Samstag, 05. September 2020

ECOTEX: Nein zu Fast-Fashion-Kleidung

Am Samstag fand in Klausen die größte faire und ökologische Textilmesse Südtirols statt. Faire Arbeitsbedingungen, eine umweltschonende Produktion und lokale Möglichkeiten der Kleiderproduktion standen im Mittelpunkt des etwas anderen Bekleidungsmarktes. Organisiert wurde er von der OEW-Organisation für Eine solidarische Welt, den Solidarischen Einkaufsgruppen Südtirols und der Wirtschaftsgenossenschaft Klausen.

Faire Arbeitsbedingungen, eine umweltschonende Produktion und lokale Möglichkeiten der Kleiderproduktion standen im Mittelpunkt des etwas anderen Bekleidungsmarktes.
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Faire Arbeitsbedingungen, eine umweltschonende Produktion und lokale Möglichkeiten der Kleiderproduktion standen im Mittelpunkt des etwas anderen Bekleidungsmarktes. - Foto: © oew
Bis eine Jeans in unserem Kleidungsschrank landet, reist sie mehr als einmal um die Welt: Rund 44.300 km legt sie durchschnittlich auf ihrem Weg von der Baumwollplantage in Indien bis zur Verkaufsstelle in Italien zurück. Gesponnen wird in der Türkei, gewebt in Taiwan, gefärbt in Tunesien und genäht in Bangladesch. Dabei wird so billig, so viel und so schnell wie möglich produziert. Den wahren Preis zahlen Umwelt und Klima und die unterbezahlten Arbeitenden, die so gut wie keine Rechte genießen. Allein in Südtirol landen andererseits 2500 Tonnen gekaufter Kleidung jährlich wieder im Altkleidercontainer – ein Supergau an Ressourcenverschwendung. Dieser Dynamik wollen die Organisatoren der ECOTEX in Klausen entgegenwirken und zeigen, dass es auch anders gehe, heißt es in einer Aussendung der OEW – Organisation für Eine solidarische Welt.

„Es gibt genügend nachhaltige und faire Alternativen“

Verena Gschnell von der OEW-Organisation für Eine solidarische Welt erzählt: „Wir besitzen heute viermal so viel Kleidung wie noch vor 50 Jahren und laufen den Trends von Modelabels nach, die uns ständig das Gefühl geben, dass wir noch nicht genug konsumiert haben. Dabei gibt es inzwischen genügend nachhaltige und faire Alternativen.“

So präsentierten sich auf der ECOTEX am Samstag mehr als 20 Kleinproduzenten, Schneider und Verkäufer, denen eine transparente und vertretbare Wertschöpfungskette am Herzen liegt. Sie wissen woher ihre Rohstoffe kommen, legen Wert auf eine umweltfreundliche Verarbeitung, verwerten Restprodukte, färben und drucken nur mit natürlichen Techniken, fördern lokale Kreisläufe und berechnen für Qualität und Handarbeit einen fairen Preis beim Ein- und Verkauf.

„Unser Verwaltungsrat und die Stadtgemeinde Klausen waren von Anfang an begeistert, einen alternativen Kleidermarkt in Klausen zu organisieren. Dass wir es dann geschafft haben auch Organisationen und Vereine wie das Netzwerk der Südtiroler Weltläden, Fridays for Future Südtirol und den Jugenddienst Unteres Eisacktal miteinzubinden zeigte uns schon im Voraus, dass der Markt vor allem jetzt in Zeiten der Krise viel Zuspruch erhält.“, betont Simon Profanter von der Wirtschaftsgenossenschaft Klausen.

Sensibilisierung im Fokus

Im Fokus der Veranstaltung stand nicht nur der Verkauf, sondern auch die Sensibilisierung der Besucher. Verschiedene Stationen regten dazu an, umweltschonend zu konsumieren und Altbewährtes neu für sich zu entdecken. Eine Flickwerkstatt und eine Kleidertauschecke wurden eingerichtet. Unter dem Motto „Reparieren und Tauschen“ wurden zahlreichen Kleiderstücke vor der Mülltonne bewahrt.

Kurz vor Mittag konnten die Besucher einer Modenschau beiwohnen, die bewies, dass vom staubigen Flair ökologischer Mode nicht mehr viel übrig geblieben ist. Ein Sinnesparcours der Materialien und die interaktive Schauwerkstatt „Von der Wolle zum fertigen Kleidungsstück“ eröffneten den Besuchern die Möglichkeit, den Herstellungsprozess von Kleidung nachzuvollziehen.

Dass sich der kritische Kleiderkonsum immer mehr etabliert, das bestätigten auch die Solidarischen Einkaufsgruppen Südtirols, die 2012 die erste ECOTEX organisiert hatten. Seitdem sei das Interesse an einem alternativen nachhaltigen Konsummodell und kleinen Produktionen immer weiter gewachsen.

„Gerade die aktuelle Krise zeigt uns, dass wir lernen müssen neu zu wirtschaften. Lieferketten müssen transparent, Firmen zur Verantwortung gezogen und Arbeitsrechte in den Kleiderfabriken durchgesetzt werden. Davon würden schlussendlich alle profitieren.“, so OEW-Geschäftsführer Matthäus Kircher

stol