Sonntag, 08. April 2018

Einige Opfer nach Amokfahrt in Münster in Lebensgefahr

Nach der Amokfahrt in Münster mit drei Toten befinden sich einige der mehr als 20 verletzten Opfer weiter in Lebensgefahr. Die Ermittler suchen unterdessen weiter nach dem Motiv und Hintergründen für das Verbrechen. Es gebe keine Hinweise, dass noch weitere Verdächtige an dem Verbrechen beteiligt waren . Man gehe von einem Einzeltäter aus, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag.

Die Tat in Münster gibt weiterhin Rätsel auf. - Foto: APA (dpa)
Die Tat in Münster gibt weiterhin Rätsel auf. - Foto: APA (dpa)

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigten für Sonntagmittag eine gemeinsame Pressekonferenz an, in der sie über den aktuellen Ermittlungsstand informieren wollen. Unterdessen lobte die Polizei die Münsteraner. „Alle haben sich vorbildlich verhalten und den Tatortbereich sehr schnell verlassen”, sagte Einsatzleiter Martin Fischer. Hilfreich sei auch gewesen, dass Zeugen der Polizei ihre Beobachtungen gemeldet hätten. Hunderte Menschen waren außerdem dem Aufruf gefolgt, sich zum Blutspenden zu melden.

Für Sonntagabend wurde ein ökumenischer Gedenkgottesdienst im Dom von Münster angekündigt. Dabei soll, wie die Diözese mitteilte, „für all diejenigen gebetet werden, deren Leben durch die Vorfälle am Samstag auf so schreckliche Weise aus den Angeln gehoben wurde”.

Indes löste die AfD-Politikerin Beatrix von Storch Empörung aus. SPD-Vizechef Ralf Stegner bezeichnete die im Kurzbotschaftendienst Twitter verbreiteten Einlassungen von Storchs als „ekelhaft” und „widerlich”. Von Storch hatte unmittelbar nach den ersten Meldungen über die Todesfahrt den Satz „Wir schaffen das” von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Flüchtlingszuzug zitiert und damit nahegelegt, ein Flüchtling sei für die Tat verantwortlich.

„Das tragische Unglück von Münster ruft Leute auf den Plan, die das politisch instrumentalisieren und die Angehörigen der Opfer missbrauchen wollen - das ist schändlich”, twitterte Stegner. „Völlig unabhängig von Motiven oder Tätern” seien „Tragödien wie in Münster furchtbar”. „Versuche, das politisch auszuschlachten, sind widerlich”, erklärte der Sozialdemokrat.

Von Storch legte am Sonntagmorgen nach und nannte den Täter von Münster einen „Nachahmer” islamistischer Gewalttäter. „Ein Nachahmer islamischen Terrors schlägt zu - und die Verharmlosungs- und Islam-ist-Vielfaltsapologeten jubilieren.” Dieser Jubel sei „der Beweis, dass alle die geleugnete Gefahr genau sehen - der Islam wird wieder zuschlagen”. Die Frage sei „nicht ob, sondern wann”.

Bei Twitter sorgte die Vizechefin der AfD-Fraktion im Bundestag mit ihren Äußerungen für breite Kritik. „Es gibt Menschen, die sind nicht integrierbar - und Beatrix von Storch gehört mit Sicherheit dazu”, schrieb etwa der Kabarettist Dieter Nuhr in dem Kurzbotschaftendienst.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland kritisierte „Doppelstandards” bei der Einordnung von Gewalttaten. „Deutsche Täter sind psychisch gestört - muslimische 'islamistische' Terroristen?”, fragte sich Zentralratschef Aiman Mazyek am Sonntag auf Twitter. „Mit diesem unsäglichen Doppelstandarddiskurs brauchen wir uns nicht wundern, warum Islamphobie stets weiter steigt.” Damit werde „das Geschäft der Extremisten und Terroristen” betrieben.

apa/dpa

stol