Donnerstag, 21. Mai 2015

Fischsterben im Plauser Graben durch Pestizide verursacht

Laboruntersuchungen von toten Fischen und an Ort und Stelle gezogene Wasserproben haben ergeben, dass das Fischsterben im Plauser Graben durch Pestizide verursacht worden sei. Das schreibt der Landesfischereiverband Südtirol und fordert verstärkte Kontrollen und die Einhaltung der bestehenden Gesetze, vor allem den im Gewässerschutzgesetz vorgesehenen Uferschutzstreifen.

Einige der verendeten Fische. (Foto: Landesfischereiverband)
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Einige der verendeten Fische. (Foto: Landesfischereiverband)

Ende April war es im Plauser Graben zu einem Fischsterben gekommen, welches von der Forststation Naturns lückenlos dokumentiert wurde. Augenscheinlich konnte damals keine Ursache ausgemacht werden. Daher wurden tote Fische gesammelt und Wasserproben gezogen und an akkreditierte Labore zur Untersuchung geschickt.

Die Ergebnisse dieser Proben liegen nun laut Aussendung des Landesfischereiverbandes vor. Sowohl im Fischgewebe als auch im Wasser des Grabens selbst wurde eine stark erhöhte Konzentration von Chlorpyrifos-ethyl festgestellt, welches beispielsweise als Hauptbestandteil des Pestizids Dursban im Südtiroler Obstbau flächendeckend zur Bekämpfung der Vektoren des Besenwuchses eingesetzt wird.

Spuren des gefährlichen Pestizids Dursban nachgewiesen

Das Sicherheitsdatenblatt von Dursban gibt Auskunft über die Gefährlichkeit: Die Chemikalie kann beim Verschlucken Lungenschäden verursachen, reizt die Augen, Atmungsorgane sowie die Haut und ist sehr giftig für Wasserorganismen, was in Gewässern längerfristig schädigende Wirkungen haben kann.

Laut Aussendung konnte in Plaus trotz der von Südtirols Obstwirtschaft mehrmals betonten Sicherheitsstandards bei der Ausbringung von Pestiziden eine hohe Dosis des Gifts in das Gewässer gelangen. Dadurch wurden die dort vorkommenden Fische getötet, unter anderem auch geschützte und prioritäre Fischarten wie die Marmorierte Forelle und die Mühlkoppe. Welche schädigenden Auswirkungen der nachgewiesene Wirkstoff dabei auf die Insekten-Lebewelt des Gewässers hatte, könne nur erahnt werden.

Mehr Einsatz zum Schutz des Gewässerlebensraums gefordert

Der Landesfischereiverband Südtirol fordert daher von die politischen Entscheidungsträgern, sich stärker als bisher für den effektiven Schutz des Gewässerlebensraumes einzusetzen.

Ein erster Schritt dazu wäre die konkrete Umsetzung des Artikel 53, Absatz 3 des Dekretes Nr. 6 zum Gewässerschutz vom 21. Jänner 2008, welcher einen Uferschutzstreifen mit natürlicher Vegetation entlang aller öffentlicher Gewässer vorsieht. Damit könnten die Einflüsse von schädigenden Chemikalien aus dem Obstbau verringert werden.

Die aktuelle Südtiroler Realität sehe gänzlich anders aus, da die allermeisten Kleingewässer der Talsohle nach wie vor ohne Uferschutzstreifen auskommen müssen. Der Landesfischereiverband weist bereits seit Jahren auf diesen Missstand hin und forderte diesbezüglich konkrete Maßnahmen auch von Seiten der Bonifizierungskonsortien – bislang leider ohne erkennbare Fortschritte.

Landesrat Schuler fordert Aufklärung

"Da jetzt feststeht, dass das Mittel in großen Mengen nachgewiesen wurde, ist von einem grob fahrlässigen Umgang mit diesem Mittel oder einer bewussten Vergiftung auszugehen", erklärte Landesrat Arnold Schuler.

Er will eine uneingeschränkte Aufklärung dieses Falles und hat deshalb Proben und Dokumente unverzüglich an die Staatsanwaltschaft weiterleiten lassen.

stol

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