„Mensch, was ich heute bin, das wirst du morgen sein“, lautet ein Spruch aus unbekannter Quelle. Mit diesem Satz fasst der Alois Greiter den Grundgedanken hinter den Totenbrettern zusammen. <BR /><BR />Er hat als Historiker viele Jahre seines Lebens der Geschichte seiner Geburtsgemeinde Unsere Liebe Frau im Walde – St. Felix gewidmet. Auch über die Geschichte hinter den „Rech“ oder „Totenbrettern“, die man in Südtirol nur noch dort findet, hat der „Felixer“ eine Abhandlung geschrieben.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-63064848_quote" /><BR /><h3> Totenbretter – „Hölzernes Memento mori“</h3> Unter „Rechbretter“ („rech“ = Leiche) oder auch „Totenbrettern“ versteht man Bretter aus Holz, aus denen der Namen und die Daten eines Verstorbenen eingekerbt werden. Das eingekerbte Holz wird dann als eine Art Brücke an einer sumpfigen Stelle am Rande eines Kirchsteiges platziert, um dort an den Verstorbenen und die eigene Sterblichkeit zu erinnern und zu gedenken. <b><BR /><BR />Wer auch immer über diese Bretter steigt, soll ein Gebet an den Verstorbenen sprechen und gleichzeitig an die eigene Sterblichkeit gedenken</b>. So beschreibt Jakob Aufderklamm 1959 in den „Schlern-Schriften“ die sakrale Tradition. In gewisser Weise können die Bretter aus Holz also als eine Art „hölzernes Memento mori“ bezeichnet werden.<BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-63076869_listbox" /><BR /><BR /><BR />Dieser Brauch geht auf die Mitte des 6. Jahrhunderts zurück und stammt ursprünglich aus Bayern. Dort wird er wie auch in St. Felix am Deutschnonsberg heute noch gepflegt und fortgeführt. Laut „Schlern-Schriften“ ist das bayrische Brauchtum auch bis ins Ultental vorgedrungen, heute findet man die Totenbretter in Südtirol aber nur noch in St. Felix.<h3> Die Tradition: Von der Barre zum Andenken</h3>„Wichtig ist, vorab zu erwähnen, dass die Bretter einem <b>rein religiösen Zweck dienen. Ihre Hauptfunktion ist es, an den Verstorbenen und den eigenen Tod zu gedenken und das auch in das Gebet miteinzubeziehen</b>“, betont der Historiker Alois Greiter. Mit Gedenken meine er eine seelisch stärkere Form der Erinnerung, eine, die mit Ehrfurcht einhergeht. Eine Form der Erinnerung, die heute immer mehr verloren ginge.<h3> Aufbahren, Einkerben und Gedenken</h3>Bevor die Totenbretter aber zum Gedenken an den Verstorbenen anregten, wurde ihnen ein anderer Zweck zuteil: Die meist 2 Meter langen Bretter aus Holz wurden vorab dazu verwendet, um den Körper des Verstorbenen vor der Beerdigung entweder auf dem Bett oder auf 2 Holzblöcken aufzubahren. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="987244_image" /></div> <BR />Erst nach der Beerdigung kam es laut den „Schlern-Schriften“ zum eigentlichen, religiösen Zweck der Bretter, „<b>die daraufhin jedem alltäglichen Gebrauch aus Ehrfurcht vor dem Toten entzogen wurden“</b>, erklärt der Historiker.<h3> Religiöser Zweck der Rechbretter</h3> Erst an dieser Stelle folgte der eigentliche, religiöse Hauptzweck: In eines der Bretter wurden nach der Beerdigung das Todes- und Geburtsdatum und der Name oder die Initialen des Verstorbenen gekerbt. „Es gab nicht die eine Holzart, die man für die Rechbretter verwendet hat. Man hat das benutzt, was man auf dem Hof hatte“, erklärt Greiter.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="987247_image" /></div> <BR /><BR />Die Bretter wurden anschließend an den Kirchsteigen, auf besonders sumpfigem und unwegsamen Boden platziert und dienten dort hauptsächlich als Andenken, aber auch als eine Art Brücke.„<b>Der Hauptzweck ist aber nicht der, Brückenersatz zu sein, sondern ein religiöser</b>“, heißt es in der Abhandlung von 1959.<BR /><BR />Als Standort wurden die Kirchensteige gewählt, weil „man sich früher hauptsächlich darauf fortbewegt hat. Diese Steige waren der kürzeste Weg vom Hof bis zur Kirche“, schildert der Historiker den Alltag früher.<BR /><BR /> An den sumpfigen Stellen der Kirchsteige gelegen, erfüllten die Totenbretter dort, wenn auch nicht als Hauptzweck, auch die Funktion einer Brücke. „Diese Brückenfunktion kann auch als Metapher interpretiert werden: Das Totenbrett als Brücke auf dem sumpfigen Untergrund aber auch als Brücke zwischen den Lebenden und den Toten“,sagt Alois Greiter.<h3> Die Tradition heute</h3>Auch heute noch finden wir in St. Felix Rechbretter mit eingekerbten Todes- und Geburtsdatum, Namen oder Initialen von Verstorbenen. Darunter sind auch jüngere Totenbretter, die erst wenige Jahre alt sind:<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="987250_image" /></div> <BR /><BR />Trotzdem geht das Brauchtum zurück und verändert sich: Besonders durch das Aufkommen der Bestattungsfirmen verschwindet es mehr und mehr, sagt Greiter. „Diejenigen Familien, die es trotzdem fortführen, reduzieren den Brauch meist auf das Einkerben der Bretter und platzieren diese an den betreffenden Stellen. Meist dort, wo einst die Kirchsteige verliefen“, sagt Hubert Kofler, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats in St. Felix. Aber es seien auch neue Stellen für die Platzierung der Totenbretter hinzugekommen.<BR /><BR />Auch der bereits erwähnte Wandel des Gedenkens hin zum Erinnern, an den Verstorbenen, spiele eine Rolle. „Umso schöner also, dass sich der Brauch der Rechbretter nach wie vor auf dem Deutschnonsberg hält“, erläutert Greiter.<h3> Von Bayern bis nach St. Felix</h3>Wie dieser Brauch von Bayern bis auf den Deutschnonsberg vordringen konnte, ist nicht ganz klar. Es gebe laut dem Historiker in St. Felix zwar noch heute das im Volksmund sogenannte „Bairische Viertel“ und auch Erzählungen von Wanderern oder arbeitssuchende Holzhackern, die das Brauchtum kennengelernt und auf den Nonsberg gebracht haben sollen. Der genaue Hintergrund ist allerdings nicht bekannt.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />