Freitag, 24. September 2021

Brain-Computer-Interface ermöglicht Schlaganfallpatienten Bewegung

Der Startschuss zu einem außergewöhnlichen Projekt an der Abteilung Neurorehabilitation im Krankenhaus Sterzing ist gefallen. Das Ziel: Schlaganfallpatienten mit Hilfe der Brain-Computer-Interface-Technik wieder Bewegungen beizubringen, schreibt der Sanitätsbetrieb am heutigen Freitag in einer Aussendung.

Im Krankenhaus Sterzing in der Abteilung Neurorehabilitation wurde ein Projekt gestartet, um Schlaganfallpatienten wieder Bewegungen beizubringen. - Foto: © Sanitätsbetrieb

Das für Südtirol einzigartige Projekt an der Abteilung Neurorehabilitation im Krankenhaus Sterzing nennt sich „Studie zur funktionellen Elektrostimulation mit Unterstützung durch ein Brain-Computer Interface zur Rehabilitation der oberen Gliedmaßen von chronischen Schlaganfallpatienten“.

Ziel der Brain-Computer-Interface-Technik (BCI) in der motorischen Neurorehabilitation ist es, in den elektrischen Hirnaktivitätssignalen (EEG) des Schlaganfallpatienten die Absicht zu „lesen“, den gelähmten Arm bewegen zu wollen und diese gedachte Bewegung von robotischen Hilfsmitteln ausführen zu lassen. Diese Technik, die nur in wenigen Zentren weltweit zur Verfügung steht, kann - wenn wiederholt appliziert - nachweislich Neuroplastizität und die klinische Genesung fördern. Zwar können BCI-Systeme nicht die Gedanken eines Menschen lesen aber aufgrund der ausgesendeten Signale können diese Systeme simple Absichten erkennen, wie etwa rechts oder links, bewegen oder stoppen, ja oder nein.


Foto: © Sanitätsbetrieb



Während der vergangenen Woche wurden in einem 5-tägigen Camp die Therapeuten und Neurophysiologie-Techniker der Abteilung Neurorehabilitation am Krankenhaus Sterzing in die Anwendung der Technik eingewiesen. Dazu waren Experten von weltweit führenden technischen Universitäten vor Ort, und zwar von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL, Schweiz) sowie der University of Essex (Großbritannien).

Im Rahmen des Projekts werden Patienten über 3 Wochen täglich mit Brain-Computer-Interface-Technik behandelt. Dabei soll die Bewegungsintention der Patientin oder des Patienten durch ein Elektroenzephalogramm (EEG) ausgelesen und so die elektrischen Stimulatoren am Arm sowie eine robotisierte Handorthese aktiviert und damit Gegenstände erreicht, gegriffen und losgelassen werden. Damit soll erreicht werden, dass neue neurale Schaltkreise im Gehirn der Betroffenen aktiviert werden, welche die durch das zerstörte Hirngewebe verlorenen Funktionen teilweise übernehmen können, schreibt der Sanitätsbetrieb weiter.


Foto: © Sanitätsbetrieb



Florian Zerzer, Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes sagte: „Der Ausbau von Forschung und Innovation im Südtiroler Sanitätsbetrieb schreitet voran. Das heute vorgestellte Projekt zeigt die Richtung auf, in die wir gehen möchten, denn es ist zukunftsweisend, innovativ, mit internationaler Vernetzung und mit einem Benefit, das unseren Patientinnen und Patienten zugutekommt.“

Pierpaolo Bertoli, Sanitätsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes sagte: „Dieses Projekt, das die Brain-Computer-Interface-Technik in den Mittelpunkt stellt, ist für Südtirol einzigartig. Dass sich dabei eine Zusammenarbeit mit Universitäten ergeben hat, die in diesem Bereich führend sind, wie die École Polytechnique Fédérale de Lausanne und der University of Essex, freut uns besonders.“

Viviana Versace, Neurologin und Leiterin des Labors für klinische und experimentelle Neurophysiologie sagte: „Das Ziel des Projekts ist es nicht, die Patienten mit einer robotisierten, BCI-gesteuerte Armprothese nach Hause zu entlassen, sondern den Patienten durch intensives BCI-Training wieder willkürliche Armbewegungen zu ermöglichen.“

stol

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