Sonntag, 13. März 2016

„Das Suchgebiet war gewaltig groß“

Seit 46 Jahren ist Raffael Kostner nun schon Bergretter. Doch „nur selten gibt es Einsätze von einem solchen Ausmaß“, sagt der Windenmann des Rettungshubschraubers Aiut Alpin Dolomites. Ein Gespräch am Tag nach der Katastrophe.

Foto: DLife/da
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Foto: DLife/da

„Die Lawine war groß“, erinnert sich Kostner. „Sie hatte sich am Gipfel gelöst und ist dann weit hinunter gerauscht. Unten hat sie sich dann ausgebreitet und verzweigt. Die Zone, in der sich die Verschütteten möglicherweise befinden konnten, war gewaltig groß. So wurde der Einsatz sehr schwierig“, erklärt der 63-Jährige.

Immer mehr Suchhunde, immer mehr Rettungskräfte wurden angefordert. Bei einem Lawinenabgang dieser Dimension – „20 Leute sind da nichts“, meint Kostner. Am Ende standen am Schneebigen Nock über 100 Rettungskräfte im Einsatz, dazu vier Hubschrauber: der Aiut Alpin Dolomites, der Pelikan 2, ein Hubschrauber der Finanzwache sowie ein Hubschrauber aus Lienz.

Hohe Lage für Rettungshubschrauber kein Problem

Wie berichtet, hatte sich die Lawine am Schneebiger Nock auf circa 3250 Metern Meereshöhe gelöst. Dass die hohe Lage für die Rettungshubschrauber zum Problem geworden sei, verneint Kostner. „Es ist normal, dass man bei einer Rettungsaktion nicht viel tankt“, sagt er.

Denn mit einem vollen Tank – sprich: mit 750 Litern an Bord – sei der Hubschrauber zu schwer, um ihn optimal an Einsatzorte auf so großer Höhe fliegen zu können. Plus: Je mehr Treibstoff im Tank, desto weniger Retter können an Bord. „Man versucht also einen guten Kompromiss zu finden“, erklärt Kostner. „Man tankt etwas mehr als man braucht“, sagt er.

Lkw bringt zusätzlichen Treibstoff

Zusätzlicher Treibstoff sei mit einem Lastkraftwagen ins Tauferer-Ahrntal transportiert worden. So konnte der Hubschrauber vor Ort nachgetankt werden – zwei bis drei Mal, schätzt Kostner, das dauere nur wenige Minuten. Die Höhenlage sei, zumindest für die Rettungshubschrauber, kein Problem gewesen, betont er. 

Sicht am Nachmittag schlecht

Probleme habe eher die Sicht bereitet: Diese sei am Nachmittag schlechter geworden, dann habe man Schwierigkeiten gehabt, Personen auf dem Schnee genau zu erkennen. „Doch glücklicherweise war die Sicht am Vormittag gut. So hatten wir bald einen Kollegen als Referenzpunkt vor Ort.“

Alles in allem sei der Rettungseinsatz optimal gelaufen, fasst Kostner zusammen. „Doch traurigerweise hat man wieder einmal gesehen, wie schwer sich die Gefahr am Berg einschätzen lässt.“

Bei dem Lawinenunglück am Schneebigen Nock haben am Samstag sechs Menschen ihr Leben verloren. Fünf der Opfer stammen aus Südtirol. Hier gelangen Sie zum Kondolenzbuch.

stol

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