Donnerstag, 05. Oktober 2017

Einjähriges Mädchen stirbt am Bahnhof: Ermittlungen laufen

Nach einem tödlichem Unfall am Bahnhof Puch bei Hallein, bei dem am Mittwoch der Sog eines durchfahrenden Güterzuges ein einjähriges Mädchen aus einem Kinderwagen auf den Bahnsteig geschleudert hat, sind noch einige Fragen offen.

Fassungslosigkeit nach dem dramatischen Unfall am Bahnhof von Puch bei Hallein.
Fassungslosigkeit nach dem dramatischen Unfall am Bahnhof von Puch bei Hallein. - Foto: © APA

Die ÖBB gehen derzeit davon aus, dass alle Sicherheitsbestimmungen für Zugdurchfahrten eingehalten wurden. Die Polizei wertete Videoaufzeichnungen von dem Vorfall aus.

Nach bisherigem Ermittlungsstand saß eine 24-jährige Salzburgerin aus dem Bezirk Hallein am Mittwochvormittag auf einer Sitzbank, als sie mit ihren beiden Kindern auf die S-Bahn nach Salzburg wartete. Der dreijährige Sohn stand auf, die Frau wendete sich dem Kleinen zu. Zeitgleich fuhr der Güterzug durch, wie Polizeisprecherin Eva Wenzl der APA schilderte. Der Kinderwagen setzte sich in Bewegung und das Mädchen wurde herausgeschleudert.

Bei dem Kinderwagen handelte sich laut Wenzl um einen „Geschwister-Buggy” auf drei Rädern, in dem zwei Kinder nebeneinandersitzen können. Ob das Mädchen zum Zeitpunkt des Unfalls angeschnallt war und ob der Buggy mit einer Bremse festgestellt war, wurde ebenfalls noch ermittelt.

„Achtung Bahnsteig eins - Zug fährt durch - halten sie bitte ihre Gegenstände fest”

Laut ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair sei die Durchsage am Bahnhof, dass ein Zug durchfährt, auch zeitgerecht erfolgt. Für Reisende am Bahnsteig eins lautete die Durchsage „Achtung Bahnsteig eins - Zug fährt durch - halten sie bitte ihre Gegenstände fest”. Solche Durchsagen würden an Bahnhöfen und Haltestellen in Österreich sehr häufig am Tag erfolgen und seien nichts Außergewöhnliches.

Einvernahme der Mutter noch nicht möglich

Generell betrage die Maximalgeschwindigkeit für Güterzüge 100 km/h, erläuterte Gasser-Mair. Je nach den Gegebenheiten an Bahnhöfen dürften Güterzüge auch mit 100 km/h durchfahren. Am Bahnhof Puch bei Hallein seien 100 km/h für Güterzugdurchfahrten erlaubt. Die ÖBB gehen davon aus, dass die Höchstgeschwindigkeit vom Lokführer am Mittwoch nicht überschritten wurde.

Der Lokführer musste zu dem Vorfall jedoch erst befragt werden, auch die Zugdaten müssen noch ausgewertet werden, wie die Polizeisprecherin erklärte. Der Güterzug war nach Rosenheim (Bayern) unterwegs, dort kam es zu einem Lokführerwechsel.

Aufschluss über den Unfall erwartet man sich zudem aus den Daten einer Videokamera von einem Lokal am Gelände neben dem Bahnhof. Das Material wurde der Polizei bereits übergeben. Der tragische Vorfall sei aufgezeichnet worden.

Die Aufnahmen sollen ausgewertet und dazu Zeugen befragt werden. Die Einvernahme der Mutter des verunglückten Mädchens war aufgrund der tragischen Umstände bisher nicht möglich.

apa

stol