Sonntag, 30. Oktober 2016

Erdbeben: Benedikt-Stadt Norcia in Trümmern

Das Epizentrum des neuen Erdbebens in Mittelitalien hat sich in der Kleinstadt Norcia in Umbrien befunden, dem Heimatort des Heiligen Benedikt, der dort im Jahr 480 zur Welt kam. Die Basilika des Heiligen Benedikt, Schutzpatron Europas, und die Kathedrale von Santa Maria Argentea stürzten ein. Lediglich Teile der Fassaden blieben erhalten.

Überall im Stadtzentrum von Norcia (rechts die Fassade der Basilika des Heiligen Benedikts) liegen Trümmer auf der Straße.
Überall im Stadtzentrum von Norcia (rechts die Fassade der Basilika des Heiligen Benedikts) liegen Trümmer auf der Straße. - Foto: © APA/AFP

Der Erdstoß am Sonntagmorgen war in jüngerer Zeit nicht das erste starke Beben das die Stadt des Heiligen Benedikts heimgesucht hat. Die 5.000 Seelen-Gemeinde Norcia, die im Herzen Umbriens nahe den Sybillinischen Bergen liegt, war bereits 1979 von einem Erdbeben betroffen, bei dem fünf Personen ums Leben kamen und 2.000 Menschen obdachlos wurden.

Langwierige Restaurationsarbeiten seien durch die Erdstöße innerhalb von Sekunden vernichtet worden, berichteten die Behörden.

Rettungskräfte evakuierten ein Kloster im Zentrum der Stadt und brachten die Nonnen in Sicherheit. - Foto: APA/AFP

Ursprünge in vorchristlicher Zeit

Die Ursprünge Norcias gehen auf die Zeit der Sabiner zurück. Die Ortschaft wurde im 3. Jahrhundert vor Christus von den Römern erobert. Im Jahr 572 wurde Norcia von den Langobarden, deren Zentrum sich im nahen Spoleto befand, zerstört.

Ihnen folgten Byzantiner und Sarazenen. Norcia wurde 890 von der Bevölkerung verlassen. Erst langsam entwickelte sich danach wieder das bürgerliche Leben, bis sich Norcia um 1200 als Kommune konstituierte. Es entwickelte sich zu einem regionalen Zentrum und Handelsplatz. Gleichzeitig wurde die heute noch erhaltene Stadtmauer errichtet.

Zehlreiche bedeutende Kirchenbauten

Neben der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert sind vor allem die Gebäude um die Piazza San Benedetto von besonderer Bedeutung. Hier standen die Basilika des Heiligen Benedikt, errichtet um 1200, das Rathaus (um 1300) und die im 16. Jahrhundert erbaute Castellina, ein festungsartiger Stadtpalast.

Neben der Kathedrale Santa Maria Argentea gehört die Kirche des heiligen Franziskus (14. Jahrhundert) zu den herausragenden Kirchenbauten der Stadt.

Stadt der Trüffel

1484 kam die Stadt nach heftigem Widerstand unter die Regierung des Heiligen Stuhls, bis sich am 18. September 1860 in einer Volksabstimmung eine große Mehrheit der Bevölkerung für den Beitritt zum Königreich Italien aussprach.

Norcia ist über Italien hinaus für seine Schwarzen Trüffel und Schweine-Würste bekannt. Die haltbaren Würste aus Norcia wurden früher von fliegenden Händlern in ganz Mittelitalien verkauft. Daher werden noch heute Feinkostläden in Italien als Norcineria bezeichnet.

apa/stol

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