Montag, 16. November 2015

Der mutmaßliche Terrorist kam mit dem Paket unterm Arm

Er war berufstätig, sprach perfekt italienisch, wird als freundlich und integriert beschrieben - und war im ganzen Land und darüber hinaus unterwegs: Einer der sieben mutmaßlichen Mitglieder der Meraner IS-Terrorzelle hatte als Lieferant bei einer Paketzustellerfirma einen "geschickten" Job - in Anbetracht der ihm vorgeworfenen Verbrechen.

Hama Mahmood Kaml (im roten Kreis) war ein "unscheinbarer" Paketlieferant, nun sitzt er im Bozner Gefängnis ein.
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Hama Mahmood Kaml (im roten Kreis) war ein "unscheinbarer" Paketlieferant, nun sitzt er im Bozner Gefängnis ein.

Er heißt Hama Mahmood Kaml, ist 30 Jahre jung und lebte in Meran. Er ist einer jener fünf Männer, die seit Donnerstag im Bozner Gefängnis einsitzen. Der Vorwurf: Er sei in die Machenschaften der Meraner IS-Terrorzelle verstrickt. 

Während drei seiner angeblichen Komplizen am Montag dem Haftrichter vorgeführt wurden, schwiegen oder alles abstritten (STOL hat berichtet), macht in Südtirol ein vierter von sich reden - eben Hama Mahmood Kaml.

"War freundlich, aber konnte hitzig werden"

Seinen Namen kannten die wenigsten, doch sein Gesicht sehr viele - vor allem Kunden eines bestimmten Transportunternehmens. "Er war immer sehr freundlich und zuvorkommend", sagt ein Kunde gegenüber STOL, der den Lieferanten erkannt hat.

"Er belieferte uns immer mit Paketen. Er ist mir immer sehr freundlich und hilfsbereit erschienen", so der Kunde, der unerkannt bleiben möchte, wie noch weitere STOL-Leser, die ebenfalls mit dem 30-Jährigen zu tun hatten. 

Sie beschreiben ihn von den kurzen Momenten der Paketübergabe als "umgänglich, aber ... manchmal wenn es nicht so lief, wie er wollte, konnte er auch sehr hitzig werden."

Ein "gut integrierter" Terrorist?

Auf die Frage, ob der Verdächtige als integriert bezeichnet werden kann, kam die Antwort: "Einen noch integrierteren Eindruck als bei ihm gibt's bei wenigen."

Und so schwingt bei vielen Äußerungen zum mutmaßlichen Terroristen Verwunderung und Unglaubwürdigkeit mit, wie:  "Ich hätte das ehrlich gesagt nicht gedacht. Und ob der jetzt wirklich etwas damit zu tun hat, wer weiß das schon so genau."

Als Lieferant viel unterwegs

Als Lieferant kam Hama Mahmood Kaml jedenfalls weit herum. Allein in Südtirol hat das Unternehmen drei Filialen (Bozen, Meran, Brixen) sowie Niederlassungen in ganz Italien. 

"Dass er unkontrolliert mit allerhand Paketen unterwegs war, kann schon erschrecken", meint eine Kundin in Anbetracht der aktuellen Vorwürfe gegen ihn. 

stol/ker

stol