Freitag, 30. September 2016

Gestohlene Van Gogh-Werke bei Mafia-Boss sichergestellt

Die Polizei in Neapel hat im Rahmen einer Razzia gegen internationale Drogendealer zwei kostbare Werke von Vincent Van Gogh sichergestellt, die 2002 aus dem Amsterdamer Van-Gogh-Museum gestohlen worden waren.

Das berühmte Selbstportrait von Vincent van Gogh: Zwei gestohlene Werke des holländischen Malers wurden im Haus eines Mafia-Bosses gefunden.
Das berühmte Selbstportrait von Vincent van Gogh: Zwei gestohlene Werke des holländischen Malers wurden im Haus eines Mafia-Bosses gefunden. - Foto: © shutterstock

Die Werke befanden sich im Besitz eines Camorra-Clans, bei dem Besitztümer im Wert von mehreren Millionen Euro beschlagnahmt wurden, teilte die Polizei am Freitag mit.

Die Gemälde von unermesslichem Wert wurden im Haus eines Drogenbosses, Raffaele Imperiale, entdeckt, der sich in Haft befindet. Die Bilder wurden in Baumwolltücher eingewickelt in der Ortschaft Castellammare di Stabia südlich von Neapel gefunden.

Zeegezicht bij Scheveningen“ zeigt die stürmische See vor dem Strand des Den Haager Küstenorts Scheveningen. Das Bild misst 34,5 mal 51 Zentimeter. Das Ölgemälde zeigt dicke graue Sturmwolken und schäumende Meereswellen, die auf das sandige Ufer rollen. Mitten darin liegt ein Boot ohne Segel. Das Ölbild war von Van Gogh 1882 während eines Sturms direkt an der Küste gemalt worden. Darauf deuten nach Angaben des Museums noch Sandkörner hin, die in der kräftig aufgetragenen Farbe stecken. Es ist das einzige Werk in der Sammlung des Museums aus der Den Haager Periode des Malers von 1881 bis 1883. - Foto: APA/afp

Einen entscheidenden Beitrag zu den Ermittlungen leistete ein abtrünniges Camorra-Mitglied, das sich zur Zusammenarbeit mit der Justiz entschlossen hatte. Unter anderem wurden 49 Immobilien, Jachten, ein Flugzeug und 88 Bankkonten beschlagnahmt. Der Clan Amato Pagano, dem der Boss Imperiale angehörte, spielt eine wesentliche Rolle im Drogenhandel mit Südamerika.

Renzi lobt Ermittler

Das eine der wiedergefundenen Gemälde ist eine Darstellung des Meeres bei Scheveningen aus dem Jahr 1882. Das andere zeigt die reformierte Kirche von Van Goghs Heimatort Nuenen. Das 1884 entstandene kleinformatige Bild hatte der Maler seinen Eltern geschenkt, Van Goghs Vater war der Pfarrer der Gemeinde.

„Ich bin auf unsere Ermittler stolz“, kommentierte der italienische Premier Matteo Renzi. Er informierte seinen niederländischen Amtskollegen Mark Rutte über die Sicherstellung der Gemälde. Beide Premiers beteiligten sich am Freitag an der Trauerzeremonie für den verstorbenen israelischen Ex-Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Shimon Peres in Jerusalem.

Das in dunklen Farben gehaltene ebenfalls kleinformatige Ölbild von der „Kirche in Nuenen“ (Provinz Nordbrabant) hat van Gogh 1884 für seine Mutter gemalt. Sein Vater war dort Pfarrer. Van Gogh hatte das Bild vermutlich im Herbst 1885 nach dem Tod seines Vaters teilweise übermalt und im Vordergrund einige Personen hinzugefügt. Es ist das einzige Gemälde in der Sammlung des Museums mit dem originalen Spannrahmen. Dieser ist nach Angaben des Museums bedeckt mit Farbresten. Wahrscheinlich hatte van Gogh daran seine Pinsel abgewischt. - Foto: APA/afp

„Die Resultate dieser Ermittlung bezeugen, wie stark kriminelle Organisationen an Kunstwerken interessiert sind, die als Form von Investition betrachtet werden“, kommentierte der italienische Kulturminister Dario Franceschini. „Ich hatte jegliche Hoffnung verloren, dass man die Gemälde wieder finden würde“, freute sich der Direktor des Van Goh-Museums Axel Rüger.

Die Bilder waren im Dezember 2002 aus dem Van-Gogh-Museum in Amsterdam gestohlen worden. Ein Jahr später waren zwei Kriminellen wegen des Diebstahls festgenommen und zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Wann die Gemälde in das Museum zurückkehren, ist noch nicht klar.

apa

stol