Donnerstag, 19. April 2018

Häusliche Gewalt: Britin folterte Freund fast zu Tode

Monatelang musste Alex Skeel auf dem Boden schlafen, er bekam nichts zu essen, durfte niemanden sehen, wurde immer wieder verletzt: Erst als seine Freundin verhaftet wurde, traute sich der 22-jährige Brite mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit. Eine Geschichte, die schwer zu glauben wäre - wenn da nicht die Narben wären.

Alex Skeel und Jordan Worth. - Foto: Privat
Alex Skeel und Jordan Worth. - Foto: Privat

Letzten Endes war es ein Polizist, der dem 22-Jährigen die Wahrheit entlocken konnte: Besorgte Nachbarn hatten wieder einmal die Polizei verständigt, die Alex Skeel verletzt in der gemeinsamen Wohnung auffanden. Er habe sich die Wunden selbst zugefügt, sagte der Vater von 2 Kindern. Erst Tage später erzählte er, was wirklich passiert war.

Alex Skeel und Jordan Worth waren 16 Jahre alt, als sie zusammenkamen. Für Skeel war es die erste Beziehung. Zunächst schien alles ganz normal, doch bald schon begann seine Freundin, ihm unter anderem grausame Scherze zu spielen. So erzählte sie ihm, sein Großvater sei gestorben, obwohl dies gar nicht stimmte. 2 Stunden lang ließ sie ihren Freund trauern, bis sie ihm die Wahrheit erzählte.

„Sie drohte, mich umzubringen“

Immer wieder beschimpfte sie ihn, nannte ihn dumm. Sie zerstörte sein Handy, kontrollierte sein Facebook-Profil und verbot ihm, Freunde und Familie zu kontaktieren: „Ich konnte mit niemandem reden. Sie drohte, mich umzubringen, sollte ich sie je verlassen“, erzählte Skeel am Mitwtoch in der britischen Morgenshow „This Morning“ auf ITV.

Nach 3 Jahren Psychoterror begann die Körperverletzung: Während Skeel schlief, schlug Worth mit einer Flasche auf den Kopf ihres Freundes, später mit einem Hammer. Schließlich schlief er acht Monate lang auf dem Boden, bedeckte sich mit Kleidungsstücken und verwendete sie als Kissen.

Die Körperverletzung wurde immer schlimmer: Worth stach mit einem Messer auf ihn ein, schüttete kochendes Wasser über ihren schlafenden Freund. Sie verbot ihm, ins Krankenhaus zu gehen oder seine Wunden ordentlich zu versorgen. Wenn besorgte Nachbarn die Polizei riefen, erzählte der 22-Jährige, er hätte sich selbst verletzt. 

Bis ihm ein Polizist endlich die Wahrheit entlockte: „Er führte mich vom Haus ins Polizeiauto und sagte: Erzähl mir die Wahrheit. Ich wiederholte, ich hätte mir die Wunden selbst zu gefügt, aber er glaubte mir nicht. Dann schaltete er die Kamera, die er an seiner Uniform hatte (Body-Cam) aus, und plötzlich sprudelte alles aus mir heraus. Sobald ich wusste, dass nur ich und er da waren, konnte ich mich anvertrauen.“

„Man findet immer Gründe zu bleiben“

In der Morgenshow am Mittwoch zeigte Skeel Narben an Hand und Handgelenk: „Die Ärzte sagten, die Wunde nur etwas weiter seitlich gewesen wäre, hätte ich sterben können“, so Skeel. Als die Britin endlich verhaftet wurde, wog Skeel 44 Kilogramm und hatte offene Wunden, die sich entzündet hatten. Noch 10 Tage länger, und er hätte wohl nicht überlebt.

Die Narben werden Alex Skeel für immer zeichnen. - Foto: YouTube

Mittlerweile wurde seine Ex-Freundin - und Mutter der beiden gemeinsamen Kinder - wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung zu einer Haft von 7,5 Jahren verurteilt.

„Der Polizist hat mein Leben gerettet“, ist sich Skeel sicher. Warum er Worth nicht einfach verließ? „Jedes Opfer häuslicher Gewalt stellt sich dieselbe Frage, und findet trotzdem immer wieder Gründe, zu bleiben.“

stol/liz

stol