Samstag, 20. Juli 2019

Der Schuster ist bezwungen

Was jener Dreierseilschaft am 18. Juli 1869 gelungen war, als sie nach fünfstündiger Kraxlerei am Gipfel der 3.145 Meter hohen Dreischusterspitze, dem höchsten Berg der Sextner Dolomiten standen, sollte nicht nur reif für die Geschichtsbücher sein. Die erstmalige Gipfelbezwingung des „Schusters“ vor genau 150 Jahren signalisierte den Startschuß einer neuen Epoche - des Alpinismus in Sexten.

Gute Stimmung in Sexten. Foto: Christian Tschurtschenthaler
Badge Local
Gute Stimmung in Sexten. Foto: Christian Tschurtschenthaler

Buntes Treiben belebte am Donnerstagabend die sonst so lauschige Wiesenlichtung am Staddila Winkl im Sextner Fischleintal. Menschen mit Picknickkörben hatten sich auf dem Grasboden zu Füßen der Dreischusterspitze niedergelassen, Laternen brannten, der Duft von frischem Hirschgulasch zog über Latschenbüsche hinweg und verlieh dem abendlichen Bergpicknick eine spezielle Note. 

„Wir erinnern uns heute an den Gipfelsieg der drei Kletterpioniere Franz Innerkofler, Paul Grohmann und Peter Salcher, die sich auf den Tag genau vor 150 Jahren als erste Menschen überhaupt am Schuster die Hände reichten“, sagte Moderator Christoph Rainer. (STOL hat über das 150. Jubiläum der Erstbesteigung der Dreischusterspitze berichtet)

Während sich die Festgäste allerhand lokale Köstlichkeiten aus dem Bergsteiger-Picknickkorb munden ließen und das Kraxlermenü von Sternekoch Chris Oberhammer genossen, warf Bene Benedikt, Chefredakteur der Zeitschrift Alpin die Frage auf, was Alpinismus in den Dolomiten tun kann, damit Erlebnischarakter für Touristen und Lebensqualität für Einwohner gleichermaßen gewährleistet bleiben. Auch Bär und Wolf hätten ihren Anteil daran.

Mit Kletterpatschn und Hanfseil

Rai-Journalist Pepi Casagrande ging in seinen Erzählungen auf die dürftige Kletterausrüstung von damals ein. Dabei war der Wiener Alpinist Paul Grohmann der erste, der mit Kletterpatschen aus Loden die jungfräuliche Gipfelkrone des Schusters bezwang und nicht die für die Zeit üblichen  genagelte Schuhe verwendete.

Bei Klettergeschichten und Bergführerepisoden, die Bene Benedikt und Pepi Casagrande mit köstlichen Details zum Besten gaben, staunten die Gäste an der Staddila Winkl-Bar nicht schlecht als nach 21 Uhr hoch oben im Fels die Lichter von 150 LED-Laternen aufblitzen und die historische Erstbesteigung von 1869 an der Dreischusterspitze nachzeichneten.

Die Sextner Bergführer hatten die Kletterroute gemeinsam mit der Bergrettung Sexten ausgeleuchtet. 

Danach erfolgte der Anschnitt der Jubiläumstorte, die der Gipfelform des Schusters nachempfunden war und man spürte in der Einzigartigkeit dieses außergewöhnlichen Bergsommerabends, dass der Geist der Dreierseilschaft Innerkofler Grohmann Salcher allgegenwärtig war.

stol/ct

stol