Mittwoch, 14. Oktober 2015

Europas wahre Sprache, die Mehrsprachigkeit

Sprachen sind eine Ressource, Mehrsprachigkeit bedeutet Reichtum, ist Landesrat Philipp Achammer überzeugt. Man müsse Sprachenvielfalt als Chance begreifen und sich den Ängsten und Herausforderungen stellen. Bei der Integrationstagung 2015 an der EURAC in Bozen ging es am Mittwoch um Mehrsprachigkeit vor allem als unverzichtbare Ressource und Chance am Arbeitsplatz.

Euregio-Integrationstagung: Sprachenvielfalt als Chance
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Euregio-Integrationstagung: Sprachenvielfalt als Chance - Foto: © shutterstock

In seinen Grußworten betonte Landesrat Philipp Achammer, dass Sprachenvielfalt in der Realität nicht immer nur als Chance gesehen werde, sondern oftmals auch Ängste hervorrufe. Hier gelte es, anderen Menschen mit Offenheit und Neugierde gegenüber zu treten und vor allem voneinander und miteinander zu lernen.

Mehrsprachigkeit als Reichtum erkennen und nutzen

"Das ist die riesige Chance auch und gerade in der Europaregion", so Landesrat Achammer. "Die Beherrschung mehrerer Sprachen ist immer auch mit Sonderkompetenzen verbunden", fuhr der Landesrat fort, "Sprachen sind eine Ressource. Die Herausforderung besteht darin, Mehrsprachigkeit als einen Reichtum zu erkennen und auch zu nutzen."

Für Jean Claude Beacco, Universitätsprofessor an der Universität Sorbonne in Paris, ist die wahre Sprache Europas die Mehrsprachigkeit.

Gerade Unternehmen seien verstärkt auf mehrsprachige Mitarbeiter angewiesen, da sie ihnen den Zugang zu anderen Märkten öffne. Ganz zu schweigen von der Kreativität und vom vernetzten und flexiblen Denken mehrsprachiger Mitarbeiter - darunter auch Einwanderer aus anderen Ländern, von dem kleine und mittlere Unternehmen auch und gerade in der Europaregion profitieren können.

Spracherwerb von Kindesbeinen an ist auch für Migranten wichtig

Für die Integrationslandesrätin des Landes Tirol, Christine Baur, gehe es bei der Integration neuer Mitbürger zunächst einmal um den Spracherwerb von Kindesbeinen auf und um die Schaffung der notwendigen Strukturen und Ressourcen. Vor allem aber müsse Begegnung auf allen Ebenen stattfinden, um Ängste und Vorurteile abzubauen. "In diesem Zusammenhang sehe ich die Sprachenvielfalt als unerschöpflichen Ressourcenspeicher, den es in allen Lebensbereichen und insbesondere in der Wirtschaft zu nützen gelte", unterstrich Landesrätin Baur.

Schlüssel zu sozialer Gleichberechtigung 

Die Universitätsprofessorin Ulrike Jessner-Schmid und Forscherin Elisabeth Allgäuer-Hackl gingen in ihrem Tandem-Vortrag auf die Grundlagen und praktische Umsetzung der Mehrsprachigkeit als Ressource am Arbeitsplatz ein. Sie unterstrichen vor allem die Vorteile der Mehrsprachigkeit aus der Sicht der Forschung und gezeigt an konkreten Beispielen wie Tourismus und Gastronomie.

Sprachenvielfalt könne aus ihrer Sicht aber auch der Schlüssel zu sozialer Gleichberechtigung und zu Karriere sein. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, müsse die Mehrsprachigkeit aber auch bereits in der beruflichen Ausbildung Berücksichtigung finden, weshalb hier die Bildungsverantwortlichen gefordert seien sich  zu hinterfragen, welche mehrsprachigen Kompetenzen gefragt seien und diese in die Umsetzung bringen.

Dana Engel und Maria Stopfner vom Institut für Fachkommunikation und Mehrsprachigkeit der EURAC stellten abschließend ihre interaktive Wanderausstellung "Sprachenvielfalt - in der Welt und vor unserer Haustür" vor, welche speziell für Schulen geeignet ist.

stol/lpa

stol