Samstag, 30. November 2019

„Es fehlen nach wie vor geeignete Behandlungsmethoden“

Die Südtiroler Parkinsonvereinigung nimmt den heutigen Nationalen Parkinsontag zum Anlass für eine Bilanz zur aktuellen Situation der Parkinsonpatienten im Land. Das Fazit: Es fehlen nach wie vor geeignete Behandlungsmethoden.

Bei der Parkinson-Therapie hat Südtirol noch Aufholbedarf, sagt die Südtiroler Parkinsonvereinigung.
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Bei der Parkinson-Therapie hat Südtirol noch Aufholbedarf, sagt die Südtiroler Parkinsonvereinigung. - Foto: © shutterstock

Parkinson ist nicht heilbar, doch mit lediglich 2 wichtigen Maßnahmen kann man der großen Mehrzahl der Erkrankten ein langes Leben zu verhältnismäßig guten Bedingungen ermöglicht werden. Diese Maßnahmen bestehen zum einen in der Verabreichung von Medikamenten, mit deren von Neurologen verschriebenen Einnahme man zumindest für die ersten 2 Jahre der Erkrankung gute Resultate erzielen kann.

Die 2. Maßnahme ist die Rehabilitation. Ihr kommt wissenschaftlich betrachtet eine zunehmende Wichtigkeit zu. Wurde den physiotherapeutische Maßnahmen früher zwar eine positive, aber nicht entscheidende Rolle zuerkannt, ist es nunmehr wissenschaftlich erwiesen, dass durch eine regelmäßige Physiotherapie nicht nur körperliche Erleichterungen erzielt werden (besseres Gleichgewicht, weniger Stürze, verbesserte Trittsicherheit und Haltung), sondern die Erneuerung der Nervenzellen angeregt wird und sich somit der Verlauf der Krankheit verlangsamt.

In den Therapieprogrammen in der Provinz Bozen ist bisher keinerlei individuelles und andauerndes, in den Rehazentren, den Selbsthilfegruppen oder zu Hause anwendbares Behandlungsprogramm vorgesehen, obwohl dies bei Parkinson unabdingbar ist. Die Provinz Trient bietet ein solches Programm, bei vergleichbaren finanziellen Mitteln im Bereich der Sanität, seit fast 10 Jahren an: Dieses „PDTA“ (Percorsi Diagnostico Terapeutico Assistenziali) wurde 2011 eingeführt und wird derzeit hinsichtlich multidisziplinärer Behandlung und Hauspflege im fortgeschrittenen Krankheitsstadium erweitert.

In den letzten Wochen gab es mehrere Gespräche mit den Führungskräften des Sanitätsbetriebes. Diese haben die Bereitschaft zur Einführung eines solchen Programms bekundet. Das Programm soll nun innerhalb einer eigenen Kommission unter Berücksichtigung der multidisziplinären Diagnose und der Versorgung der Patienten in den nachfolgenden Krankheitsphasen ausgearbeitet werden. Die Rehabilitation muss dauerhaft sein und keineswegs sporadisch bzw. gänzlich fehlend (wie im Falle des Krankenhauses Bozen, wo es keinerlei Möglichkeiten gibt und die Einrichtung eines spezialisierten Parkinson-Rehabilitationsteams notwendig ist).

Die Parkinsonvereinigung appelliert an alle Sanitätsstellen, dass dieser Missstand, der unzählige Familien belastet und die Lebensqualität hunderter Erkrankter einschränkt, behoben wird. „Wir hoffen auf die Einsicht, dass Sparmaßnahmen zu Lasten chronisch erkrankter Personen letztendlich wieder die öffentlichen Kassen belasten und zudem viel Leid für die Betroffenen zur Folge haben.“

stol