Mittwoch, 29. Mai 2019

Fahrlässige Tötung: Pkw-Lenker verurteilt

Für einen Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss gelten nicht dieselben Verhaltensregeln wie für einen nüchternen: Abgesehen davon, dass es verboten ist, sich betrunken ans Steuer zu setzen, müsse man gerade bei getrübtem Bewusstsein besonders vorsichtig sein. Das unterstreicht Richter Walter Pelino in der Urteilsbegründung zum tödlichen Verkehrsunfall im Sommer 2016 in Moritzing.

Badge Local
Foto: © shutterstock

Damals hatte Alexander Daum (26) sein Leben verloren. Er fuhr in der Nacht auf den 16. Juli mit dem Fahrrad von der Bozner Innenstadt heim nach Siebeneich. In der Moritzingerstraße auf der Höhe der Hausnummer 37 verließ er den Radweg und querte nahe des Zebrastreifens die Straße. Dabei wurde er von einem Pkw erfasst.

Die Carabinieri hatten den Pkw-Fahrer einem Alkoholtest unterzogen, dieser ergab 1,43 Promille. Der Mann musste sich wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr verantworten. Er beantragte ein verkürztes Verfahren, im März verurteilte ihn Richter Walter Pelino zu einem Jahr und 2 Monaten Haft. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. 

Die Verteidigung hatte darauf gepocht, dass der Unfall nicht zu vermeiden gewesen sei – unabhängig vom Zustand des Pkw-Lenkers. Der Radfahrer sei urplötzlich aufgetaucht.

Autofahrer mit mehr als 50 Stundenkilometer unterwegs gewesen

Richter Pelino ist anderer Auffassung. Der Zebrastreifen sei beleuchtet, der Radweg verlaufe entlang der Straße, die Lichter des Rades hätten funktioniert. Der Richter stellt klar, dass Artikel 141 der Straßenverkehrsordnung den Autofahrer verpflichtet, die Geschwindigkeit in der Nähe von Zebrastreifen immer zu drosseln – unabhängig davon, ob jemand vor dem Überqueren zu sehen sei. Aus dem Amtsgutachten schließt er, dass der Autofahrer schneller als 50 Stundenkilometer fuhr.

Das Verhalten im Straßenverkehr sei aber immer Gegebenheiten anzupassen. Wenn man also bei einem nüchternen Lenker erwarten könne, vor einem Zebrastreifen eine Geschwindigkeit von nicht mehr als 40 Stundenkilometer einzuhalten, sei es rechtmäßig, von einem betrunkenen Autofahrer – der sich gar nicht hätte ans Steuer setzen dürfen – zu verlangen, noch langsamer zu fahren – schätzungsweise 30 Stundenkilometer, so der Richter.

Unfall wäre mit niedriger Geschwindigkeit vermeidbar gewesen

Alkohol im Blut verlangsame die Reflexe. Umso mehr sei besondere Vorsicht walten zu lassen. Der Pkw-Lenker habe es nicht mehr geschafft, zu bremsen, weil er zu schnell unterwegs und betrunken gewesen sei. Deshalb habe er den Radler erst im letzten Moment bemerkt. Hätte er eine – auch seinem Zustand – angemessene Geschwindigkeit eingehalten, wäre der Unfall nicht passiert, ist der Richter überzeugt. Die Verteidigung hat Berufung gegen das Urteil angekündigt.

D/rc

stol