Freitag, 14. Januar 2022

Was kann man gegen minderjährige Schläger tun?

Die Fälle von Gewalt in Brixen, über die STOL berichtet hat, haben für Aufsehen gesorgt: Eine lose Gruppe von Jugendlichen tyrannisiert andere Jugendliche, schlägt und bedroht sie. Das geht so weit, dass die Opfer vor einer Anzeige zurückschrecken – schließlich kündigen die Täter ganz unverhohlen Vergeltung an, wagte es einer, zur Polizei zu gehen. Besonders betroffen macht das junge Alter der Angreifer: Mindestens einer von ihnen ist noch minderjährig. Was können ihre Opfer tun?

Das Ende der Unschuld: Wenn Minderjährige zu Tätern und zu Opfern werden.
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Das Ende der Unschuld: Wenn Minderjährige zu Tätern und zu Opfern werden. - Foto: © shutterstock
Mehrere Brixner haben sich an die Redaktion gewandt: Sie beklagen übereinstimmend Gewaltexzesse einer Gruppe junger Männer aus Brixen und der Umgebung. Seinen Namen will keiner der Informanten veröffentlicht wissen. Denn es geht die Angst um, „abgepasst zu werden“, wie es einer formuliert.

Können Jugendbanden ungeniert eine ganze Stadt terrorisieren, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen? Einige der Täter sind bereits polizeibekannt, wie etwa Massimo Tuppini, designierter Vizekommandant der Stadtpolizei, bestätigte.



Rechtsanwalt Martin Fill ist Strafverteidiger und sagt: „Opfer sollen sich in jedem Fall direkt an die Polizei wenden. Dafür sind die Ordnungskräfte da.“ Das gelte auch in Fällen mit problematischen Jugendlichen. Die Sorge, Minderjährige würden ohne Konsequenzen davonkommen, sei nicht begründet: „Wenn Verdunkelungs- oder Tatwiederholungsgefahr besteht, können gegen Jugendliche dieselben Vorbeugemaßnahmen verhängt werden wie gegen Erwachsene.“

Die Palette der denkbaren Maßnahmen ist breit: Sie reicht von der Pflicht, regelmäßig bei den Ordnungskräften eine Unterschrift zu leisten, über das Aufenthaltsverbot in einer bestimmten Gemeinde und das Kontaktverbot zu geschädigten Personen bis zum Hausarrest. „Eher unüblich ist bei Minderjährigen eine Vorbeugemaßnahme in einer Haftanstalt“, sagt Fill.

Über diese Maßnahmen entscheide auf Antrag der Jugendstaatsanwaltschaft der Voruntersuchungsrichter am Jugendgericht – genauso wie es in einem Verfahren für Erwachsene gehandhabt werde.
Wie lange kann es dauern, bis eine solche Maßnahme angewandt wird?

Wie lange müssen Gewaltopfer in Angst vor ihren minderjährigen Peinigern leben? „Das geht relativ schnell, wenn etwa Zeugen eingeschüchtert oder bedroht werden“, erklärt Fill: „Das wäre Verdunkelungsgefahr: Wichtig ist, dass die ihnen vorgeworfenen Straftaten keine Bagatelldelikte sind.“

Tatsächlich sei die erzieherische Komponente in Fällen von Jugendkriminalität wichtig: „Aber wenn die Zusammenarbeit mit Sozialdiensten oder ähnliches nicht fruchtet, dann gibt es diese extremen Maßnahmen auch im Jugendstrafrecht.“

kn