der Hierarchie aufrückt“, sagt Morandini.<BR /><BR />Konkret bedeutet dies, dass Frauen entschieden weniger Lohn erhalten als Männer, bei gleicher Arbeit und Leistung. „In der Pension verschlechtert sich die Lage dann noch einmal weiter. Männer erhalten oftmals sogar das Doppelte im Vergleich zu den Frauen“, berichtet Morandini. <BR /><BR /><b>Ein Großteil der Arbeit von Frauen bleibt unbezahlt<BR /></b><BR />Und worauf sind diese teils beträchtlichen Unterschiede zurückzuführen? Darauf hat die Gleichstellungsrätin hat eine sehr klare Antwort. „Ein bedeutender Faktor ist die Tatsache, dass ein Großteil der unbezahlten Carearbeit nach wie vor von den Frauen verrichtet wird. Sie machen den Haushalt, kümmern sich um die Kinder und übernehmen die Organisation der Familie. Und dies wiederum hat Auswirkungen auf das Arbeitsleben. Frauen haben oftmals einen schlechteren Zugang zum Arbeitsmarkt, fallen öfter aus oder wählen von vorne herein nur die Berufe, die mit der Familie gut vereinbar sind.“<BR /><BR /><i>Bevor Sie weiterlesen: Stimmen Sie ab!</i><BR /><BR /> <div class="embed-box"><div data-pinpoll-id="213577" data-mode="poll"></div></div> <BR /><BR />Vor allem im Bereich der Arbeitsbedingungen sieht die Gleichstellungsrätin also Aufholbedarf – ebenso wie in jenem der politischen Partizipation, denn: „Für Frauen ist es immer noch schwieriger, an die Macht zu kommen, als für Männer. Zum einen aufgrund der geschilderten Umstände, zum anderen aber auch, weil Männer ganz andere Netzwerke haben und die Parteienkultur vielfach männlich geprägt ist“, so Morandini. <BR /><BR /><b>Rückfall in alte Rollenbilder <BR /></b><BR />Die Corona-Pandemie habe die Unterschiede zwischen den Geschlechtern noch einmal mehr verdeutlicht und den Gleichstellungsprozess gebremst. „Vielfach sind Frauen während des Lockdowns in völlig veraltete Rollenbilder zurückgefallen. Die Hausarbeit blieb meistens an ihnen hängen und sie waren es auch, die das Ruder in der Hand halten mussten, als die öffentlichen Schulsysteme plötzlich weggefallen sind“, gibt Michela Morandini zu bedenken.<BR /><BR />Nicht zuletzt auch deshalb sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Thema, dem sich in der heutigen Zeit alle Arbeitgeber, sei es nun öffentliche wie private, stellen müssen. „Wird dieser Bereich nicht zu einem Schwerpunkt gemacht, fehlen wichtige Fachkräfte. Die Wirtschaft wird gebremst und das deshalb, weil wir nicht das volle Potenzial ausschöpfen. Frauen sind in dieser Hinsicht eine unverzichtbare Ressource“, sagt Morandini.<BR /><BR />Dann bleibt an dieser Stelle nur noch eine Frage: Wie lange wird es dauern, bis die Wertschätzung der Leistungen auch durch volle Gleichberechtigung sichtbar wird? „Offiziellen Einschätzungen zufolge wird es wohl erst in rund 100 Jahren soweit sein“, weiß die Gleichstellungsrätin. „Wichtig ist aber, dass wir konstant dranbleiben und die notwendigen Schritte gehen, damit sich nach und nach immer mehr verändern kann.“