<b>STOL: Herr Raffeiner, wie kam Ihnen die Idee zum digitalen Register?</b><BR /><BR />Stefan Raffeiner: Entscheidend dafür war mein damaliger Direktor am Realgymnasium Meran, Franz Josef Oberstaller. Mit ihm hatte ich schon während meiner Schulzeit verschiedene Projekte umgesetzt. Er hat mir vorgeschlagen, ein Programm zu schreiben, mit dem die kompetenzorientierte Bewertung an der Schule abgebildet werden kann. Das entspricht einem kleinen Teil von dem, was heute das digitale Register ist. Aus dieser Idee heraus ist nach vielen Stunden des Programmierens das ganze Projekt gewachsen und vor 10 Jahren haben schließlich die ersten Lehrkräfte in Südtirol begonnen, mit dem digitalen Register zu arbeiten.<BR /><b><BR />STOL: Wie haben Sie Ihre Idee umgesetzt?</b><BR /><BR />Raffeiner: Ich habe das Projekt zwar alleine gestartet, aber schon sehr bald sind mein ehemaliger Mathematiklehrer, Alex Trojer, 2 weitere Lehrkräfte und die Firma Limitis mit eingestiegen. Gemeinsam mit diesem Team habe ich das Projekt ins Laufen gebracht und in den vergangenen 10 Jahren betreut und weiterentwickelt. Im ganzen Entstehungsprozess, war es mir sehr wichtig, immer wieder Feedback einzuholen und zu sehen, wie das Produkt im Schulalltag verwendet wird. Dazu habe ich Workshops mit Lehrkräften abgehalten und verschiedene Schulen im Land besucht, um mir Inputs für Weiterentwicklungen zu holen. Dabei konnte ich feststellen, dass verschiedene Schulen sehr unterschiedlich funktionieren und immer wieder Anpassungen am Produkt vornehmen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55568510_quote" /><BR /><BR /><b><BR />STOL: Wie wurde diese digitale Revolution in den Schulen aufgenommen?</b><BR /><BR />Raffeiner: Bei der Einführung an den Schulen hatten wir einen großen Vorteil: Wir sind mit einem sehr kleinen und verständlichen Produkt gestartet, das einen deutlich identifizierbaren Mehrwert geliefert hat. Das hat für viel Akzeptanz gesorgt. Natürlich gab es an einigen Schulen auch Widerstände gegen diese Neuerung, aber wir haben festgestellt, dass diese in der Regel sehr schnell der Überzeugung gewichen sind, dass das digitale Register der Schule hilft.<BR /><BR /><b>STOL: Ihr Weg in der Technikbranche führte Sie dann weit über die Grenzen Südtirol hinaus…</b><BR /><BR />Raffeiner: Ich habe das digitale Register lange als Nebenprojekt betrieben. Als ich festgestellt hatte, dass ein Studium nichts für mich ist, habe ich eine Gelegenheit genutzt, um mit 2 Startups im Silicon Valley in San Francisco zu arbeiten. Dort konnte ich enorm viel Erfahrung sammeln: In diesen kleinen Unternehmen konnte ich alle Abläufe hautnah mitverfolgen und so in kurzer Zeit sehr viel dazu lernen. Nach dieser Erfahrung bin ich wieder nach Europa zurückgekehrt. Das Unternehmen „Digitales Register“ wurde vom europaweit führenden Mitbewerber, der Firma Untis, übernommen und ich durfte dort zuerst das Produktmanagement, dann die Geschäftsführung übernehmen. Mit über 100 Mitarbeitern entwickelt Untis Software für 27.000 Schulen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55568513_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>STOL: Warum ist sind Ihnen die beiden Themen Digitalisierung und Schule wichtig?</b><BR /><BR />Raffeiner: Schon seit ich ein Kind bin, trage ich eine große Faszination für Technik in mir. Ich konnte mich immer schon dafür begeistern, was durch Digitalisierung und neue Technologien alles ermöglicht wird. Das Bildungsthema ist mir während meiner Oberschulzeit ans Herz gewachsen. Ich wurde damals sehr stark gefördert und durfte eigene Projekte umsetzen. Man hat mir den Freiraum geschaffen, den ich brauchte, um mich in jenen Bereichen weiterzuentwickeln, die mich wirklich interessieren. Wenn Lehrpersonen über den Lehrplan hinausgehen und Schüler individuell unterstützen, können diese ein Leben lang von diesen Erfahrungen zehren. Das hat mich begeistert und ich hoffe, dass in Zukunft noch mehr Schüler die Gelegenheit dazu bekommen, sich selbst zu verwirklichen.<BR /><BR /><b>STOL: Digitalisierung in der Schule: Wo steht Südtirol da im europäischen Vergleich?</b><BR /><BR />Raffeiner: Ich kenne vor allem die Schule im deutschsprachigen Raum. Dort ist Südtirol auf jeden Fall vorne dabei. Bei Terminen mit Behörden und Ministerien im Ausland habe ich mehrfach gehört, dass Südtirol als Vorzeigemodel gilt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55568514_quote" /><BR /><BR /><b><BR />STOL: Wie wollen Sie die Digitalisierung an Schulen weiter vorantreiben?</b><BR /><BR />Raffeiner: Unser neuestes Projekt ist die App „teachino“. Bisher haben wir uns mit dem digitalen Register vor allem um die Schulorganisation gekümmert: „Welche Lehrperson ist in welcher Klasse? Mit welchen Schülern? Wer ist abwesend?“ – solche Fragen standen im Fokus. Mit teachino wollen wir nun den Schritt in den Unterricht gehen. Lehrkräfte müssen viel Zeit und Arbeit aufwenden, um einen qualitativen Unterricht zu bieten, dabei wollen wir sie unterstützen. Die App, die die Planung und Gestaltung des Unterrichts erleichtern soll, wird ab September an den ersten Schulen zum Einsatz kommen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="798392_image" /></div> <BR /><b><BR />STOL: Von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung: Welche Etappen gilt es bei der Entwicklung einer neuen App zu bewältigen?</b><BR /><BR />Raffeiner: Am Anfang steht natürlich die Idee – und davon gibt es sehr viele. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man sich am Anfang nicht auf eine Idee versteift, sondern viele Gespräche mit Anwendern – in unserem Fall Schulen, Lehrpersonal etc. - führt. Nur so kann man einschätzen, ob die Idee auch wirklich Sinn macht. In den Gesprächen wird Schritt für Schritt klar, wie das fertige Produkt ausschauen sollte. Ist die Idee validiert, braucht man gute Leute um sich herum, um das Projekt umsetzen zu können. Bei teachino hatte ich das große Glück, dass die Lehrkräfte, die bereits am digitalen Register mitgearbeitet haben, auch bei der Entwicklung der neuen App ihre Erfahrung mit einbringen. Mit der Verpflichtung eines guten Teams geht natürlich auch das Thema Finanzierung einher. In unserem Fall haben wir es mit einem risikoreichen Unternehmen zu tun: Wir haben noch kein fertiges Produkt. Wir hoffen zwar und gehen davon aus, dass es funktionieren wird, haben aber keine Gewissheit. Unter diesen Voraussetzungen gibt dir keine klassische Bank einen Kredit. Deshalb kommen in so einem Fall Risikokapitalgeber ins Spiel, die Geld in das Unternehmen investieren und im Gegenzug daran beteiligt werden. Für teachino haben wir auf diesem Weg ein Investment in der Höhe von einer Million Euro erhalten. Dieses Geld kommt zu einem großen Teil von Investoren aus Südtirol. Damit kann ich unser Team weiter ausbauen und Ideen schneller austesten - bis wir ein Produkt haben, das wirklich begeistert. Langfristig ist unser Ziel weiter zu wachsen und uns auf dem europäischen Markt zu etablieren.<BR /><b><BR />STOL: Was geben Sie jungen Menschen mit, die im Leben einen ähnlichen Weg wie Sie einschlagen möchten?</b><BR /><BR />Raffeiner: Die Arbeit in einem schnelllebigen Startup kann ich sehr empfehlen. In kaum einer anderen Umgebung kann man in so kurzer Zeit so viel unterschiedliche Dinge lernen. Diese Erfahrung hilft natürlich in der eigenen Karriere, aber insbesondere lernt man damit auch vieles über sich selbst: Wie möchte ich arbeiten, was macht mir Spaß, was erfüllt mich? Der Preis dafür ist harte Arbeit und viel Eigeninitiative ist eine wichtige Voraussetzung. Einen guten ersten Einblick bieten Veranstaltungen rund um Startups. Hier kann man Gründer und Investoren kennen lernen, Kontakte knüpfen, die hilfreich bei den ersten Schritten im Business sind.<BR /><BR /><BR />