Jedes Jahr wenden sich zahlreiche Personen an die Caritas, weil sie mit ihrem Einkommen sich nicht einmal die Grundversorgung leisten können. Miete, Strom, Lebensmittel – häufig reicht das Geld nicht für die Existenzsicherung. <BR /><BR /><b>„Nur ein Löcher-Stopfen“</b><BR /><BR />2021 hat die Schuldnerberatung solchen Personen mit insgesamt 217.000 Euro über die Runden geholfen. Und auch von Land und Staat kommen Soforthilfen. Doch, sagt Petra Priller von der Caritas-Schuldnerberatung, „ist das ja nur ein Löcher-Stopfen“. <BR /><BR /><b>„Mieten sind im Verhältnis zu den Einkommen viel zu hoch“</b><BR /><BR />„Eigentlich bräuchte es langfristige Maßnahmen, die gewährleisten, dass Menschen leben können. Wenn die Ausgaben für Lebensmittel, Strom, Gas, Benzin steigen, dann müssen auch Löhne und Pensionen steigen. Es geht nicht anders“, mahnt sie. Und auch an den Mietpreisen müsse geschraubt werden, „die sind im Verhältnis zu den Einkommen einfach viel zu hoch“, so Priller. <BR /><BR /><b>„Zunahme der Ungleichheiten in der Bevölkerung“</b><BR /><BR />Unterm Strich führt das derzeit eben dazu, dass immer mehr Personen nicht über die Runden kommen. „Besonders betroffen sind natürlich die sogenannten vulnerablen Personen. Etwa Familien mit mehreren Kindern, Personen mit Mindestrente, Arbeitslose, Menschen mit Beeinträchtigung und Immigranten mit prekären Arbeitsverhältnissen“, so Priller. Sie alle tun sich derzeit noch um einiges schwerer als bisher, weiß Priller. <BR /><BR />Und: „Wir erleben eine Zunahme der Ungleichheiten in der Bevölkerung. Etwa bei den Löhnen zwischen Mann und Frau, zwischen Personen in Miete und solchen mit Eigentum, zwischen Migranten und Einheimischen.“ <BR /><BR /><b>„Dann kommen Ängste, Depressionen, gesundheitliche Probleme oder auch Süchte hinzu“</b><BR /><BR />Aber auch der sogenannte Mittelstand „kommt ins Schwanken“, sagt Petra Priller. „Etwas auf die Seite legen ist für viele gar nicht mehr drin, wenn dann unerwartete Ausgaben kommen, wird es bereits eng. Immer öfter erleben wir auch, dass Raten – etwa für Wohnbaukredite oder größere Anschaffungen – nicht mehr beglichen werden können. Wer Raten zu zahlen hat, hat seine Zukunft programmiert – auf der Basis von Einkommen und Ausgaben. Doch wenn die Ausgaben derart steigen, dann kommen auch solche ins Schwanken, die bislang keine Probleme mit den Ratenzahlungen hatten“, so Priller.<BR /><BR />Nicht zu wissen, wovon man sein tägliches Brot und die finanziellen Verpflichtungen zahlen soll, das, so sagt Priller, macht etwas mit den Menschen: „Dann kommen Ängste, Depressionen, gesundheitliche Probleme oder auch Süchte hinzu... und die Situationen werden immer komplexer.“ Und noch etwas macht ihr Sorgen: Immer öfter seien Jugendliche demotiviert, wenn sie mit ihrem Einkommen trotz Vollzeitjob nur Geld für das Nötigste haben und sich nichts leisten können. Wozu mach ich das?, sei eine immer öfter gestellte Frage. <BR />