Mittwoch, 08. Juni 2016

Der heiße Monat: Ramadan in Südtirol

„Der heiße Monat“: So lässt sich der muslimische Fastenmonat Ramadan übersetzen, der von mehr als 1,6 Milliarden Gläubigen weltweit begangen wird. Begonnen hat der neunte Monat des islamischen Mondkalenders auch in Südtirol – wie überall diese Woche.

„Wichtig isch es, dass  man in Dialekt kennt, nor versteat mon olle“, sagt der Imam von Brixen Abdeslam Termassi. - Foto: D
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„Wichtig isch es, dass man in Dialekt kennt, nor versteat mon olle“, sagt der Imam von Brixen Abdeslam Termassi. - Foto: D

Bis zum Fest des Fastenbrechens Anfang Juli heißt es nun, sich in Verzicht zu üben. Die Muslime sind angehalten, auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex zu verzichten.

Abdeslam Termassi, 58, stammt aus Marokko und lebt in Lüsen. Er ist der Imam von Brixen, einer von 9 Imams in Südtirol. Der exakte prozentuelle Anteil der muslimischen Glaubensgemeinschaften an der Südtiroler Gesamtbevölkerung ist nicht bekannt, handelt es sich doch um sensible Daten, die nicht abgefragt werden dürfen. Groben Schätzungen zufolge dürften aber um die 20.000 Muslime in Südtirol leben.

Südtirol Online hat mit Imam Abdeslam Termassi über den Ramadan gesprochen.

Südtirol Online: Herr Termassi, am Montag hat der Ramadan begonnen – was bedeutet das?
Abdeslam Termassi: Eigentlich hat der Ramadan bereits von Sonntag auf Montag begonnen, das hängt vom Mond ab, der Ramadan beginnt ja nicht überall am selben Tag. Der Ramadan ist auf alle Fälle der muslimische Fastenmonat. Das Fasten umfasst mehrere Aspekte: Ab 2.30 Uhr darf etwa weder gegessen noch getrunken werden und das bis nach 21 Uhr. Es gibt allerdings Ausnahmen: Kinder etwa oder ältere Menschen, um nur zwei zu nennen. Das gilt aber auch für Personen, die in den Urlaub fahren; mit in den Urlaub fahren meine ich nicht nach Trient, sondern eventuell nach Marokko. Aufgrund der Streckenlänge ist es erlaubt, den Ramadan temporär auszusetzen, die fehlenden Tage müssen dann nachgeholt werden.

STOL: Den ganzen Tag über nichts essen und nichts trinken – das klingt ganz schön heavy.
Termassi: Die ersten Tage sind vielleicht etwas schwierig, dann wird es leichter. Ich sage es auch zu den Menschen in der Moschee, bitte esst nicht zu viel. Der menschliche Körper gewöhnt sich an die Umstellung und man hat weniger Hunger. Was mich betrifft, so esse ich nach 21 Uhr einige Datteln und trinke ein Glas Saft. Nach dem Gebet esse ich dann einen Teller Suppe, mehr nicht, dann bete ich auch mit größerer Ruhe. Im Ramadan sollen die Muslime auch vermehrt Gutes tun, sich intensiver mit Allah beschäftigen und verstärkt den Koran lesen: Allah belohnt das.

STOL: Wie begegnet man Ihnen als Imam von Brixen?
Termassi: Da gibt es keine Probleme. Die Menschen interessieren sich, meine Türen sind offen und die Leute kommen zu mir. Wenn ich zu spät dran bin und bereits mit meinem Gewand in die Moschee laufe, grüßen mich die Leute oder wollen mit mir ein Foto machen. Blöde Kommentare habe ich in Südtirol noch keine bekommen. Die Leute kommen auch zu mir, sagen „Mach weiter so!“ und gratulieren mir.

STOL: Und wie ist das interreligiöse Zusammenleben?
Termassi: Es schauen auch Christen in der Moschee vorbei, denn die Freude am Glauben trennt uns nicht, sie verbindet uns: Da gibt es keine Probleme. Ich kenne auch viele Pfarrer bzw. überhaupt hier mehr Leute als in Marokko. Auch um die Migranten, die im Brixner Raum leben, kümmere ich mich. Eine Flüchtlingsgruppe kommt jeden Tag zu mir und lernt hier die Landessprachen. Auch mit den Vereinen arbeiten wir gut zusammen, so lernt man sich kennen. Natürlich, könnte man sich noch besser kennenlernen. Ich für meinen Fall liebe Südtirol und will hier weiter meiner Arbeit als Imam nachgehen, so gesehen passe ich auch auf Südtirol auf. „Wichtig isch es, dass  man in Dialekt kennt, nor versteat mon olle“. 

Interview: Andrej Werth

stol