Dienstag, 24. Januar 2017

Hotel Rigopiano: 16 Tote - Noch 14 Vermisste

Die Bergung der Lawinenopfer in dem verschütteten Hotel in Farindola in Mittelitalien ist am Dienstag, dem sechsten Tag nach dem Unglück, zügiger vorangekommen. Die Zahl der Todesopfer stieg am Dienstag auf 16, haben die Rettungsmannschaften mitgeteilt. Weitere 13 Personen werden noch vermisst. Neun Personen konnten bisher lebend aus den Trümmern und Schneemassen befreit worden.

Die Bergung der Lawinenopfer in dem verschütteten Hotel in Farindola in Mittelitalien ist am Dienstag, dem sechsten Tag nach dem Unglück, zügiger vorangekommen.
Die Bergung der Lawinenopfer in dem verschütteten Hotel in Farindola in Mittelitalien ist am Dienstag, dem sechsten Tag nach dem Unglück, zügiger vorangekommen. - Foto: © APA/AFP

Aus dem Vier-Sterne-Hotel am Hang des Gran-Sasso-Massivs im Herzen der Apennin-Region Abruzzen gab es seit längerer Zeit kein Lebenszeichen mehr. Zu den Todesopfern zählt auch ein 22-jähriger Flüchtling aus dem Senegal, der seit einigen Monaten als Tellerwäscher im Hotel Rigopiano gearbeitet hatte. Der Mann war seit 2009 in Italien. Auch die Eltern eines lebend geborgenen Buben zählen zu den Todesopfern, von denen sechs noch identifiziert werden müssen.

"Wir suchen weiter, bis wir alle gefunden haben"

Zu den Leichen, die aus den Trümmern geholt wurden, zählt die Hotelmitarbeiterin Linda Salzetta. Ihr Bruder, der ebenfalls im Hotel arbeitete, hatte als erster Alarm geschlagen und Hilfe gerufen. Er hatte mit dem 38-jährigen Koch Giampiero Parete die Nacht im Auto verbracht, bevor nach stundenlangem Warten die Retter eintrafen.

„Wir suchen weiter, bis wir alle gefunden haben. Wie lang das noch dauern wird, ist im Moment noch schwer zu bewerten“, berichtete Zivilschutzchef Fabrizio Curcio am Dienstag. Die ermittelnde Staatsanwältin Cristina Tedeschini betonte, die Verspätung beim Start der Rettungsaktion habe etwa eine Stunde betragen und könne nicht als „entscheidend“ betrachtet werden. Sie ermittelt jedoch wegen Fahrlässigkeit gegen Unbekannt.

Niemand rechnete mit dem Unglück

Offenbar rechnete niemand mit dem Unglück. „In den vergangenen 70 Jahren wurde noch nie eine Lawine in Betracht gezogen“, meinte der ehemalige Bürgermeister von Farindola, Massimiliano Giancaterino, dessen Bruder im Hotel ums Leben kam. Auch nach Angaben des Vorsitzenden des italienischen Geologen-Rats, Francesco Peduto, galt die Gegend bisher als wenig lawinengefährdet. Erst der ungewöhnlich harte Winter und die Erdbebenserie am Mittwoch hätten zu der Tragödie geführt.

Am Dienstag fanden die Begräbnisse einiger Todesopfer statt. In der Ortschaft Farindola wurde der Kellner des Hotels, Alessandro Giancaterino, beigesetzt. Die Region Marke verabschiedete sich von drei Personen, die ums Leben kamen.

Südtiroler Bergretter vor Ort

Mehrere Nordtiroler und Südtiroler Bergretter unterstützen unterdessen die italienischen Rettungskräfte bei der Suche nach Vermissten. Mit Dampfsonden, die bei der Suche nach Verschütteten im Schnee eingesetzt werden, reisten sie zum Unglücksort und suchten nach Überlebenden. Die Dampfsonden, die von Glaziologen bei der Gletschermessung entwickelt wurden, schmelzen drei Zentimeter große Löcher ins Eis. Eine Kanalkamera liefert dann entsprechende Bilder.

apa

stol