Mittwoch, 14. Oktober 2015

"Flüchtlinge sollen und wollen arbeiten"

Flüchtlinge in Meran und auch Bozen sollen in naher Zukunft Freiwilligenarbeit verrichten können. Der Stadtrat von Meran hat jüngst grünes Licht gegeben und um die nötige, gesetzliche Genehmigung angesucht. Wozu das gut sein soll, erklärt Merans Vizebürgermeister Andra Rossi.

Nicht nur herumsitzen und warten: Viele Flüchtlinge wollen kleine Arbeiten verrichten. Damit sie es rechtlich auch dürfen, haben die Gemeinden Bozen und Meran erste Schritte gesetzt.
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Nicht nur herumsitzen und warten: Viele Flüchtlinge wollen kleine Arbeiten verrichten. Damit sie es rechtlich auch dürfen, haben die Gemeinden Bozen und Meran erste Schritte gesetzt.

Südtirol Online: Laut geltenden Bestimmungen dürfen Flüchtlinge, auch jene, die einen Asylantrag gestellt haben, keinen Finger rühren. Nun sollen sie freiwillig arbeiten dürfen. Was steckt hinter der Aktion?

Andrea Rossi, Vizebürgermeister von Meran: Wir haben uns in der Sache an einem Protokoll der Gemeinde Bozen vom Juli 2015 orientiert. Darin ist vorgesehen, dass Gemeinde, Land und Regierungskommissariat die Möglichkeit bekommen sollen, zu arbeiten. Dasselbe wollen wir für Meran erreichen.

STOL: Der Stadtrat hat grünes Licht zur Unterzeichnung des entsprechenden Abkommens mit dem Regierungskommissariat gegeben. Was genau stellen Sie sich unter Freiwilligenarbeit vor?

Rossi: Es geht immer um soziale Arbeit im Dienste der Allgemeinheit. Die Flüchtlinge werden dafür auch nicht bezahlt. Es ist aber eine Möglichkeit für sie, sich einzubringen. Sie sollen und wollen Arbeiten verrichten. Das passiert unter professioneller Begleitung – etwa bei der Stadtgärtnerei. Dort könnten die Flüchtlinge helfen, einen Park zu säubern und dergleichen. Die Struktur muss die notwendigen Gerätschaften und Utensilien zur Verfügung stellen und darüber hinaus für die Sicherheit der Beschäftigten sorgen, sprich es gibt eine Versicherung.

STOL: Warum ist so eine freiwillige Arbeit sinnvoll?

Rossi: Die Bearbeitung von Asylansuchen dauert oft Monate. Die Zeit des Wartens ist für die vorwiegend jungen Männer zermürbend und kann so besser genutzt werden. Zwar sind die Betroffenen fleißig am Sprachenlernen und beteiligen sich an den Aktionen in den entsprechenden Unterkünften, wie etwa der Herstellung von Stühlen, doch auf diese Weise kommen sie auch aus den Strukturen hinaus.

STOL: Wann soll es mit den ersten Arbeitseinsätzen soweit sein?

Rossi: Wenn es nach mir geht, so schnell wie möglich, aber der rechtliche Weg hat seine fixen Schritte. Wir wollen das Abkommen zudem von Caritas und Bezirksgemeinschaft unterschrieben wissen, damit wir zwei starke Partner haben, die sich in sozialen Belangen bereits engagieren und eine Ahnung davon haben. Wie weit das Vorhaben in Bozen bereits gediegen ist, weiß ich nicht, da es derzeit ja keine Stadtregierung gibt.

Interview: Petra Kerschbaumer

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In Meran sind derzeit insgesamt 75 Flüchtlinge in den ehemaligen Arbeiterhäuser auf dem Gelände des Hauptbahnhofes untergebracht, 70 hingegen im Haus Arnika in Untermais, wobei dort mehrere Familien mit minderjährigen Kindern leben.

stol